Überlebenstipps (6): spielzeugmanagement (kleinkinder)

11. April 2010 § 10 Kommentare

als ich noch naiv kinderlos war, hatte ich folgende vorstellungen von der aufzucht kindererziehung: das kinderzimmer sollte neben der küche liegen, damit ich, wenn ich in der küche beschäftigt bin (kochen, frühstücken, putzen, lesen, arbeiten usw.), das kind dort deponieren kann. ich war ja großzügig und gönnte dem kleinen ein ganzes zimmer und nicht nur einen popeligen laufstall, dort landeten schließlich unsere zimmerpflanzen, damit sie nicht komplett zerpflückt werden konnten (die kahlen stellen sieht man immer noch), das ich mit einem türgitter abzusperren gedachte.

pustekuchen.

seitdem das inzwischen dreieinhalbjährige kind krabbeln konnte, klebt es an mir wie pech und schwefel. wo ich bin, spielt der kleine riesensohn. oder guckt. (werde mutter und du kannst nie wieder alleine aufs klo gehen, es sei denn du schließt die tür hinter dir ab, und selbst dann siehst du kleine kinderfinger, die unter dem türspalt hervorkrabbeln (mal abgesehen von den „Ma-ma??? Wann bist fertig???“-Fragen). wenn der kleine Riesensohn außer sichtweite spielt, malt er entweder kringel auf das parkett oder produziert übelriechende häufi-windeln (das erste ist eigentlich nur einmal vorgekommen). alternativ spielt er mit seinem besten freund robin, dann vergisst er raum und zeit und sogar mich.

das kinderzimmer diente fortan dem schlafen und dem aufbewahren des spielzeugbergs, der immer mülliger aussah der stetig anwuchs, bis wir, genial wie wir waren, ein sofa in das kinderzimmer stellten. dann konnten die eltern im kinderzimmer prima kaffee trinken, während der kleine riesensohn vor ihnen, neben ihnen, vor allem aber auf ihnen spielte (werde mutter und du mutierst zum klettergerüst).

das kinderzimmer des kleinen riesensohnes im neuen haus wird noch weniger bespielt, da es im ersten stock liegt und damit unerträglich weit weg ist von mir, die ich in erster linie in unserem vielzweckraum (ess-, wohn-, spiel-,bürozimmer) oder in der küche beschäftigt bin (außer die sonne scheint, dann sind wir flugs alle draußen).

äh, aber was war das thema? richtig: unser spielzeugmanagement. nach dem lesen diverser pädagogik-klassiker und fortbildungen (ich liebe ja sowas) sowie reichhaltiger erfahrungen mit einem wuseligen, wissbegierigen und anhänglichen kleinkind und einem ehemann, für den „ordnung halten“ ungefähr dieselbe bedeutung hat wie „alles, was stört in eine tüte packen und in den keller damit“, habe ich folgende spielzeug-regeln aufgestellt:

erstens:

kaufe keine kuscheltiere, spielzeugautos (wenn du söhne hast, bei töchtern kenne ich mich nicht aus), sandkastenspielzeug und babykleidung bis größe 68: ersteres und letzteres bekommst du massenweise zur geburt geschenkt, den rest als mitbringsel zu allen gelegenheiten!

zweitens:

auch wenn das kind bettelt, wenn es irgendwo spielzeugautos oder sandkastenspielzeug sieht: kauf es nicht! kein kind braucht 200 spielzeugautos oder 20 schippen! (auch wenn es sich im supermarkt so anhört, als hätte es keinerlei spielzeug zu hause).

drittens:

nach häufigkeit und dauer pro spieleinheit zu schließen, sind folgende dinge unablässig für kleine jungs (meine erfahrung ist nicht repräsentativ, wurde aber schon von mehreren unabhängigen söhne-müttern bestätigt, der geneigte leser mag mich korrigieren):

sand.

parkhaus (autos kriegt man geschenkt).

bausteine (und zwar die ganz einfachen, naturbelassenen holzbauklötze, die aber in massen).

viertens:

je nach alter und phase (die reihenfolge ist bei jedem kind gleich, wenn auch die einzelnen phasen unterschiedlich intensiv sein können, s. „Babyjahre“ von Remo Largo) sollte man folgende dinge zur hand haben:

phase 1: behälter (dosen, filmdosen, teedosen, kisten, säcke, becher, dazu gehören auch schränke, die babys ausräumen können, schubladen, pappkisten mit loch (für das „huch, es ist weg!“ spiel) und tücher´für das „wo ist die mama?“ spiel)

phase 2: türme. alles, was sich dazu eignet: steckbausteine (dup*o etc.), bausteine, becher, …)

phase 3: „züge“ bauen. alles, was man nebeneinander legen kann. es gibt so coole steckbausteine mit so zacken dran, die mag ich auch.

