stroh-mutter

18. Juni 2010 § 2 Kommentare

seit vier tagen bin ich stroh-mutter, und muss noch einen tag durchhalten. dann ist der beste ehemann der welt wieder da, und ich werde ihm geflissentlich bier aus dem keller holen und seine puschen an die füße streifen. hauptsache, er ist wieder da.

hauptsache, er fährt nicht so bald wieder weg. obwohl, es wird sich vermutlich jobmäßig in einiger zeit einiges ändern, so dass er noch mehr unterwegs sein wird. aaaahhhh!

nunja, und so war meine woche:

dienstag nachmittag:

ich hole den kleinen riesensohn vom kindergarten ab und erwarte seinen freund nebst zugehöriger mutter als begleitperson um 17 uhr. sie will bis 19 uhr bleiben, damit ich den kleinen riesensohn in ruhe ins bett bringen kann, sie passt dann derweil auf baby I und II auf.

die beiden knaben spielen sofort andächtig mit den autos, verputzen diverse käse- und wurstbrote und dürfen dann noch einen film gucken (youtube sei dank),  gewünscht wird „der kacka-maulwurf“ bzw. „vom kleinen maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den kopf gemacht hat“. die knaben amüsieren sich und die mütter auch, nämlich über die amüsierten knaben, die grinsen und kichern.

weil die matratze des besten ehemannes der welt verwaist ist, darf der kleine riesensohn dort schlafen. nachdem wir die umstände geklärt haben („warum ist papa arbeiten? warum verdient der geld? warum släft papa woanders? warum brauchen wir geld? was kostet alles geld? was kostet kein geld? kommst du auch gleich ins bett?“), verlasse ich den kleinen riesensohn und entlasse die freiwilligen babysitter nach hause.

mittwoch:

5 uhr: der kleine riesensohn sieht mich mit wachen augen an, als ich mich vom klo zurückschleiche. ich behaupte, es wäre noch tiefste nacht und verdunkle das zimmer. geklappt! die bande schläft bis 8 uhr!

um 8 uhr erwacht der kleine riesensohn mit roten flecken auf den wangen, einer heißen stirn und heiserem husten. „na prima“, denke ich und melde ihn beim kindergarten ab, weil man das bis 9 uhr machen muss, um sich das mittagessen zu sparen.

um viertel vor 9 wirkt der kleine riesensohn komplett normal. ich melde ihn wieder an und mache uns fertig. dann kann ich ja noch zur krabbelstunde. die beginnt um 9 uhr, und ich werde das niemals pünktlich schaffen, aber es ist wohl der ehrgeiz, der mich packt. um viertel nach 10 sind die babys mehrfach gewickelt worden, angezogen, verpackt, der kleine riesensohn verköstigt, einigermaßen sauber und ebenfalls einigermaßen angezogen (wer braucht schon socken?), und die mutter sieht sogar geduscht und gestylt aus aus. halb elf: ankunft im kindergarten: erzieherin II kommt uns entgegen und stutzt. ich erkläre, dass der kleine riesensohn unbedingt mit zur krabbelstunde will. oookeeeee …

ich erfahre, dass die krabbelstunde nicht um elf, sondern um halb elf endet. naja, dann bis nächste woche. ich bringe den kleinen riesensohn auf den spielplatz, wo er rotz und wasser heult. „wann holst du mich wieder ab? ich will zuhause bleiben!!“ ich bin eiskalt und gehe (nachdem ich ihm noch ein rutscheauto besorgt habe).

der ehemann ruft an und beschwert sich, dass seine maisonette-wohnung (geschäftsreise!) im hotel so heiß ist, und er sich nicht traut, oben (im schlafzimmer) das fenster zu öffnen, weil es kein mückengitter hat und neben dem hotel ein idyllisches flüsschen vorbeifließt. außerdem wäre das essen nicht lecker. ich bedauere ihn ehrlich, während ich koche und die fenster unterm dach schließe, damit es am abend nicht allzuwarm dort oben ist.

nachmittags hole ich den kleinen riesensohn vom kindergarten ab, und wir gehen einkaufen. zwei kinder im geschwisterwagen und ein baby im tragerucksack. ich bin eine starke mutter.

auf dem rückweg resigniere ich und will den bus nehmen, der aber leider schon drei kinderwagen beherbergt. ich ergebe mich und laufe den berg hoch.

am mittwoch kommt eine schwangere bekannte, um mich bei der rush hour zu unterstützen. die tür geht nicht auf. aha, der schlüssel steckt von innen, und kein fenster ist gekippt, wegen der hitze. die nachbarn suchen im internet und ich lerne, dass schlüsseldienste ein schweinegeld verdienen. es ist viertel vor sechs und der mann in der hotline sagt, dass das ganze 60 euro kostet, aber dass ab sechs uhr abends 100% aufschlag dazukommen. ich kippe aus den latschen und rufe einen anderen schlüsseldienst an. der kostet 60 euro und nimmt den aufschlag erst ab 22 uhr. außerdem bietet er mir an, „ohne mehrwertsteuerzuschlag – in bar, na klar – zu zahlen“.  hallooo? ich wedel die anfechtung weg und verlange eine ordnungsgemäße rechnung. immerhin ist der typ ganz nett: „ok, die adresse habe ich, ich nehme an, sie stehen vor der haustür?“ „ja“, sage ich, „sie können mich gar nicht verfehlen, ich habe drei kleine kinder.“ „oh“, sagt er, „ich beeile mich.“

während der wartezeit …

– haben die babys 400 gr jogurt pur verputzt und in einem radius von 50 km kleben weiße flecken an hemden, hosen, decken und kinderwagen, weil ich ja kein lätzchen mithabe und natürlich auch kein kinderstühlchen.

