lupori

12. Juni 2010 § 3 Kommentare

der beste ehemann der welt war gestern und heute fort, und ich habe es überlebt. gestern war der erste abend, an dem ich mit allen drei kindern alleine war (nachdem ich den ganzen nachmittag mit ihnen verbracht habe, weil der kindergarten schon um 13 uhr geschlossen hatte), dh, auch während der rush hour (füttern, wickeln, ins-bett-bringen).

der kleine riesensohn ist von der warum?-phase in die wieso, mama?-phase gewechselt. hier ein auszug aus dem fragenschatz eines dreieinhalbjährigen (den ich eineinhalb tage lang an der backe hatte):

wieso hält der zug da? wieso fährt der nicht weiter? wieso ist das gleis zuende? wieso haben die das nicht weitergebaut? die haben nicht weitergebaut, weil hier die stadt ist, nö? wieso zieht sabine nach *großestadtinderwirauchwohnen*? wo zieht hans hin? wo zieht robin hin? wieso ziehen sabine und robin in die *großestadtinderwirauchwohnen*? wieso zieht hans woanders hin? wieso will sabine hans nicht heiraten? wieso hat sabine hans nicht mehr lieb? ich hab den hans ganz doll lieb! wieso soll ich eine wieso-pause machen? wieso kannst du nicht mehr? wieso bist du müde? nee, ich kann keine wieso-pause machen. laufen ist anstrengend. meine beine wollen lieber den bus nehmen. wieso gehen wir in den kindergarten?

das war heute.

der donnerstag begann ähnlich, endete ebenso ähnlich, hatte aber einen schweigsamen mittelteil. und das war so:

in unserem bundesland gibt es einen sprachtest, der alle kinder testet, die in zwei jahren eingeschult werden könnten. durch unseren umzug ist der schulbehörde irgendwie durch die lappen gegangen, dass der kleine riesensohn nun einen anderen kindergarten besucht. daher bekamen wir einen charmanten brief, in dem es hieß, dass der kleine riesensohn sich bitte am donnerstag um zehn uhr in der xy-schule einzufinden habe, um an der 2. stufe des sprachtests teilzunehmen.

ich erkläre dem kleinen riesensohn was sache ist:

„kleiner riesensohn, wir gehen in eine schule, da ist eine lehrerin, die wissen will, ob du sprechen kannst. meinst du, du schaffst es, mir ihr zu reden?“

extrem breites grinsen: „das ist witzig, mama, ich kann doch sprechen!“

mutter, die dunkle vorahnungen hat: „ja, ich weiß, dass du sprechen kannst, aber die lehrerin weiß das doch nicht!“

mh.

am donnerstag morgen kommt die aktuelle familienhelferin (caritas sei dank!), um die babys zu beaufsichtigen (und die schlimmsten krümelhaufen zu entfernen (sie hat übrigens festgestellt, dass man nicht viel „wegschafft“, wenn man gleichzeitig auf zwei sehr mobile kinder aufpasst  😉 ), ich hüpfe noch unter die dusche und höre auf dem weg dorthin den kleinen riesensohn: „spielst du mit mir? ich will obstgarten spielen! kommst du da ran? bist du schon so groß wie *namedesvaters*? da ist ein hubbel! kannst du den wegmachen?“

ich packe die kleine quasselstrippe ein und los geht es.

„wo gehen wir hin? wieso gehen wir dahin? was ist eine schule? wieso ist da abbesperrt? was bauen die da? wieso ist da ein loch? wiesowiesowieso-o?“

nach einigen irrwegen („sprachtest? hier?? sind sie sicher???“) finden wir das „lernzentrum“. jedenfalls steht das auf dem schildchen an der tür.

frau klecks, die lehrerin, die den sprachtest durchführt, schüttelt mir die hand und will die hand des kleinen riesensohnes schütteln, der auf tauchstation geht. das „lernzentrum“ erinnert ein bisschen an einen abstellraum, aber nur ein bisschen, immerhin gibt es hoch oben sogar ein fenster in der grauen wand, und neben dem zerkratzten alten tisch, auf dem die utensilien liegen, steht ein regal mit schulmaterial.

frau klecks fragt den kleinen riesensohn, wie er heißt, und der hat schlagartig sein gedächtnis verloren. dann erklärt sie ihm, dass sie beide jetzt ein „ganz tolles spiel“ spielen werden (weder er noch ich stehen auf kindertümelnd), und dann zeigt sie mit dem finger auf den vorgarten des pfiffikus-hauses.