phase 4: dreidimensionales bauen. bausteine, bausteine, bausteine.

fünftens:

(wir waren ja eigentlich bei den spielzeugregeln) wenn dir ein bekannter und verwandter ein spielzeug mit monotonen, aber lauten geräuschmöglichkeiten schenkt (unser liebling: das feuerwehrbuch mit integriertem „tatütata“), kannst du dich rächen, indem du denjenigen mit dem beschenkten kind und genau diesem geschenk besuchst. er wird euch nie wieder etwas schenken, das einen binnen zehn minuten an die decke gehen lässt.

sechstens:

wenn ehemann und sohn bei fragen wie: „kannst du das noch gebrauchen?“ grundsätzlich mit „ja“ antworten, dann bringe den wegzuwerfenden gegenstand heimlich in den keller, beschrifte ihn mit datum und wirf ihn dann nach einem jahr heimlich fort (eventuelle gewissensbisse lassen sich mit whiskey betäuben). mein liebling derzeit: der häßliche bewegungsmelder in form eines beinahe lebensgroßen schäferhundes (geschenk vom stiefgroßvater väterlicherseits), der hechelnde (deutlich künstliche) geräusche macht, wenn man sich ihm nähert.

siebtens:

eigentlich die goldene regel schlechthin: weniger ist mehr. und: je unspezifischer das spielzeug, desto anregender für die phantasie (die schildkröte, die ihren kopf vorstreckt, wenn man auf die tasten auf ihrem panzer drückt, nimmt hauptsächlich platz weg, und man kann nichts anderes mit dem vieh machen (mal ganz abgesehen von der fragwürdigen biologischen wissensvermittlung)). zu den unspezifischen dingen gehören zb auch: eine tüte voller klopapierrollen, einen sack murmeln, steckbausteine etc.. merke: wenn dich das schlechte gewissen plagt, wenn du nicht alles, was spaß macht, kaufst, dann tröstet der gedanke, dass die attraktivität von kindergarten und kinderzimmer des bestens freundes dadurch steigt, dass es dort dinge gibt, die das kind nicht besitzt. und: man hat mehr platz zum spielen, wenn wände und ecken des kinderzimmers nicht voller spielzeug stehen.

achtens:

überlege dir ein kinder- und ehemannsicheres system zur aufbewahrung des spielzeugs, beispielsweise kisten mit fotos (oder zeichnung) des spielzeugs, das sich darinnen befindet, vorne drauf. das vereinfacht das aufräumen und sieht sogar manierlich aus. außerdem kann man dann hoffen, dass die beiden auch von alleine irgendetwas wiederfinden („Ma-ma??? Wo ist mein Absperrband???“) (aus verzweiflung habe ich sogar die schublade mit den bodys beschriftet).

neuntens:

spätestens mit eintritt in den kindergarten gilt die regel: erst das spielzeug wegräumen, bevor ein neues auf den boden kommt.

zehntens:

(hier streiten sich die geister, aber zu unserer familie passt es:) da das spielzeug sowieso früher oder später in das zimmer diffundiert, in dem sich die mutter bzw. die eltern vornehmlich aufhalten, kann man das spielzeugregal auch gleich dort deponieren. vorteil: man hat das zeug im blick (der ordnungsfaktor), es gehört nicht einem bestimmten kind, weil das spielzeug  im familienzimmer steht (persönliches spielzeug gehört natürlich in das jeweilige kinderzimmer) und man spart sich viele wege (das zeug muss nicht allabendlich wieder ins kinderzimmer geschaufelt werden).

elftens:

second hand spielzeug (und -kinderwagen und -schuhe) spart nicht nur geld, sondern auch nerven. wenn der bagger für zweieurofünfzig über den jordan geht, weine ich ihm  keine träne nach. den fahrradanhänger für *eineunglaublichesumme* behalte ich jederzeit ängstlich im blick. dasselbe gilt für schuhe. wenn die second hand schuhe für dreieurofünfzig in der tiefsten Pfütze der Stadt versenkt werden, stelle ich sie anschließend in die sonne und gut isses. wenn die winterstiefel für 59euro90 verloren gehen, habe ich herzschmerzen. (den spruch „an allem sollte man sparen, nur nicht an kinderschuhen“ halte ich übrigens  für einen genialen schachzug der schuhindustrie. die second hand läden sind voller schuhe, die ziemlich neu aussehen, weil vermutlich viele eltern nur ein kind haben und dieses die schuhe sowieso nur ein paar monate tragen kann.)

zwölftens:

denselben effekt wie „immer neues spielzeug“ kaufen, kann man dadurch erreichen, indem man das spielzeug kistenweise abgepackt außer sicht schafft und alle paar wochen austauscht. dann ist es wieder interessant.

