Einjährige Zwillinge …

12. August 2010 § 3 Kommentare

sind toll. Finde ich. Sie spielen beisammen und lachen sich an, sie erkunden neugierig die gesamte untere, ziemlich babysichere Etage (wenn Mütterchen nicht gerade vergisst, das Treppengitter zu schließen), sie sind weitgehend friedlich und wenn der Hunger kommt und die Mutter aber gerade das Kapitel zuende tippen will (ich nehme das Notebook einfach jeweils mit in das Zimmer, in dem sich die Zwillis gerade befinden, man kann ja schließlich auch auf dem Kühlschrank tippen), dann kann man ihnen ein trockenes Brötchen in die Hand geben, mit dem sie sich munter eine Stunde beschäftigen können. Im großen und ganzen ähnelt die untere Etage dem Affenhaus unseres erst kürzlich besuchten Zoos, nur dass unsere Babys nicht auf den Stuckleisten klettern können. Aber dafür gibt es genügend andere Dinge.

Also, insgesamt gesehen, gebe ich dem besten Ehemann der Welt recht, der die Situation Zwei-Einzelkinder-bekommen-drei-Söhne-und-sind-damit-ziemlich-überfordert mit den Worten „man muss ja sagen, dass die drei alles tun, um uns milde zu stimmen“ zusammenfasst. Ja, sie schlafen meist durch, ja, sie sind friedlich und – was ich ihnen hoch anrechne – höchst geduldig. Sie sind zäh und verzeihen dem großen Bruder auch sehr stürmische Zärtlichkeiten, sie sind charmant und verzaubern uns mit ihrer Fröhlichkeit und ihrem Charme. Und sie halten, wenn auch nicht täglich, aber durchaus überwiegend, drei Stunden Mittagsschlaf.

Klar, es gibt auch Zankereien. Jooni nimmt dem Matse ganz gerne mal das Spielzeug weg, woraufhin dieser in Tränen und Wutgeheul ausbricht. Beim Essen ist es dann umgekehrt, der Matsebär ärgert den Joonihänfling, indem er ihm am Lätzchen zieht, so dass ich die beiden Stühlchen auseinanderziehen muss. Das erschwert das Füttern, aber Babyhandschellen habe ich noch nicht gefunden. Matse ist auch ein großer InsGesichtPatscher und AndenHaarenZieher. Außerdem macht er gerne Musik. Wenn nichts anderes da ist, muss halt Joonis Kopf herhalten. Jooni kann sehr energisch sein. Letztens wollte er sich auf Biegen und Brechen zwischen Mauer und Wäscheständer vorbeiquetschen und hat sich solange gewunden, bis er einen roten Kratzer auf der Stirn hatte. Wie energisch kann ein Kind sein? Und beide sind großartige SichgegenseitigdenSchnullerHerauszieher. Schwupp, gesehen und zack, in den eigenen Mund. Rotkäppcheneffekt: Der andere Schnuller ist immer besser. Aber im großen und ganzen: Wundervolle Kinder.

Das ist nicht überall so.

Letztens habe ich auf dem Spielplatz eine Zwilli-Mutter getroffen (zwei Mädchen, 2,5 Jahre alt), die mich fragte, wie ich mit drei (!) kleinen (!) Söhnen zurechtkomme. Ich hatte gerade einen guten Tag und sagte: „Gut. Seitdem die beiden ein Jahr alt sind, wird es einfacher.“

Zweifelnder Blick von der Zwilli-Mutter.

Ich: „Naja, sie spielen auch mal eine ganze Zeit zusammen, sind friedlich, und auch der große ist eigentlich nicht eifersüchtig.“

Kopfschütteln und Seitenblick auf die Mädchen, die in rosafarbenen Hosen auf dem Klettergerüst spielen: „Neenee, seitdem die sich bewegen können, habe ich keine zehn Minuten Ruhe! Die sind nur am Streiten, und dann habe ich gedacht, wenn die im Kindergarten sind, wird es leichter, aber nee, ständig ist eine krank, aber natürlich abwechselnd! Neeneenee, ich habe so die Sch***** voll.“

Und ich muss sagen: Ich verstehe sie. Ich weiß auch nicht, wie es bei uns laufen würde, wenn die beiden häufiger krank wären, der große Bruder eifersüchtig wäre, wir nicht das Geld für bezahlte Hilfen hätten oder der Ehemann fleißigst im Haushalt anpacken würde. Wir würden sofort untergehen. Ist ja auch schon manchesmal passiert.

Mit Schrecken erinnere ich mich an meinen ersten Rückbildungsgymnastik-Kurs. Auch dort gab es eine Zwilli-Mom, und die sah ziemlich fertig aus. Einigermaßen verzagt fragte sie die Hebamme, ob es normal ist, sich so zu fühlen, wie sie sich fühle. Und diese sagte, es wäre ganz normal. Und Themenwechsel. Über die Schattenseiten redet man nicht gern. Im Nachhinein würde ich sagen, dass sie vermutlich schon in der Depression steckte. Und ich ärgere mich, dass die Turnhebamme ihr nicht gleich eine Liste mit Hilfen angeboten hat. Die gibt es nämlich. Guckt mal in eurer Stadt. Caritas, frühe Hilfen, Familienkreis und Leihomas. Babysitter und Unterstützung gibt es auch beim Kinderschutzbund. Unsere Stadt hat sogar ein Familientelefon, wo man sich Adressen geben lassen kann. Und die Familie einspannen. Ehrlich: ein paar Stunden ohne Kinder, und das Leben lächelt wieder.