„was siehst du denn da?“ (zeigt auf den ball)

der kleine riesensohn drückt sich an mich, steckt alle verfügbaren finger in den mund und macht einen auf baby.

frau klecks provoziert: „ist das ein drache?“

(mein heimlicher verdacht ist ja, dass der kleine riesensohn sich nicht gerne verhascherln lässt und deshalb schweigt).

als frau klecks das zimmer verlässt, um noch „kurz was zu regeln“, frage ich den kleinen riesensohn nach den sachen im vorgarten, sozusagen schnelles üben. vielleicht klappt es ja dann besser.

frau klecks resigniert am vorgarten und deckt das erste zimmer auf („wollen wir mal gucken, was dahinter ist? da ist was ganz tolles!“). erwartungsvoll blicken mutter und sohn auf das dahinterliegende bild: ein spielzimmer mit spielzeug. ich gähne heimlich.

irgendwie landen wir dann in der küche. „hier ist eine katze, die macht immer gaaanz viel unsinn. sie hat alle karten runtergeworfen. hilfst du mir beim sortieren?“ ich warte auf weiteren unsinn, aber das war es anscheinend schon. ich fürchte, deeen unsinn macht meine familie jeden tag.

naja, der katzentrick hat einigermaßen geklappt (nachdem ich mehrmals nachdrücklich auf die gummibärchen hingewiesen habe (ich hasse bestechung)), nun kommt der freche hund, der weggelaufen ist. der hat ganz viele lustige namen. „hilfst du mir, ihn zu rufen? sprich mal nach: lu-po-ri!!? lu-po-ri!“

der kleine riesensohn schweigt eisern.

(zwischendurch frage ich frau klecks, ob sie nicht ne runde mit ihm autos spielen kann, damit er auftaut, woraufhin sie mich enerviert mustert: „ich kann doch nicht mit jedem kind hier spielen!!“ „naja“, erwiedere ich, „sie müssen ja nicht mit jedem kind spielen. vorhin haben sie mir doch gesagt, dass sie noch nie ein kind hatten, dass sich dermaßen verweigert hat, also müssen sie ja nur mit einem kind spielen.“ (mein mann meint, dass es leute gibt, die nicht mit mir klarkommen, weil ich sie so wörtlich nehme, aber hallooo? ist es denn pädagogisch wertvoll, mir vor den ohren des kleinen riesensohnes zu sagen, sie hätte noch nie ein kind gehabt, das sich so dermaßen verweigert?? also, mal ehrlich.))

nachdem ich und frau klecks also verschiedene hundenamen ausprobiert haben („duumoo? wo bist duuu? duumoo? oder heißt du fegit? feeegit?? wo steckst duu?“), geben wir alle auf.

frau klecks schaut missmutig auf die ergebnisse. ich biete ihr an, ihr ein video von herrn redselig zu zeigen, und, als das nichts hilft, frage ich, ob der kleine riesensohn im kindergarten getestet werden kann, wo ja immerhin seine vertraut umgebung ist. sie verspricht mir, nach einem passus zu suchen, der solche „fälle“ regelt, aber nein, dieser test ist vereinheitlicht, da kann sie nicht von abweichen. na prima, denke ich, soviel zum thema „individuelle förderung“ und „eingehen auf die persönlichkeit des kindes“.

nachdem wir also mehr oder weniger durch alle spiele gefallen sind („guck mal, das ist ein dopf, und hier sind“ (an dieser stelle erwartungsvoll die stimme heben) „drei???“ – „äh?? das sind doch hunde!!“ sagt der kleine riesensohn irritiert. tja, mit den phantasietieren müsste man sich vielleicht doch eine winzigkeit mehr mühe geben), gibt es noch einen ganz tollen schatz. er besteht aus einer (minikleinen) schwarzweiß-kopie des pfiffigen pfiffikus-hauses und den kann der kleine riesensohn ja zuhause ausmalen … vielleicht! vielleicht kann man den ausmalen, wenn man einen einhaar-biberpinsel benutzt und vorher ne runde valium eingenommen hat. den könnte nicht mal ich ausmalen! ja, weiß die gute frau denn nicht, was dreieinhalbjährige riesensöhne malen? die malen kleckse und kreise (sofern sie künstlerisch nicht unbedingt herausragend begabt sind), aber naja, wir lächeln höflich und machen uns dann vom acker.

als wir die schule verlassen (nachdem ich die interessante erfahrung gemacht habe, dass es in keinem der mädchenklos klopapier gibt), fragt der kleine riesensohn nach den dummibärchen. bei solchen dingen hat er ein gutes gedächtnis. irgendwie interessiert es mich, ob der kleine riesensohn tasächlich schwierigkeiten beim nachsprechen hat.

„sag mal, kleiner riesensohn“, frage ich unverbindlich, „kannst du eigentlich lupori sagen?“

der kleine riesensohn grinst breit: luuupooori! duuumooo! feeegit! wir singen einen neuen song auf dem weg zum supermarkt.

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