jeder tag ist ein geschenk

25. Juli 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

manchmal bin melancholisch. dann denke ich seltsame dinge. zb diese hier.

dieser tag heute war ein geschenk. meine zwillingssöhne leben, weil die frühchenstationen der krankenhäuser gut ausgerüstet sind. vielleicht wären sie auch ohne die ganzen geräte am leben … ich weiß es nicht. jeder lebenstag ist ein geschenk, denn vielleicht, wer weiß das schon, hätten sie es nicht gechafft alleine zu atmen, ihre milch zu trinken, ihre temperatur zu halten … vermutlich nicht.

und hätte ich in irgendeinem land ohne medizinische versorgung gelebt (in afrika zb stirbt jede 10. frau bei einer geburt), so wäre ich auch nicht mehr am leben. vielleicht der kleine riesensohn. aber so wie er in meinem becken lag, konnte er unmöglich heraus, den kopf um 180° verdreht. wie gut, dass es op-teams gibt, auch wenn diese erfahrung keine schöne war.

und der kleine riesensohn? auch wenn er die geburt überlebt hätte, wenn jemand in meinem imaginären busch meinen bauch aufgeschnitten hätte, um wenigstens das kind zu retten, so fiel er doch vor zwei jahren von einer zwei meter hohen rutsche, mit dem rücken voran auf einen kiesbedeckten boden. gott sei dank schrie er, im anbetracht der umstände ein gutes zeichen.

ohne medizin wäre vielleicht auch der beste ehemann der welt nicht mehr am leben, immerhin hat er als knabe so einige abende in der notaufnahme verbracht, ein nagel im fuß, ein gebrochenener arm, aber auch eine blutvergiftung, die schleunigst behandelt werden musste. nicht zu vergessen, der fahrradunfall, als er bergab raste und dabei feststellte, dass er vergessen hatte, wie man bremst. die narben sieht man heute noch … vielleicht hatte seine mutter eine vorahnung, als sie ihm das t-shirt mit dem spruch „nicht so stürmisch, kleiner“ anzog.

und dann wäre da noch meine oma. in der kriegs- und nachkriegszeit hat sie so schwer körperlich gearbeitet, dass irgendwie und irgendwas in ihrem schoß sich verschoben hatte und operiert werden musste. sonst hätte sie keine kinder bekommen können.

und mein opa kam aus dem krieg zurück und konnte auf diese weise noch meine mutter zeugen, als letzte von drei geschwistern.

tja, und dann wären da noch die depressiven phasen meines lebens, wer weiß, ob ich die alle überlebt hätte, wenn nicht gott (ja, genau den meine ich) mir immer wieder die richtigen menschen zum richtigen zeitpunkt geschickt hätte … ein lieber freund, eine liebe nachbarin, eine liebe freundin, noch ein lieber freund, mein damaliger noch-nicht-ehemann, der mich trotz meines emotionalen auf und abs und meiner ängste immer wieder auffing und geduldig die salami-taktik anwendete … erstmal zusammenbleiben, dann zusammen ziehen, dann verloben und dann … heiraten (und jetzt haben wir uns sogar vermehrt).

gibt es doch so etwas wie vorhersehung? schicksal? berufung? führung? oder wie auch immer man das nennen darf? oder ist alle zufall? glück? was ist mit dem thailändischen vergewaltigten Mädchen, das mit 12 jahren an aids stirbt? oder mit den mehr als 120.000 deutschen kindern, die bereits vor ihrer geburt sterben? was ist mit tschernobylverseuchten menschen? und den menschen, die neben einem atomkraftwerk wohnen? mit den menschen, die opfer eines überfalls werden oder bei einer op sterben … je älter ich werde, desto mehr fragen überfallen mich und je weniger antworten finde ich …

oder dieses hier: ich suche vor drei jahren den weg zur rückbildungsgymnastik und frage eine junge frau mit kinderwagen. die will da aber gar nicht hin und außerdem ist sie neu in der gegend. wir tauschen telefonnummern aus und treffen uns im folgenden jahr ziemlich oft. unsere söhne sind inzwischen die besten freunde, gerade gestern haben sie einander „ich liebe dich“ gesagt und sich zärtlich geküsst. besagte dame liest eine seltsame zeitschrift, in der ein wettbewerb für schreiberlinge ausgeschrieben ist. sie kopiert mir die seite, ich bewerbe mich und gewinne mit 14 anderen schreiberlingen seminare. diese ermutigen mich, meine ideen niederzuschreiben und zack entsteht ein erstes kinderbuch …

oder: ich treffe vor drei jahre im wartezimmer des kinderarztes eine junge mutter mit baby und wir tauschen spontan telefonnummern aus … später werde ich dann berufsmäßige aufpasserin des knaben …

das leben hält viele abzweigungen bereit, und je älter ich werde, desto mehr abzweigungen habe ich schon unternommen und kann nicht mehr zurück. mein weg wird mein weg und der weg ist mein leben und wege entstehen dadurch, dass man sie geht. nur zurück, zurück kann man nicht. aber wenn man mit sich versöhnt ist, dann will man nicht zurück, dann weiß man, dass jener weg ganz alleine meiner war. ich würde, auch wenn ich könnte, nicht anders gehen, zu lieb und teuer sind mir die meinen.

so gesehen ist also jeder tag ein geschenk, niegelnagelneu eingepackt und tauschen, nein tauschen will ich mit niemandem. ich danke gott für meine kinder … für ehemann und liebe … für sonne und himmel … die blumen vor der tür und die menschen, deren wege sich mit meinem kreuzen … ich habe kein recht, einen weiteren tag zu fordern und werde es auch nicht tun, auch wenn ich mir noch viele tage wünsche, viele tage mit kinderlachen und sabberfeuchten küssen, tage mit „bist du erwa-acht?“ fragen, tage, an denen ich einige stille stunden für mich habe und aus buchstaben geschichten webe …

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