„Arm hoch, Mama.“

4. November 2009 § Hinterlasse einen Kommentar

Seit einiger Zeit regiert die Höflichkeit bei uns am Tisch. Genauer gesagt, seitdem der kleine Riesensohn in den Kindergarten geht. Er sagt jetzt: „Nein, danke, Papa“ oder auch: „Ich hätte gerne noch etwas Soße, bitte“. (Wohlgemerkt, dies ist derselbe Knabe, der in diesem Jahr beim Ohrenarzt war, weil der Kinderarzt sicher gehen wollte, dass er auch hören kann, weil er bei der letzten U-Untersuchung nicht einmal das Wort „Wauwau“ herausbekam.)

Eine typische Unterhaltung kann unter Umständen folgendermaßen verlaufen:

„Möchtest du noch etwas Auflauf, kleiner Riesensohn?“

„Ja, bitte, gerne.“ „Bitte sehr, mein Sohn.“

 „Danke, Papa.“

„Bitte, gerne, kleiner Riesensohn.“

Die Messlatte wird höher … Verliefen unsere früheren Mahlzeiten (als Frau und Mann noch zu zweit wohnten) eher trollartig:

„Kann ich ma die Butter habn?“

„Wosn der Ketchup?“

So werden wir jetzt durch die Höflichkeit eines gerade-mal-dreijährigen erneut erzogen. Krass. Aber auch irgendwie gut, finden wir.

Auch auf die Haltung der Finger achten die Kindergartenerzieherinnen. Der kleine Riesensohn hält den Löffel gerne im Regenschirmgriff. Der Kindergarten sieht das anders.

Sohnemann demonstriert das: „So Kindergarten. Ich wollte nicht. Ich so.“ (Beim letzten Satz zeigt er wieder den Regenschirmgriff)

Heute habe ich im Kindergarten nachgefragt, ob die Damen dort auf die Fingerhaltung achten (wenn ich ehrlich bin, ist es mir schnurzpiepen, wie der Sohn die Finger hält, hauptsache, er isst), und ja, tatsächlich.

Ich frage mit hochgezogenen Augenbrauen nach: „Bei den Dreijährigen?“ „Nee, da sind wir nicht so streng.“ „Puh“, denke ich.

Gestern ein erneutes Hochsetzen der Manierenlatte. Mama (also ich) sitzt wie ein Fragezeichen am Tisch, schiebt sich Hirseauflauf auf die Gabel, der andere Arm schludert auf den Knien, und Sohnemann sagt mit milder Nachsicht: „Arm hoch, Mama.“

Ich sehe ihn an und kriege den Mund nicht mehr zu: Formvollendet sitzt der Kleine da, isst mit rechts (Mit dem „Ich-wollte-nicht-ich-so-Griff“) und der linke Arm liegt locker neben dem Teller …

Leicht errötend gebe ich ihm recht: „Ja, mein Schatz, du hast recht“ und richte mich auf … Der Ehemann zieht heimlich nach und lacht in sich hinein. Der Arm des Kindergartens ist lang …

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