„Baue Haare!“

23. Oktober 2009 § Hinterlasse einen Kommentar

Ich werde alt.

Gestern hat der große Kindergarten-Sohn mir erzählt: „Mama, baue Haare!“

Ich stutze und frage nach: „Blaue Haare?“

„Ja!!!“

Des Rätsels Lösung: Er kann das „Gr“ noch nicht aussprechen.

Ich bin deprimiert. Sieht man es schon so deutlich? Meine Haare sind dicht und dunkelbraun, seit dem Krankenhaus sind sie auch kurz. Erst radikal gekürzt auf vier Zentimeter (Frust), jetzt sind sie schon wieder länger und stehen wunderbar in alle Himmelrichtungen ab. Bisher wurde mir gesagt, dass mich diese Frisur jünger macht, und ich bin ja jetzt in dem Alter und der Lebensphase (Reproduktion abgeschlossen),  dass ich für solche Komplimente durchaus offen bin.

Aber grau?

Vielleicht, so tröste ich mich, hat er eine unserer „Wir-sind-arme-alte-graue-Eltern-Gespräche“ mit angehört. Das wird es sein.

Doch die Hinweise verdichten sich, dass ich tatsächlich älter werde. Den Matze-Bären im Tragetuch tragen ist gar nicht mehr so federleicht wie bei Sohnemann I, obwohl dies erst drei Jahre her ist, und dann ist da die Geschichte mit dem steifen Nacken.

In meiner Kindheitserinnerung sitze ich im Massagesalon und spiele mit Fango-Kügelchen, während meine Mutter in dieser seltsamen Masse steckt und auf die anschließende Massage wartet. In meiner Erinnerung sind Massagen verbunden mit grauen Haaren (!), faltiger Haut (?) und steifen Muskeln (  😦   ).

Ich habe mich verspannt, aber holla. Möglicherweise kommt die Verspannung von dem akrobatischen Akt des Stillens-und-gleichzeitig-das-andere-Baby-mit-der-Flasche-befüllen-und-(ich-gebe-es-zu-)gleichzeitigem-Checken-der-Emails. Die daraus resultierende Körperhaltung ist mehr als ungüngstig. Dasselbe gilt für den Versuch, nachts um drei ein Baby zu stillen und gleichzeitig eine Email zu tippen. Man muss das gute Kind so einklemmen, dass die  Milchöffnung nicht aus dem Mündchen rutscht.

Jedenfalls, der Nacken ist verspannt. Der Schmerz zieht sich hoch bis zum Kopf und runter bis fast zum Po. Autsch.

Mit dickem Schal und Sohnemann I  schaue ich beim Hausarzt vorbei, denn ich brauche sowieso noch Überweisungen. Und hier geschieht das Unglaubliche. Ich bekomme kein grünes Rezept, sondern etwas verschrieben, was die Krankenkasse zum größten Teil bezahlt: Sechs Massagen. Vielleicht hilft der Still-Bonus, denn Medikamente kann ich ja zzt. nicht nehmen.

Und ja, dann liege ich unter der Wärmelampe (unwissend darüber, ob diese die Fango-Packungen meiner Mutter abgelöst haben, oder ob diese nur regional von Bedeutung sind), und mein Sohn spielt (zwecks fehlender Fango-Kügelchen) mit seinen Steckblumen neben meiner Massageliege. Hier liege ich und freue mich auf die Massage …

(Vielleicht ist Altwerden gar nicht so schlecht.)

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