„Baby, nicht weinen!“

16. Oktober 2009 § Hinterlasse einen Kommentar

Ab und an lese ich ja in der großen Entwicklungspsychologie, und da steht also, dass sich Kinder bis ungefähr fünf Jahren (oder sieben? Herrje, ich kann mir Zahlen nicht merken) nicht in ein anderes Kind hineinversetzen können.

Nun haben wir ein lebendes Beispiel im Hause. Anfänglich dachte ich ja noch, es wäre reiner Altruismus, wenn der große dreijährige Kindergarten-Sohn dem Baby sagt: „Baby, nicht weinen!“ und mir erklärt: „Baby weinen, Nunu (=Schnuller) nein (=rein)!“

Inzwischen denke ich aber, dass er das Babyweinen genauso wenig erträgt wie ich (Matzes Alarmsirene erträgt echt keiner, aber auch Joni kann sich inzwischen ganz gut äußern, er hat nur eine niedrigere Beschleunigung).

Süß ist es, wenn die lieben Kleinen uns Großen erklären, was Sache ist. Der Sohn einer befreundeten Mutter hat derselbigen erklärt, wie das Stillen funktioniert: „Milch da raus!“ (zeigt auf die Mutterbrust) „Milch da nein!“ (zeigt auf das Mündchen des kleinen Bruders) Alles klar?

Neben dem reinen Selbstschutz gibt der große Sohn auch elterliche Ermahnungen weiter: „Baby, Hand vorn Mund!“ wenn das Baby einfach so niest, natürlich ohne sich die Hand vor den Mund zu halten.

Und als Joni den großen Sohn einmal mit dem Händchen gepatscht hat, war der Geschlagene ehrlich entsetzt: „Baby, nicht hauen!“ Die Worte: „Er hat es doch nicht mit Absicht gemacht“, trösteten den armen Kerl nur wenig … Mit dem Wer-ist-wer? tut er sich auch noch etwas schwer, es sind doch beides Babys, oder? Also rät er immer munter, wer das wohl sein könnte: „Joni?“ „Nee, das ist der Matze.“ „Hm.“

So gesehen erklärt es sich vielleicht auch, dass unsere Pipipott-Aktionen herbe Rückschläge erleiden. Warum sollte er das tun, was die Babys offensichtlich auch nicht tun? (Nicht einmal die Gummibärchen-Bestechung hat geholfen.)

Insgesamt aber, so können wir dankbar und freudig konstatieren, kommt unsere Dreierschar gut miteinander zurecht. Die Babys werden geküsst und beschnullert und ertragen im Gegenzug heftige Liebesbezeugungen. Hart ist es für die Mutter der drei, wenn die Babys geküsst werden, sie selber aber nicht, aber ja mei, die Tage, an denen ich geküsst werde, sind ja eh gezählt. Und bald, oh bald, kommen die Zwillinge ja auch schon in den Kindergarten, noch nicht einmal zwei Jahre, oweh. Der Gedanke hilft mir ehrlich, alle Nebensächlichkeiten wie Studium, Hausarbeit und Zeitung lesen aufzuschieben, denn sonst sind sie plötzlich groß. Und ich habe es nicht mitgekriegt.

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