– fragt mich der kleine riesensohn, ob er auch noch einen vierten jogurt essen darf? (3x 100 gr hat er schon intus; erraten? wir haben jogurt gekauft!). ich erwidere, dass er eine pause machen soll, weil er sonst bauchweh bekommt. er wittert die gunst der stunde (mutter ist mit babys beschäftigt) und ignoriert meine anweisung („mama, ich hab bauchweh!“).

– pinkelt der kleine riesensohn (und zwar nicht auf die toilette). egal, ich muss sowieso mal wieder waschen.

– leiden die babys offensichtlich an blähungen, und der kleine riesensohn macht mit („ich habe einen pups gemacht! den hat man nichjehö-ört!“).

– kommen noch zwei weitere kinder dazu (nachbarn), weil die den schlüsseldienst in aktion erleben wollen.

– sage ich zu der schwangeren: „willkommen in der realität.“

der schlüsseldienst kommt, schlängelt sich durch die menge und bricht die tür in gefühlten zwei minuten auf (was mich ein wenig beunruhigt, so einfach geht das?).

ich verfrachte den pappsatten riesensohn ins bett und führe die übliche diskussion („wann gehst du ins bett? was machst du noch?“ (geschirrspüler ausräumen, einräumen, wäsche aufhängen, blumen gießen, fegen, tisch decken, telefonieren (krise), emails verschicken (projekt au pair).“)).

irgendwann nach mitternacht sinke ich in die kissen.

der nächste morgen wie gehabt: donnerstag:

ich verdiene mir einen orden, indem ich es schaffe, bis zehn uhr vier personen ausgehfertig zu machen, und kaufe mir dann ein hemd bei ha und em.

am donnerstag habe ich einen babysitter von drei bis sieben. der badet die babys und räumt unsere wäsche weg! i love her!

der kleine riesensohn, den ich ohne babys vom kindergarten abholen kann, will eine tatstanie zum basteln. ich erkläre ihm, dass die kastanien noch wachsen müssen. („wieso, mama? wo wachsen die? wachsen die aufm baum? wo denn?“) wir machen einen umweg durch den park und pulen eine kleine stachelfrucht auf, und ich zeige ihm den baumembryo.

nach hause, abendzeremonie, bett, bett, bett.

freitag:

heute! heute vormittag hatte ich einen neuen babysitter. nachdem ich den kleinen riesensohn in den kindergarten gebracht habe (halb zehn!), lege ich mich direkt ins bett. der babysitter ist prima und verliert auch nicht die nerven, als matsebär krisen schiebt (um ihn soo schnell zu füttern, dass er nicht zwischendurch brüllt, bräuchten wir ein fließband).

am nachmittag: unsere ehemalige familienpatin von der skf kommt vorbei und bewundert die fortschritte der babys und sittet diese, während der kleine riesensohn ins bett gehen soll:

mehrmaliges rufen: „was ist denn? schlaf jetzt mal!“ „maaamaaaa!!!“  ich renne die treppen hoch. der kleine riesensohn steht im bett und sagt: „ich hab dich ganz doll lieb, mama!“ wir knuddeln ganz doll. fertig. der kleine riesensohn sagt: „wollen wir das nochmal machen?“ wir knuddeln nochmal ganz doll. ich sage ihm, dass ich jetzt pause habe und mich noch mit der familienpatin unterhalten will. er schlägt mir vor, dass ich doch auch jetzt schon ins bett gehen könnte: „dann können wir zusammen einslafen!“

 und dann sitzen noch zwei erwachsene frauen auf der bank und unterhalten sic darüber, ob sie schon erwachsen sind, sie mit fast 50, ich mit gefühlten 80. antwort: hm?

ach. und morgen? morgen werde ich dem besten ehemann der welt erklären, dass der schlüsseldienst der günstigste war, den ich auf die schnell auftreiben konnte, und dass er nie wieder wegfahren darf. jedenfalls nicht, bevor wir ein au pair hier haben. und nicht fünf tage! unsere aktuelle anwärterin kommt aus frankreich und hat sich noch nicht zu unserer familie geäußert. henry und unser autodidakt haben leider schon andere familien gefunden … ich suche weiter.

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§ 2 Antworten auf stroh-mutter

  • Meine Bewunderung, die Woche so zu meistern mit diesen kleinen Katastrophen zwischendurch. Das braucht Nerven wie Stahlseile und eine Engelsgeduld.

    Ich hoffe, ein Au Pair findet sich rasch und entlastet euch.

    Liebe Grüße und einen guten Wochenbeginn

    Angelika

    • mara sagt:

      Ohja! Danke! Ich brauche Bewunderung! Heute allerdings war ich gar nicht bewundernswert, nur bewunderungswert platt. Uff. Freue mich über dein Mitlesen! 🙂

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