„Ich hab detotzt, Mama.“

14. Juli 2010 § 2 Kommentare

Vielleicht sollte ich eine neue Rubrik eröffnen, „Wunsch und Wirklichkeit“ oder so etwas. Oder „Plane nie deinen Tag mit drei Kleinkindern – es wird sowieso anders“ oder: „Warum ich Antidepressiva nehme.“

Und so begann mein Tag:

7.28 Uhr: Das Babyphone meckert. Ich schlafe im Zimmer des kleinen Riesensohnes, denn dort ist es kühler als unterm Dach, während die Männer versammelt in der Hitze schmoren. Ich trabe also hinauf, schnappe mir den Zwilling, der am meisten heult und trabe hinunter, stecke ihn in sein Babystühlchen und hole den anderen Zwilli.

Der kleine Riesensohn blinzelt verschlafen.

Die Babys werden mit Brot versorgt, damit ich selber frühstücken kann. Welch ein Luxus! Vorbei die Zeiten, als ich auf nüchternen Magen zwei hungrige Mäuler füttern musste, sie essen jetzt selbst, noch nicht so die Mengen, aber immerhin.

Der kleine Riesensohn kommt vorbei, fragt, ob er nackig sein darf und slalomt um den Tisch herum. Ich füttere die Babys mit Jogurt, versorge den kleinen Riesensohn mit Müsli und freue mich, dass wir gut in der Zeit liegen.

Seit einiger Zeit muss der beste Ehemann der Welt schon um sechs Uhr morgens los und ich täglich den Stunt bringen, den kleinen Riesensohn einigermaßen pünktlich in den Kindergarten zu bringen.

Alle sind satt und folgen mir ins Badezimmer, wo ich glücklich unter die Dusche hüpfe und fünf Minuten lang die Außenwelt ignoriere. Das gelingt mir nicht mehr, als ich taufrisch aus der Dusche trete und Kotzgeräusche aus dem Flur höre.

„Kotzt der Maxe?“ frage ich elektrisiert, und der kleine Riesensohn sagt bedröppelt „Ich hab detotzt, Mama!“

Uff.

Der Sohn kotzt immer weiter und dann überschlagen sich die Ereignisse:

Der Sohn kotzt. Maxe krabbelt rein und rutscht aus. Sohni schaut fasziniert zu. Die Mutter schimpft (was nichts bringt, ich weiß, aber mich immerhin erleichtert), und zieht Maxe aus dem Schlammassel.

Während der kleine Riesensohn auch noch den Rest des Müslis von sich gibt, wasche ich den Maxebären provisorisch im Waschbecken, entferne bei der Gelegenheit diverse bräunlichgelb gefärbte Dinge aus der Windel und erneuere dieselbe.

Fertig. Absetzen.

Ich bringe beide Babys ins Wohnzimmer, stelle den kleinen Riesensohn in die Dusche, wo er glücklich die nächste halbe Stunde verbringt und mache mir einen Plan, wie ich das Deasater möglichst effektiv entferne.

Die Babys kommen wie der Blitz zurück. Maxe krabbelt durch die Kotzreste (Wie konnte ich vergessen, die Tür zuzumachen???) und wird erneut ins Waschbecken gesetzt. Brüllen. Protest. Neue Klamotten. Ich setze ihn in den Außenhof, wo er brüllt wie ein ausgesetztes Tier (womit er ja nicht ganz unrecht hat) und widme mich Sohni, der sich inzwischen auf die Fußmatte übergeben hat und – erraten? – durchgekrabbelt ist.

Dann wird Sohni auch nach draußen gesetzt (doppelter Protest), während ich den kleinen Riesensohn säubere und dann in der Duschwanne setze. Hatte ich schon erwähnt, dass der kleine Riesensohn bis dato gebrüllt hat, als ob ich ihm beide Beine gebrochen hätte? (Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich sie ALLE angebrüllt habe, kurzfristige Überforderung.)

Und nachdem alles vorbei war, ich die Fußmatte nach draußen geschafft, das Spielzeug gesäubert, den Boden geputzt und meine Füße geduscht habe, haben wir dann erstmal alle eine Runde gekuschelt und uns wieder versöhnt.

Und jetzt? Jetzt jammern sie wieder … eben haben sie so schön gespielt …

wird vielleicht Zeit für einen Spaziergang. Hoffentlich kotzen sie mir nicht in den Supermarkt.

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§ 2 Antworten auf „Ich hab detotzt, Mama.“

  • Anna sagt:

    Wobei im Supermarkt ja wenigstens wer anders putzen muss am Ende ;).

  • mara sagt:

    Echt?? Hätte ich das mal gewußt! 😉
    Das beste ist ja, dass der kleine Riesensohn mir um fünf Uhr nachmittags (nachdem er den ganzen Tag putzmunter und gesprächig war) verkündet hat, dass er nur detotzt hat, weil er sich versluckt hat … na, prima, weit und breit keine Magen-Darm-Grippe in Sicht, und Jooni hat wohl nur aus Solidarität detotzt oder weil es hier fürchterlich roch. Und ich braves Weib habe ihn sogar vom Kindergarten abgemeldet …

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