einen Tag nach der Bauchgeburt (mit Fotos)

26. Juli 2009 § Hinterlasse einen Kommentar

 

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2. Juli, der Piefke Zwilling im Brutkasten …

Es sieht wilder aus als es ist. Er erhält eine Atemhilfe, die Sauerstoff in seine Nase pustet. Der dicke Schlauch wird an der Mütze befestigt. Alles zusammen drückt sein Gesichtchen zusammen, so dass die geschlossenen Augen dick und geschwollen aussehen. Es war seltsam, ihn tagelang quasi gesichtslos zu sehen …

An Händen und Füßen sieht man Blutergüsse. Es ist schwierig bei diesen Mini-Händen Blut abzunehmen, die Adern platzen schnell und die Pfleger müssen immer wieder neue Stellen suchen. Das Blut wird gebraucht, um zb Infekte nachzuweisen oder die Blutgaswerte zu überprüfen. Je nachdem, erhalten die Zwerge mehr Sauerstoff.

Irgendwo ist noch die Oxy-Sonde befestigt, die Sauerstoffsättigung und Pulsfrequenz misst, auf der Brust befinden sich drei Elektroden, die ebenfalls die Lebensfunktionen messen.

Wenn ein Wert unter eine bestimmte Grenze fällt, piepst der Monitor, es gibt gelben Alarm und roten. Der rote lässt meinen Adrenalinpegel steigen … Auf der Intensivstation piepsen fast alle Kinder rot und gelb.

Der Anblick der beiden war ein Schock für mich, und ich war froh, dass ich vorher einige Zwillingsliteratur gelesen hatte, so wußte ich, dass es vermutlich schlimmer aussieht als es eigentlich ist.

Pfleger und Ärzte waren sehr nett und haben uns alles erklärt, sie wissen ja auch um die psychische Belastung der Eltern … 

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2. Juli, Mini-Finger meines Sohnes

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2. Juli, der andere Zwilling

Der Matze-Zwilling brauchte nur eine Atembrille, die pustet auch Sauerstoff aus, aber ohne regelmäßigen Druck. In den folgenden Tagen wechselten sie sich aber auch ab, mal hatte der eine einen dicken Schlauch, mal der andere …

In den ersten Tagen lagen sich ziemlich platt in ihren Brutkästen und kämpften mit der Luft, die kleinen Brustkörbe beulten sich stark nach innen und es sah sehr angestrengt aus.

Nicht einfach für ein Mutterherz.

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3. Juli, Matze-Zwilli nach zwei Tagen, der grüne Schlauch ist die Magensonde, mit der die Kleinen ihr Essen erhalten.

Und ich?

Sooft ich konnte, habe ich mich im Rollstuhl zu den Kindern schieben lassen, die Stationen liegen weit auseinander und ich konnte noch nicht sehr lange laufen. Der Bauch schmerzte va beim Aufstehen, die Schwestern verteilten großzügig Schmerztabletten. Ein Trost: es geht von Tag zu Tag besser … Dann gibt es noch die Nachwehen, va beim Milchabpumpen, und den Milcheinschuss an sich, meine Brüste sahen aus wie … unbeschreiblich, ich hätte jeden xxl-Wettbewerb gewonnen …

Es war seltsam, meinen ersten Sohn habe ich im Arm gehabt, einfach instinktiv gewußt, was ich machen muss, ihn gewickelt und geküsst. Die beiden Zwerge lagen schwer atmend da, und ich stand irgendwie hilflos davor, während andere, fremde Menschen, ihre Windeln wechselten, ihnen Essen spritzten und Blut abnahmen …

Auch jetzt noch, fast vier Wochen später sind die zarten Mutterbande überaus fragil … und diese ersten Wochen außerhalb meines Bauches werden unsere Beziehungen unser Leben lang prägen …

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