Nichts mehr können oder: doch noch ein bisschen jammern (gerade mal 31. Schwangerschaftswoche)

25. Juni 2009 § Hinterlasse einen Kommentar

Heute anstehende Termine: 11 Uhr, Impfen des nicht mehr ganz so mini Sohnes. Beim vorletzten Versuch sind wir notfallmäßig mit 40° Fieber in der Kinderarztpraxis aufgekreuzt (Mandelentzündung), beim letzten Versuch war es dann der Schnupfen, im letzten Jahr die Arztphobie, verursacht durch zwei barsche Ärzte und noch mehr schreckliche Schwestern in der Notfallklinik. Also habe ich gestern abend eigentlich schon fast damit gerechnet, dass nachts irgendetwas passiert, und so war es dann auch: Weinen, Kuscheln und laut „Aua“ schreiben und dabei auf den Kopf zeigen.

Oweh, der arme Kleine. Impftermin abgesagt. Stattdessen auf den Kinderspielplatz, denn trotz der schlimmen Nacht scheint es Sohnemann gut zu gehen. Der Bauch hat nun solche Ausmaße erreicht (und ich auch), dass mich wildfremde Leute auf der Straße anquatschen: „Na, alles in Ordnung?“ Und meistens sage ich ja.

Auf dem Rückweg flattert mein Blutdruck, und ich bugsiere uns in die nächste Bäckerei und bestelle eine Cola:  Zucker, Koffein, Wasser, alles, was hilft, um nicht umzufallen. Der nicht mehr ganz so mini Sohn ist glücklicherweise verständig und nickt mitfühlend: „Mama, heiß?“ und bekommt einen Lolli von der Verkäuferin.

Ach, es ist zuviel. Der Kreislauf, der Blutdruck, die Psyche beginnen zu weinen, und ich rufe eine Freundin an, die – von Natur aus vorsichtig – mich zur nächsten Frauenärztin verfrachtet, CTG, geht es auch den Kleinen gut?

Matthias ist schwer einzufangen, Jonathan markiert den Wilden, lautes Bumpern im Wehenschreiber, ja, sie sind lebendig, und es geht ihnen ausgesprochen gut. Besser als mir vermutlich. Und ehrlich, ich bin deprimiert. Ein Rückweg von normalerweise 15 Minuten, und ich strande einige hundert Meter vor unserer Haustür.

Also: noch vorsichtiger planen, Pausen machen, maximal einen Termin pro Tag, besser noch alle zwei Tage, und bin dann wirklich frustriert. Ich schaffe nichts mehr.

Und dann denke ich: Ach, du Schwangere, eine Hochleistung vollbringst du, zwei wilde Kerlchen wachsen in zwei Fruchtblasen, du kümmerst dich um den „großen“ Bruder, ganz viel vollbringst du. Von welchen Maßstäben bist du geleitet?

Und die inneren Stimmen der Vergangenheit und des Zeitgeistes flüstern tatsächlich: Du brauchst Hilfe, schäme dich, schaffst deinen Alltag nicht mehr alleine, du Memme, andere Frauen sind doch auch so nebenbei schwanger …  und längst nicht so aufgedunsen …

Es ist Abend geworden. Ich öffne die kühlen Nachtfenster, sehe hinaus auf das Wasser, das vor unserem Haus vorbeifließt, bastel den Stimmen ein Rindenschiffchen und setze sie hinein. Immer leiser wird ihr Jammern, allmählich verklingen die Stimmen meiner Vergangenheit im nächtlichen Plätschern der Wellen.

Ich schließe die Fenster, lege die geschwollenen Beine liebevoll auf zwei Kissen, massiere die aufgedunsenen Hände, streichel Herrn Bauch und genieße die Ruhe vor dem Sturm, zwei Wirbelwinde mehr in unserer Hütte, das Leben ist schön.

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