dreizehntens:

ebenso wichtig wie spielzeug ist das angebot von geeigneten spielräumen. gefragt sind höhlen, tunnel, hüpfmöglichkeiten (alte matratze), vorhänge (das „guckguckwobinich?“ spiel), diverse spielplätze, waldabenteuer, bachbesuche … ein bewegungsfreudiges kind wird nicht ruhig, sondern aggressiv, wenn es den ganzen tag zuhause sitzt und ermahnungen hört. da nützen auch drohungen wie „sitz jetzt still, sonst gibt es keine geschenke“ rein gar nichts.

vierzehntens:

tja und zum schluss: die regel: „je mehr spielzeug, desto beschäftigter das kind, desto mehr zeit habe ich für mich“ hat bei uns zumindest nicht funktioniert. inzwischen reagiert der beste kleine riesensohn der welt mitunter mit verständnis dafür, wenn ich ihm sage, dass ich jetzt eine spielepause mache  …“Darfst du, Mama,“ sagt er dann großzügig und schiebt sich seine Sonnenkappe in die Stirn, „ich rufe dich jetzt nicht mehr.“

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§ 10 Antworten auf Überlebenstipps (6): spielzeugmanagement (kleinkinder)

  • Vielen Dank!

    Einiges davon kann ich in jedem Fall gebrauchen =) Bin ja auch eine Jungsmama =)

    LG

    Mama-in-Ausbildung

  • mara sagt:

    hallo, mama-in-ausbildung, ich freue mich auf deine erfahrungen! 😉 schön, dass du hier mitliest lg mara

  • Anna-Lena sagt:

    Bei uns müsste man noch seine „Tools“, also seine Werkzeugkiste (mit 3 Hammern, 5 Schraubenziehern, 5 Sägen, usw) zur Liste des beliebtesten Spielzeugs zählen.

    Ansonsten kann ich aber nur zustimmen!

    Und, ich bin ganz stolz, – wir malen jetzt immer… ganz viele Striche aufs Papier und manchmal sogar im Malbuch sogar schon in den Linien und wenn wir viel Zeit haben kleben wir noch Sticker mit auf ;).

    • mara sagt:

      hämmern will der kleine riesensohn ja auch, wir haben so ein hämmerchen-spiel, bei dem man holzplättchen auf korkplatten festhämmern kann … und: ohh! der kindergarten baut gerade eine bauecke auf! mit hammer und schraubenziehern und allem! juche! unsere kreativ-abteilung steht leider ziemlich unbenutzt im schrank, einzig straßenkreide findet er gut … mh, muss ich vielleicht einfach mal vormachen.
      ansonsten: viel freude beim malen 😉
      lg mara

  • Super geschrieben und ich kann mich (auch aus Sicht einer Mädchenmama) anschließen.

    Kuscheltiere sind eine Landplage. Meine liebste aller Schwestern kommt nicht durch den Ikea ohne mindestens 1 Riesenkuscheltier für unsere Damen zu kaufen. Wir haben eine ganze Farm von Riesentieren im Keller, aber ich warte auf die Nachricht, dass sie ihr erstes Kind bekommt und dann …………. werde ich mich nicht lumpen lassen und erstmal eine schönes großes Tier vorbei bringen 😉

    Ich komme auch immer mehr zu der Erkenntnis weniger ist mehr und alles was Lärm macht wird am besten noch vor dem ersten Gebrauch von Batterien befreit. Das ist besser für Elternnerven und die Umwelt. 🙂

    • mara sagt:

      ja, gell, der sinn von kuscheltieren ist mir nicht ganz klar. den bären karin, klar, den braucht man nachts zum kuscheln. und der rest wird vornehmlich geworfen (idee vom tagespapa, ächz), immerhin sind es weiche wurfobjekte. ich dachte, mädchen wären da irgendwie begeisterter? habt ihr puppen? unsere puppen werden sträflich vernachlässigt, mag doch vielleicht irgendwie mit dem y-chromosom zusammenhängen ?
      lg mara

  • hostmam sagt:

    Zu Fünftens: ich gestehe – mein Schwesterherz und ich haben die jeweiligen Neffen jedes Jahr zu Weihnachten wieder mit irgendwas fies krachmachenden beschenkt – sie hat dann zuerst aufgegeben 🙂

    Zu Zwölftens: ein Hoch auf die durchsichtigen Kisten auf dem Dachboden! Enweder le.go ODER Play.mo…

    Nur für die Sammelkarten des GrossenSohns hab ich noch keine Lösung gefunden – die sind IMMER irgendwo aber nie da wo er sie sucht – aber bis zu dieser Phase habt ihr noch viel viel Zeit….

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