Advertisements

Tagged:

§ 3 Antworten auf Einjährige Zwillinge …

  • Wunderschön geschrieben! Ich bewundere auch total, wie ihr beiden das wuppt! Aber es klappt, und das liegt sicher auch an eurem Organisationstalent, eurer eigenen Geduld, euer starken Partnerschaft und ja, sicher auch am Glück 😉 Das der kleine Riesensohn so verträglich den beiden gegenüber ist, die beiden miteinander spielen und durchschlafen 😉 Aber wenn man über den turbolenten Start der beiden nachdenkt, dann ist das auch genau das, was ihr euch hart verdient habt oder? Ich wünsche euch in jedem Fall, dass es so weiter geht, die beiden weiterhin so gut miteinander spielen und auskommen und es nicht so wird, wie bei der Mädchen Zwillismama. Wobei ich glaube ich, ganz ehrlich sagen muss, wenn Zwillis, dann bitte auch zwei Jungs. Die kloppen sich zwar sicher auch mal, aber dann ist auch gut. Mädchen sind da einfach doch zickiger und vielleicht auch hinterhältiger und nachtragender. Oder? =P Ich glaube, ich bin sowieso zu einer Jungsmama mutiert, muss ich sagen, auch wenn ich nur einen kleinen Ausbilder habe. Früher wollte ich immer uuunbedingt ein Mädchen, aber als ich dann schwanger wurde, wollte ich partout einen Jungen und war auch von Anfang an sicher, einen zu bekommen und ich bin super happy damit. Wenn ich manchmal die kleinen Zickenchen der Freundinnen erlebe, danke ich Gott dafür. Ich weiss nicht, ob ich das schaffen würde. Ich bin selbst kein richtiges girlie Mädchen und das würde mich wohl fertig machen 😉 Auch wenn man an seinen Aufgaben wächst.

    Traurig, das mit der Zwillis Mama aus dem RüBi Kurs. Ich finde auch, dass die „Schatten“-Seiten des Elterndaseins, ob nun mit nur einem Kind oder mit mehreren, einfach zu sehr unter den Teppich gekehrt wird. Wie oft trifft man denn schon Eltern, gerade wenn man nur ein Kind hat, die mal ehrlich sind? Selbst wenn die Ringe unter den Augen bis zu den Kniekehlen hängen, sie sagen: Alles super, wir sind sooo glücklich. Ich weiss nicht… nicht alles ist rosarot und ich bin da auch ziemlich ehrlich. Auch wenn mich viele dann schief angucken. Und ich finde es keine Schande, wenn man sagt, man schafft was nicht oder etwas ist anstrengend. Im Gegenteil!!

    So, jetzt habe ich ja beinah einen eigenen Blogeintrag verfasse, sorry =)

    Liebe Grüsse

  • Anna sagt:

    Meine beiden Au-pair Zwillinge (Mädchen, grad ein Jahr alt) haben auch total toll miteinander und mit den großen Geschwistern gespielt (bzw tun dies auch immernoch). Ich glaub nicht dass man das vom Geschlecht der Kinder abhängig machen kann.
    Vor vielen Jahren hab ich übrigens mal auf Zwillingsjungs aufgepasst (von ca 2,5 Jahren bis sie dann so 6 Jahre alt waren) und die beiden haben wohl auch zusammen gespielt aber man konnt sie eigentlich keine 2 Minuten aus den Augen lassen.

  • Du hast ja so recht. Es redet bei uns kaum jemand ehrlich darüber wie anstrengend gerade die Umstellung beim ersten Kind ist. Ich hatte auch am Anfang riesen Komplexe und habe mich gefragt ob ich wohl die einzige Mama bin, die sich manchmal heimlich fragt: „Was haben wir da eigentlich gemacht? Und ob ich jemals wieder in Ansätzen Ruhe haben werde“

    Aber Eltern, Bekannt und Freunde sagten auch alle nur : Ihr müsst ja sooooo glücklich sein. Soooo eine liebesssssssssss Baby ….“ Und es stimmte auch. Wir waren glücklich. Das Baby war super süß und lieb. Aber eben nicht nur. Wir waren auch am Ende unserer Kräfte. Ich hatte Schmerzen beim Stillen und der Schlafmangel in den ersten Wochen war mörderisch. Und das sagt einem vorher keiner und hinterher wird es verklärt.

    Zum Glück hatte ich auch gute Freunde mit denen ich über meine Gefühle sprechen konnte und beim zweiten war alles schon ein bischen einfacher. Aber ich finde auch gerade Hebammen und Familie sollten einem vermitteln, dass auch negative Gefühle normal sind und einen nicht sofort zu einer schlechen Mutter machen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Was ist das?

Du liest momentan Einjährige Zwillinge … auf Das zweite Kind sind Zwillinge.

Meta

%d Bloggern gefällt das: