erstkontakt mit weihnachten

18. Dezember 2009 § Hinterlasse einen Kommentar

am montag stand „weihnachtsbaumkaufen“ ganz oben auf meiner „was-tue-ich-mir-heute-gutes-?“-liste. der ehemann nebst männchen weilte noch bei den fernen omas, und irgendjemand muss das ja in die hand nehmen.

der ehemann hat im vorbeifahren eine gärtnerei entdeckt, die neben reichlicher auswahl auch lieferung nach hause anbietet (s. artikel „firmenwagen“, auch weihnachtbäume passen nicht in unser schnickes gefährt). mit dick vermummten zwillingen wage ich mich in die kälte und stelle fest, dass ich in diesem jahr ganz wunderbar um jeglichen weihnachtsrummel herumgekommen bin. keine weihnachtsfeier (wenn man mal das adventssingen im kindergarten nicht mitrechnet), kein geschenkemarathon (die verwandtschaft ist auf eine sehr übersichtliche zahl zusammengeschrumpft) und es gibt bei uns auch (noch) keine weihnachtstradition (die familie ist ja noch jung), die wir irgendwie einhalten müssten. genauer gesagt, sind wir bisher ausgesprochene weihnachtsmuffel gewesen und hatten auch erst zweimal einen baum zuhause, den ich mir in einem anflug von nostalgie gewünscht hatte. jetzt aber haben wir einen dreijährigen zuhause, der weihnachtslichter „s`ön“ findet sowie das diffuse gefühl im nacken, dem kleinen etwas bieten zu müssen. schließlich ist weihnachten doch das fest der familie und der liebe, oder?

ich finde jemanden, der mir beim aussteigen aus der s-bahn hilft (ein baby im kinderwagen, eines im tragetuch (der zwillingswagen ist nicht geeignet für hauruck- und heraushebeaktionen) und suche die gärtnerei. ein großes schild verkündet, dass der besitzer „neue bäume“ holen geht, und ich sehe mich schon mal im garten um.

es gibt alles: große und kleine, pieksige und weiche, buschige und kahle, bäume mit spitze und bäume ohne spitze, bäume mit einer spitze und bäume mit vier spitzen, es gibt helles grün, waldgrün, dunkles grün, grün mit streifen, tannen, fichten, bäume mit topf und bäume ohne topf.

die perfektionistin in mir trabt die gartenwege mit matze-bär im tuch entlang und ist verzweifelt. was ist der richtige baum? leute kommen und gehen, werfen einen blick auf einen baum und sind nach fünf minuten schneller entscheidungen wieder weg. wie machen die das bloß?

der gärtner, inzwischen zurück vom „schlagen“ schaut mich missmutig an, und ich bin froh, die auswahl schon ein wenig reduziert zu haben.

auch auf die gefahr hin, vom alten mann ausgelacht zu werden, rufe ich den ehemann an und beschreibe meine auswahl. zum glück ist dieser (was sonst nie vorkommt) schnell entschlossen, und wir entscheiden uns per ferndiagnose für einen riesigen baum (wenn schon geliefert, dann soll es sich wenigstens lohnen) mit weichen nadeln und halbbuschig, mit spitze und ohne topf.

der gärtner steht inzwischen neben mir und sieht immer grummeliger aus.

„wie teuer ist denn das liefern lassen?“ – brummen. ich meine so etwas wie „2 euro.“ gehört zu haben.

das erscheint mir moderat, dafür lerne ich dann später, dass die bäume dafür ziemlich teuer sind, ich bin ja noch kein profi. und überhaupt: ist das eigenständige bäumeschlagen im wald nicht bewährte männersache? weihnachtstradition sage ich ja nur, aber ich kann mir ehrlich den ansonsten besten ehemann der welt nicht wirklich im wald vorstellen („da werde ich ja schmutzig“). und dann wäre ja das transportproblem auch noch nicht gelöst.

„und wann liefern sie?“ – nuscheln. „kannichnichsagen.“

„naja, so ungefähr?“ bohre ich – „weißnich.“

„vielleicht wenigstens so etwas wie `dienstag vormittag´ oder `mittwoch abend´?“  insistiere ich. – überraschend deutlich: „wenn ichs doch sage, ich weiß nicht, wie der fahrer fährt. sie sind doch zuhause, oder nich?“

ich versuche zu erklären, dass ich trotz hausfrauendasein ab und an das haus sehr wohl verlasse, aber der alte zuckt nur mit den schultern.

„wollen sie vielleicht meine handy-nummer aufschreiben?“ frage ich. – „nee, das iss zu kompliziert. wenn sie den baum bis samstag noch nicht haben, muss ihr mann halt vorbeikommen.“ hut in die stirn schieben und abgang.

mein dezenter hinweis, dass uns das ja nichts nützt, weil die olle tanne ja nicht in unser auto passt, bleibt ungehört. der brummkopp ist unterwegs zu unserem baum, um ihn passend zu beschildern.

„das heißt also,“ spreche ich weiterhin mit mir selbst, „dass wir – vielleicht – bis samstag einen baum haben???“

die frau neben mir sieht mich tröstend und aufmunternd an: „das wird schon.“

das nächste mal nehmen wir einen aus marokko.

Advertisements

Tagged:

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Was ist das?

Du liest momentan erstkontakt mit weihnachten auf Das zweite Kind sind Zwillinge.

Meta

%d Bloggern gefällt das: