Was mache ich eigentlich den ganzen Tag?

15. Juli 2010 § 2 Kommentare

Inspiriert von Kathrin (http://kathrininengland.blogspot.com/2010/07/nur-mal-so.html ) sitze ich jetzt abends vor meinem kleinen Computerchen und frage mich: Was tat ich heut? Der Tag begann früh:

5.56 Uhr: Matse kräht. Ich nehme ihn mit nach unten ins Wohnzimmer, wo er herumkrabbelt, während ich versuche weiterzuschlafen.

6.30 Uhr: Probehalber nehme ich in mit auf meine Matratze (die zzt im Wohnzimmer liegt, weil man hier am besten schlafen kann) und kuschel ihn ein.

6.33 Uhr: Mit letzter Kraft stemmt er sich von der Matratze und krabbelt weiter.

7.21 Uhr: Ich wache auf, weil das Babyphone meckert. Jooni. Ich suche erschreckt den Matsebären, der neben der Matratze im Sitzen (dann vornübergefallen) eingeschlafen sein muss.

7.26 Uhr: Ich kann Jooni nicht mehr ignorieren.

Ächzend stehe ich auf und hole Zwilli, den Zweiten.

Es folgt das übliche: Frühstück machen für drei Kinder und Kaffee trinken zwischen Graubrot reichen und Müsli rühren. Mich und den kleinen Riesen ankleiden und einigermaßen passabel in den Kindergarten bringen. Diesmal Abschied ohne Jammern. Puh.

Zurück und Sachen packen für die Stadt, den Computer nämlich, weil ich heute vormittag babyfrei habe und mich in ein Cafe setzen will, um zu arbeiten.

Auf dem Weg nochmal beim Kindergarten vorbei, wo ich Martin treffe, der ebenso wie ich den vergessenen Sonnenschutz nachreicht.

Dann noch rasch zum Fahrradladen, wo ich erfahre, dass die coole Bro*okstasche sage und schreibe 272 Euro kostet. Oder 279 Euro? Egal, ich denke, der Fahrradheini will mich veräppeln. Will der aber gar nicht. Naja, Hauptsache die bringen mein Rad in Ordnung (bis jetzt hält es).

Dann ins Cafe, arbeiten und dabei Leute beobachten und das laue Lüftchen genießen. So sollte Arbeit aussehen! Ich bin unendlich dankbar!

Dann zurück, und nun setzt sich die Pechsträhne fort: Die Kinder haben schon Mittagsschläfchen gehalten – eine halbe Stunde! Das ist zuwenig! Ich lege sie nocheinmal hin, aber so richtig funktioniert es nicht. Die harten Folgen: Quängelnde Kinder bis zum Abend.

Mein Mittagsschlaf fällt also aus, und ich trabe los zum Kindergarten, um den kleinen Riesensohn abzuholen. Die Erzieherinnen wünschen mir (warum mir???) schöne Ferien (die haben jetzt drei Wochen zu!!! Ich finde, das grenzt an Körperverletzung!) und lächel gequält. Wenn mir jemand „erholsame Ferien“ gewünscht hätte, hätte ich ihn vermutlich erschlagen. Dann sind wir draußen, wo der kleine Riesensohn eine Diskussion anzettelt:

Kleiner Riesensohn: „Ich will meine Schuhe anhaben!“

Mutter: „Dann zieh sie an.“ (stellt die Schuhe vor ihm hin)

Kleiner Riesensohn: „Ich will aber nich von meinem Laufrad absteigen!“

Mutter: „Dann musst du eben barfuß fahren.“

KR: „Du sollst die anziehen!“

M: „Schatz, du kannst die alleine anziehen.“

Start: Sirene.

Alle, die Mütter sind, schauen verständnisvoll.

Der kleine Riesensohn heult ca. 50 Meter und entschließt sich dann, doch die Schuhe anzuziehen. Ich erkläre mich bereit, solange das Laufrad zu halten. Dauer Schuhe anziehen: 10 Sekunden. Aus mir unerfindlichen Gründen heult der kleine Riesensohn bis zu unserer Haustür.

Uff.

Ich versorge die Mannschaft mit Essen und nehme mehrere Anrufe des besten Ehemannes der Welt an, der mir die aktuellen Staumeldungen durchgibt. Ursprünglich erhoffte Ankunftszeit: 16.15 Uhr. Korrigierte Ankunftszeit: 19.00 Uhr. Ich beiße in die Tischplatte.

Ich versuche, die nölende, meckernde, jammernde, gähnende und kreischende Meute zu unterhalten und stelle eine Plastikwanne mit Wasser in den Hof. Normalerweise macht das Spaß, heute meckern alle. Ächz. Und ich bin auch noch müde. Ich versuche mich mit Cola light zu dopen.

