Schwiegerelternbesuch

14. August 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Vor einer Woche hatten der beste Ehemann der Welt und die dazu passende Ehefrau ein Gespräch über meine Berufsbezeichnung.  Die wollte nämlich jemand wissen, und ich stotterte herum, dass ich eigentlich Hausfrau bin, aber auch Studentin im tausendsten Urlaubssemester, weil ich gerade Zwillinge betüdle. Außerdem würde ich Geschichten schreiben, aber das ist ja kein Beruf, oder? Bin ich dann Künstlerin? Immerhin verdiene ich damit bestenfalls den Brotaufstrich, und auch den nur alle Jubeljahre. Nunja, zumindest bin ich nirgends angestellt, von daher trifft die „Hausfrau“ es am ehesten. Dachte ich zumindest. Wie ich inzwischen erfahren habe, ist der beste Ehemann der Welt da anderer Meinung.

Ehemann: „Du bist doch keine Hausfrau!“

Ehefrau (erstaunt): „??? Sondern???“

Ehemann: „Mutter.“

Ich dachte darüber nach, bis mir dämmerte, dass er damit meine möglicherweise bescheidenen hausfräulichen Tätigkeiten meinte.

Ehefrau (protestierend): „Ich mache sehr wohl was im Haushalt!“

Ehemann (die Augenbrauen hochziehend): „Sooo? Was denn?“

Ehefrau: „Naja, gestern z.B. habe ich Schleierkraut, Löwenmäulchen und Vergissmeinnicht umgetopft, den Hof gekehrt, die Blumen gegossen, den Müll rausgebracht und war bei der Biobäckerei.“ (Anmerkung: Außerdem habe ich die Babys gebadet, gefüttert, tausendmal gewickelt, betropft, mit dem kleinen Riesensohn gespielt, das Spielzeug aufgeräumt, an meiner Geschichte gearbeitet und das Bad gewischt, aber das galt alles als „Mutter“-Arbeit.)

Ehemann (die Augenbrauen hochziehend): „Siehste!“

Ehefrau: „Du meinst, das waren nicht unbedingt haushaltsrelevante Dinge?“

Ehemann: „Ich würde dich allenfalls als Hausmeister bezeichnen.“

Ehefrau: „Ähh?? Wieso Hausmeister???“

Ehemann: „Der stellt auch höchstens mal die Mülltonnen raus.“

Nunja, so hat halt jeder seine Meinung.

Jedenfalls hatten die Schwiegereltern ihren ersten Besuch seit Jahren angekündigt (das letzte Mal waren sie da, als wir geheiratet haben), und ich habe wohlwollend die untere Etage geputzt. Naja, zumindest gefegt. Die Schwiegereltern gehören nämlich zur ordentlichen Fraktion. Als der Schwiegerelternsohn mittags heimkam, glänzte es, und sogar in der Küche stand nix überflüssiges herum.

Stolz plusterte sich die beste Hausfrau der Welt auf und verlangte nach einem Lob: „Guck mal!“

Hochmut kommt vor dem Fall.

Nachdem alles dermaßen sauber war, und ich Lust auf weitere Heldentaten hatte (ich glaube, ich kriege meine Tage), die Babys im Schlummerland weilten, der Ehemann die Schwiegereltern vom Hotel abholte und ich den großen Sohn samt Elisabeth  auf den Spielplatz zum Fußballspielen geschickt hatte, kam erstens …

der Efeumann …

und zweitens mir die geniale Idee, doch noch den Kühlschrank aufzuräumen.

Vorweg gesagt:  Für den Efeumann kann ich nichts. Der Deal mit der Blumenhandlung eine Straße weiter besagt, dass die mir jemanden schicken, der die grüne Peste das Efeu beschneidet, und die Blumenhandlung im Gegenzug dafür das Grün für Kränze etc. verwenden darf. Und eigentlich sollte der Efeumann schon vor zwei Wochen hier gewesen sein.

Für das Kühlschrank-Chaos kann ich was. Ein bisschen.

Aus lauter Faulheit Voller Pragmatismus habe ich nämlich sämtliche Schubladen und Einlegescheiben in die Spülmaschine gesteckt und das Kurzprogramm betätigt. Das läuft eine halbe Stunde. Und ohne Einlegescheiben und Schubladen passt in so einen Kühlschrank auch nicht besonders viel hinein. Außerdem wollte ich den noch auswischen. Nunja.

Bevor also der Kühlschrank wieder mit den auf allen verfügbaren Abstellflächen stehenden Lebensmitteln gefüllt werden konnte und nachdem der Efeumann schon ziemlich viele baumdicke Efeuzweige dekorativ auf dem Hof verteilt hatte, stiegen also die drei bereits aus dem Auto und schauten sich um. „Sarajevo“, flüsterte der beste Ehemann der Welt fassungslos: „Was um Himmels Willen hast du gemacht?“ „Der Efeumann“, flüsterte ich zurück, „ich kann da nix dafür, der macht das für umsonst!“ Leider wurden auch meine Bemühungen im Projekt Sauberer Kühlschrank vernichtend kommentiert nicht ausreichend gewürdigt.

„Was ist denn hier los?“ zischte der Ehemann.

„Ich, äh, habe den Kühlschrank ausgewischt.“

„Jetzt oder was????!!!!“

Ehefrau: „Das Pesto war ausgelaufen.“ (Dass das vor zwei Wochen passiert ist, erwähne ich an dieser Stelle mal lieber nicht.)

Nunja. Der Rest verlief friedlich. Der beste kleine Riesensohn der Welt hat die ganze Sache wieder herausgerissen, als er sich zur Oma auf den Schoß setzte und schmuste, und auch die Zwillinge lachten freundlich beim Opa-Deideidei.

Mal sehen, wie es morgen wird. Dann treffen wir uns zum Brunchen. Mit allen Kindern.

Kami*kaze auf deutsch. Drückt uns die Daumen.

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