kindergartenfrei oder „Neu hier?“ (3) – sich ummelden

1. April 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

aaahhh! der kindergarten hat ständig zu. eine woche zu ostern, drei in den sommerferien und weihnachten natürlich auch. außerdem noch zu irgendwelchen fortbildungstagen.

wie machen denn das alleinerziehende mütter? oder eltern, bei denen beide berufstätig sind? machen die dann überhaupt zusammen urlaub? wenn ich nicht noch ganz schnell jemanden finde, der dienstag, mittwoch und donnerstag herkommt, um zu helfen, bekomme ich spätestens dienstag nachmittag eine sinn- und lebenskrise.

mein psychiater hat gesagt, dass ich bei selbstmordgedanken unverzüglich aufkreuzen soll, hilft der mir dann beim babysitten? ich könnte diese tage im wartezimmer verbringen und die mitwartenden bitten, mit dem kleinen riesensohn zu spielen oder die babys mit brei zu füttern. selbstverständlich würde ich am abend auch die spuck- und bäuerchenflecken vom boden putzen, während die arzthelferin die kinder beaufsichtigt.

was könnte ich noch tun? den tag auf dem spielplatz verbringen. der kleine riesensohn braucht sowieso hauptsächlich sand, um glücklich zu sein. und wenn die babys schreien, dann kann ich sie im wagen immer rundum die sandkiste fahren.

und was mache ich, wenn es regnet? den ganzen tag mit hilfe von youtube den kleinen m*ulwurf gucken? oder die sendung mit der *aus, die wir dankbar gesammelt haben. aber macht das kleine riesensöhne nicht erst recht zappelig?

da fällt mir ein: seit heute sind wir stolze besitzer einer sandkiste „felix klein“, 17,99 Euro, inhalt: sechs beutel spielsand (ich wollte ja nur einen kaufen, sehe aber nun ein, dass in diese kiste durchaus noch vier beutel mehr hineinpassen würden. da wären wir also flexibel.

und das haben wir heute gemacht: unsere familienpatin kam um neun, übernahm die babys (füttern und wickeln), und die restfamilie mit kleinem riesensohn (wir erinnern uns: der kindergarten hat osterferien.) fuhr mit dem kleinen großen schicken unpraktischen auto zu dem kaufhaus mit dem biber.

ziel: blumensamen (habe schon neun pötte bepflanzt!) kaufen, einen flexiblen zaun finden, um den hof absperren zu können, den man aber abbauen kann, damit der beste ehemann der welt dort auch noch parken kann und eine einigermaßen nette sandkiste finden. und wenn dann noch zeit ist, zum rathaus, um der stadt mitzuteilen, dass wir neubürger sind.

mit dem biber waren wir überraschend schnell fertig, gegen ende hin begleitete uns ein unangenehmer geruch, der eindeutig der windel des kleinen riesensohnes entsprang. zum glück hatte der pragmatische vater popo-feuchttücher dabei, so dass wir ihn auf dem kofferraumdecken in schneidender kälte zu zweit gewickelt haben (und immer freundlich den passanten zulächeln). immerhin konnten wir dann geruchsneutral im rathaus aufkreuzen.

rathäuser sind alle gleich, oder? man zieht eine nummer, in diesem falle die 66, während das display vermeldet, dass gerade die nummer 62 dran ist, entdeckt das wartezimmer mit den extrem traurig aussehenden zimmerpflanzen, die irgendein bürokrat herzlos ausgesetzt hat (immer hatte er noch soviel herz, das grünzeug aufs altenteil zu setzen), weist dankbar auf die spieleecke hin und greift sich eine klatschzeitschrift. caro*ine von monaco ist traurig, weil ihr prinz mal wieder irgendwas schlimmes gemacht hat, irgendwelche anderen prinzen hängen mit irgendwelchen models ab und heid* hat sich wieder mit se*l versöhnt, obwohl der öffentlich vermeldet hat, dass ihn das familienleben nervt. krass, und das, obwohl die beiden bestimmt genug kohle haben, um sich eine ganze herrschar an kindermädchen leisten zu können (mir würde ja schon eines reichen).