Das Ganze wird untermalt von den Fragen des kleinen Riesensohnes, die er aus einem unendlich großen Neugier- und Wissensteich schöpft. Wir unterhalten uns ausgiebig darüber, dass man, wenn man detotzt hat, Zwieback und Wasser essen und trinken soll, auf keinen Fall jedoch Saft, damit der Magen sich erholen kann. Dies scheint ein großes Thema zu sein. Sicherheitshalber fragt er mehrmals nach und erkundigt sich dann mit großer Detailversessenheit, welcher der Zwillinge denn auch detotzt hat und warum Matse nicht detotzt hat (er ist der Meinung, der hätte auch detotzt, ich bin der Meinung, er hat sich nur in die detotzt-Pfütze gelegt und hat deshalb so ausgesehen, als ob er detotzt hätte, obwohl er nicht detotzt hat und dass tatsächlich nur Jooni detotzt hat). (Mir stülpt sich schon der Magen um bei dem Gedanken an das, was ich da gestern vom Boden aufgewischt habe.) Ich bitte den kleinen Riesensohn, eine Redepause zu machen. „Warum, Mama?“ „Weil ich nicht mehr kann.“ „Und wieso nicht?“ etc. etc. Außerdem sind Wolken gerade ein großes Thema. Ich bin kein Fachmann, bin wohl aber gezwungen, einer zu werden. Morgen ist Büchereitag, da werde ich mir ein Buch über Wettervorhersagen raussuchen.

Folgende Fragen tauchen auf: Wo schlafen die Wolken? Warum schlafen die nicht? Wo wohnen die? Warum sind das Gewitterwolken? Hat die Schale gedonnert? (ich hatte ihm erklärt, dass bei einem Gewitter der Blitz die Luft auseinanderdrückt und wenn die wieder zusammenkommt, dann donnert es (stimmt das eigentlich? ich fand meine Erklärung ganz goldig eigentlich), die Schale hat einen Riss und – Logik eines Fast-Vierjährigen – er glaubt nun, dass es da geblitzt haben muss, süß, oder?) weitere Fragen: Warum regnet es? Wo geht der Regen hin (Wasserkreislauf erklärt)? Warum sind das keine Gewitterwolken? usw. usw.

18.42 Uhr: Der beste Ehemann der Welt kommt nach Hause, und ich falle ihm um den Hals und dann vor ihm nieder und flehe ihn an, den kleinen Riesensohn ins Bett zu bringen. Abgang Vater und Sohn.

20.10 Uhr: Die Babys jammern und bekommen ihre Guten Abend Flasche. Als ich Zwilli I hochbringe, liegt der kleine Riesensohn neben dem Papa im Bett (meine Seite) und flüstert (man will den Papa ja nicht aufwecken): „Maamaa, wann kommst du ins Bett?“

Dann noch Zwilli II hochbringen und wieder runter, die gröbste Hausarbeit machen. Oder die dringendste. Je nachdem. Ich bin ja immer noch nicht komplett internal validiert und so habe ich das dringende Bedürfnis, unseren sehr öffentlichen Außenhof (=Sommer-Wohnzimmer) zu reinigen, nachdem gestern eine ältere Dame mit gekräuselten Lippen und fast unmerklichem Kopfschütteln an unserem Haus vorbeigekommen ist. Um 21.33 Uhr kommt die Nachbarin mit zwei Hunden und zwei Kindern vorbei und fragt, was man mit der verendenden Taube vor der Haustür gegenüber machen soll. Wir entscheiden uns für Wasser mit aufgelöster Schmerztablett (Flügel gebrochen) und sie stellt noch ein Schälchen Futter hin. Um 22.03 Uhr beäugt die Taube noch immer misstrauisch das Wasserschälchen …

Naja, und dann geht es auch schon in die Zielgerade Richtung Bett: Blumen gießen, Fenster öffnen, Abendbrot essen, den Geschirrspüler beladen und anstellen, die Sachen für morgen packen (U für Jooni und dann noch in die Bücherei), Emails checken, die Papp-Taschenlampe für das Bibliotheksbuch suchen, das U-Heft suchen, Zähne putzen, den Müll rausbringen, eine Maschine Wäsche anstellen und einen Blogartikel schreiben (das entspannt wie Stricken).

Und dann ins Bett.

Tja, und was habe ich eigentlich gemacht? Irgendwie nichts. Ich arbeite ja nicht. Ich bin ja Hausfrau. Das sind die, die den ganzen Tag Kaffee trinken. Und jetzt weiß ich auch, warum.

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