hau ab, alte oma! oder: sprechen lernen

29. September 2009 § Hinterlasse einen Kommentar

der sohn lernt sprechen. tatsächlich. er bildet lange sätze, die grammatikalisch gesehen zumindest als heikel einzustufen sind, aber immerhin mehr als zwei worte enthalten: „mama!!! ich baby auch mama bauch arzt holen“ („mama!!! ich war auch mal ein baby und auch in deinem bauch, dann hat der arzt ein loch in mamas bauch gemacht und mich herausgeholt.“)

oder: „andere gruppe auch puppenecke eine“ (die andere kindergartengruppe hat auch eine puppenecke.“)

oder (als wir noch im krankenhaus waren): „mini babys boah hause“ (die babys sind noch ganz klein, aber wenn sie groß sind, dann kommen sie nachhause.“)

so stolpern wir uns durch die deutsche sprache, und ich versuche, so gut es eben geht, zu übersetzen. die nachteile des sprechen lernens lassen nicht lange auf sich warten, und einmal mehr wird mir bewußt, dass erziehung im wesentlichen auf gutem (oder schlechtem) vorbild-sein beruht.

er spricht nach.

er sitzt in seinem zimmer und will mich hier nicht haben, runzelt die stirn, verkrumpelt die augenbrauen und spricht: „hau ab.“

woher hat er das??? dann fällt es mir ein. so sehe ich aus (und so spreche ich), wenn ich eine wespe vertreiben will: „hau ab, wespe!“

die bessere alternative, habe ich mir überlegt, wäre zu sagen: „liebe wespe, flieg weiter …“

dann gibt es noch die „alte-oma-geschichte …

wir traben durch die fußgängerzone und eine freundliche dame mit ergrauendem haar kommt uns entgegen.

„alte oma!!!“ ruft der sohnemann begeistert.

ich erblasse (peinlicher war nur die situation auf dem gut besuchten spielplatz neulich, als der sohn mir, die ich gerade die häufi-windel zum mülleimer brachte, lautstark nachrief: „mama!!! ZENSUR angucken!!!“ (er hat sich den inhalt tatsächlich angeguckt.)(ebenso den vertrockneten hundehaufen am wegesrand (auf knien und mit aufgestützen händen und mit einem „mama!!! miiiit gucken?!“), aber das ist ein anderes thema.)

woher kommt „alte oma“? ich denke nach, aha, die echte „alte oma“ hat dem sohnemann beim abschied spielerisch gesagt: „bald kommt deine alte oma wieder, und dann haben wir ganz viel spaß!“

doch er schnappt nicht nur fragmente auf, sondern ahmt auch unseren tonfall nach.

genervt rufe ich den (ansonsten) besten ehemann der welt zum abendessen, der „nur ganz schnell“ und „bin gleich wieder da“ (oder auch mal wortlos) verschwunden ist, um noch ein paar filme runterzuladen oder emails zu checken oder oder oder …:

„be-ernd! “ rufe ich, und auch der kleine schreit: „be-ernd!“ und ich erschrecke: so klinge ich?

und dann gibt es noch die schönen momente, die uns staunen lassen, wenn höflichkeit und unerwartete sprachkompetenz hand in hand daherkommen. der ehemann bietet dem jungen etwas zu essen an und mit einer gewissen beiläufigkeit spricht der sohn „nein, danke, papa, im moment nicht.“

 DSCF6985

august 2009

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