ich lese nur die überschriften, zu mehr reicht die zeit ja nicht. nach 2,5 minuten wartezeit blinkt unsere nummer, wir sammeln den kleinen riesensohn ein und suchen unseren sachbearbeiter.

der ehemann nimmt die sache in die hand: „wir wollen uns anmelden!“

sachbearbeiter (s): „dann brauche ich mal ihre ausweise.“

ich: „ich habe keinen, ich habe meinen verloren.“

s: „wo denn? und wann?“

ich: „im dezember in *altestadt*.“

s: „haben sie einen neuen beantragt?“

ich: „nein, ich dachte, ich mache das dann hier alles zusammen.“

s: „können sie sich sonstwie ausweisen? vielleicht durch einen reisepass?“

ich: „nein, den habe ich, glaube ich, während des umzugs entsorgt.“

s (zuckt zusammen): „oder einen alten personalausweis?“

ich: „nee, ich habe die nicht mehr. wie wäre es mit meinem mutterpass?“

s (zuckt schon wieder zusammen): „das reicht nicht. hat ihr sohn denn einen ausweis?“

ehemann: „brauchen denn die kinder einen ausweis?“

s: „haben sie noch mehr kinder?“ (betonung auf noch)

ich: „ja, noch zwei.“

s: „sie brauchen die ausweise, wenn sie deutschland verlassen.“

ehemann (ungläubig): „auch wenn wir nach holland fahren?“

s: „ja, denn sie müssen ja nachweisen, dass es ihre kinder sind. wie wollen sie das denn sonst beweisen?“

ich (im vorschlagston): „sie sehen uns ähnlich!“

s (zuckt schon wieder zusammen, verstehen die denn gar keinen spaß? wir halten bestimmt her als geschichte für die nächste mittagspause: „letztens, also da waren leute bei mir, also un.glaub.lich … .“)

s: „dann brauchen sie ihre geburtsurkunde. wissen sie denn, wo die ist?“

ich (zu ehemann): „weißt du, wo unser stammdings ist?“

ehemann: „naja, in irgendeiner umzugskiste.“

s: „und die urkunden der kinder?“

ich: „tja, die finden wir bestimmt, aber meine ???“

ehemann (genervt): „kann ich denn wenigstens mich schonmal anmelden?“

s: „das würde ich an ihrer stelle zusammen machen, denn dann gibt es gleich nachfragen, ob sie getrennt leben, wo das kind jetzt ist usw., aber ihre frau kann sie ja mitanmelden, dann müssen sie gar nicht herkommen.“

ehemann: „und was kosten die kinderausweise?“

s: „13 euro pro stück.“

ehemann: „13 euro???“

s: „und jeweils ein biometrisches foto.“

ich: „biometrisches foto??? von den babys???“

s: „ja.“

ehemann: „pff, sollen die uns die kinder doch abnehmen an der grenze, dann haben wir einen kostenlosen babysitter und spätestens nach einem monat rücken die die sowieso wieder raus.“

s: „???“

ich: „äh, dann gehen wir mal wieder und suchen die geburtsurkunden.“

s: „die kinder müssen dann aber alle mitkommen.“

ehemann (lacht): „die müssen ja sowieso alle mitkommen.“

ich (schnell): „das geht schon.“

s: „na, dann kann ich ihnen leider im moment auch nicht weiterhelfen.“

wir: „äh, dann gehen wir mal.“

s: „auf wiedersehen.“

wir: „auf wiedersehen.“

tja, da sind wir neu. wieder ein stück angekommen. hoffentlich ist es nächstes mal ein anderer sachbearbeiter. (und hoffentlich finden wir unser stammbuch wieder.)

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