Wir suchen ein Au pair

29. Oktober 2009 § 4 Kommentare

Nach reiflicher Überlegung haben wir beschlossen, uns ein Au pair zu organisieren. Es gibt auch Männer, die das machen. Das wäre doch was, wo doch unsere Knaben die nächsten zehn Jahre vermutlich überwiegend mit Frauen zu tun haben werden, mit bastelnden Kindergärtnerinnen und „pssst“ flüsternden Grundschullehrerinnen. Ich habe also todesmutig: „Wir würden auch einen Jungen nehmen“ angekreuzt.

Außerdem wollen die noch alles mögliche von uns wissen. Ich grübel immer noch über dem Anmeldeformular. Genauer gesagt: seit einer Woche.

Unseren Beruf müssen wir angeben, wir müssen versprechen, dass wir auch wirklich deutsch sprechen (denn die Au pairs wollen ja deutsch lernen), und wir sollen die Hobbies der Familie aufzählen.

Hobbies?

Ich frage meinen Mann: „Was haben wir denn für Familien-Hobbies?“ Die Antwort: ein Lachen. „Hobbies??? Was für Hobbies? Wir haben drei Kinder!“

Stimmt auch wieder. Ich habe trotzdem mal „Miteinanderreden“ hingeschrieben, denn wir liegen ja immerhin (dank Handys) über dem Durchschnitt von vier Minuten, die ja angeblich ein langjährig verheiratetes Paar pro Tag miteinander reden.

Dann müssen wir noch unsere Haustiere angeben. Wir hatten mal Süßwasserpolypen, die jeden Besucher nur so lange begeistert haben, bis er sie (nach langem Suchen) endlich gesehen hat (die meisten Kinder haben sie nicht gesehen, Süßwasserpolypen sind nur einige mm groß, und zwischen den ganzen Algen in unserem Aquarium waren sie wirklich nicht einfach zu erkennen, aber ich fand es immer goldig, ihnen beim Purzelbaumschlagen zuzusehen).

Dann haben wir noch jede Menge Spinnen, die wir jedoch alle wieder hinaussetzen, sobald wir ihnen habhaft werden. Ich denke mal, dass auch große Spinnen nicht als Haustiere gelten. Eine hatten wir, die ich nachts um halb vier beim Stillen neben meinem Bett gesehen habe. Sie war ungefähr einen Meter lang und ebenso hoch, die Beine nicht mitgerechnet. Ich habe sie hypnotisiert angesehen, unfähig, mich zu bewegen, während Joni nichtsahnend seelig seine Milch schlabberte. Und als er endlich fertig war, ich ihn in Sicherheit gebracht und einen Eimer organisiert hatte, da war die Spinne weg!

Ich bin fast wahnsinnig geworden und habe in dieser Nacht alle Möbel umgerückt, um diese blöde Spinne zu fangen. Und da saß sie dann auch, neben meinem Bett, nur eben am anderen Ende. Und dann saß sie noch zwei Tage unter dem blauen Eimer, bis mein Mann sich ihrer erbarmte und sie aus dem Wohnzimmerfenster warf. „Sie hat uns zum Abschied noch zugewinkt“, war sein Kommentar.

Andererseits sind Haustiere ja erwünschte Tiere, was auf Spinnen (von meiner Seite aus) nicht wirklich zutrifft. Angst habe ich eigentlich erst vor ihnen bekommen, als ich spitz bekam, dass sie sich auch im Dunkeln bewegen, denn meine Mutter hatte mir (als ich noch naiv war) glaubwürdig versichert, dass Spinnen schlafen (und sich nicht bewegen), wenn es dunkel ist.

Bleiben noch die Silberfischchen, aber die sind ja ziemlich klein und man sieht sie eigentlich nur, wenn man nachts mal aufs Klo muss, und das betrifft vor allem stillende Mütter. Also: Keine Haustiere.

Was wollen sie noch wissen: Welche Mithilfe ich vom Au pair erwarte: „Kinderbetreuung“ schreibe ich und unterstreiche das Wort fett mit rotem Filzer und male einen Kasten drumherum.

Am besten finde ich den Absatz mit den Vorraussetzungen, die die Gasteltern erfüllen müssen. Da steht allen Ernstes, dass das Au pair ein eigenes Zimmer haben soll, das mind. acht Quadratmeter groß, ausreichend möbliert sein und Tageslicht erhalten soll. Ich bin entsetzt. Was wäre denn das für ein Zimmer? Ein winziges Loch, in dem eine nackte Glühbirne baumelt und in dem eine alte Matraze liegt? Wer macht denn sowas? Nein, unser Au pair soll es gut haben bei uns, immerhin erträumen wir uns ein paar Stunde ganz für uns allein, Schreibtischzeit für mich und mein Studium , das ich ja doch irgendwann einmal abschließen will, wir brauchen einfach jemanden, der noch so jung und dynamisch ist, dass er oder sie mit unserer quirligen Powerbande mithalten kann – ehrlich, als Eltern sind wir ganz schön alt … Dann schicke ich es mal ab, das Formular, und hoffe, dass sich irgendwo in dieser Welt ein jemand in das Abenteuer wagt, mit uns in einem Haus zu wohnen.

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§ 4 Antworten auf Wir suchen ein Au pair

  • hostmam sagt:

    Aus eigener Erfahrung – lieber bei den Erwartungen etwas mehr schreiben und dann im Realleben abspecken als andersrum. Es gibt durchaus junge Damen (und auch Herren) die unter Kinderbetreuung das gemütliche Beobachten von spielenden (oder tobenden) Kinder vom Sofa aus betrachten.

    Familienhobbies: wenn ihr Wert darauf legt, dass er oder sie schwimmen und Fahrrad fahren kann – schreibt es rein!

    So bleibt mir nur Euch gute Nerven und ein gutes Händchen bei der Auswahl zu wünschen….

  • solanumdulcamara sagt:

    hi, hostmam,
    habe gerade mal in deinem blog gelesen … vielen dank für den tipp … ich gehe ja in meiner naiven art davon aus, dass jemand, der au pair sein will, komplett engagiert ist … oweh, hoffentlich klappt es … grüße

    • hostmam sagt:

      Nenn es nicht „naiv“ – nenn es „optimistisch“. Denn ein gehöriger Schuss Optimismus gehört als Gasteltern dazu. Falls Du ein bisschen stöbern willst dann guck mal in das Forum von „au-pair-box.com“. Da kann man/frau gesammelte Erfahrungen/Katastrophenberichte lesen – hilft die wildesten Anfängerfehler zu vermeiden.
      Und ja – es gibt SEHR gute Au-Pairs – echt tolle grosse Schwestern auf deren Besuch sich die Kids hier nach wie vor höllisch freuen – nur über die liest man natürlich nicht so viel.

      • solanumdulcamara sagt:

        uff, das war jetzt gut, ich habe mir den ganzen tag sorgen gemacht … da werde ich mal gucken. ich habe mir überlegt, dass ich meinen haufen fragen per email übersenden werde … zzt haben wir eine junge frau aus kolumbien im blick … ich werde sicher bei dir nochmal vorbeischauen … kiel kenne ich ja übrigens ein bisschen 😉

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