Die Ich-bin-Mutter-Krise (3): Verwandtschaft

9. September 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Mütter, die in ihren Überzeugungen noch nicht so wahnsinnig gefestigt sind, könnten eine kleine Krise bekommen, wenn die Verwandtschaft „gute Tipps und Ratschläge“ gibt, die man eigentlich gar nicht hören will. Doch das fällt ja fast noch in die Rubrik „Harmlos“. Schlimmer wird es, wenn die Verwandtschaft (oder Teile davon) mehr oder weniger direkt ihr Missfallen darüber bekunden, wie das Kind behandelt wird.

Beim ersten Sohne war ich mir mit vielem, was ich da tat, eigentlich ganz sicher. Ich hatte mir alles einigermaßen durchdacht, diverse schöne Bücher gelesen und mich ansonsten auf meinen Instinkt und den unserer kleinen Familie innewohnenden Pragmatismus verlassen.

Dann besuchten wir die Verwandtschaft, wo sich folgendes Gespräch ergab:

nicht näher bezeichnetes Mitglied der Familie: „Womit cremt ihr denn den Po ein?“

Ich: „Gar nicht.“

nnbMdF: „Wie??? Gar nicht???“

Ich: „Naja, der Po ist ganz in Ordnung. Warum sollte ich den eincremen?“

nnbMdF: „Als ich damals als xy gearbeitet habe, da stand da eine ganze Batterie an Cremes!! Frau *Ex-Chefin* hätte mir was gehustet!““

Ich: „Also, wenn der Po wund ist, dann creme ich den natürlich ein. Aber wenn doch nichts ist?“

nnbMdF: „Und den Rest??? Cremt ihr den Körper gar nicht ein?“

Ich: „Nee, eigentlich nicht.“

nnbMdF: „Aber nach dem Baden doch, oder???“

Ich: „Äh, nö.“

nnbMdF: „Aber die Seife laugt doch die Haut aus!???“

Ich: „Ich bade ihn ja ohne Seife.“

Tja, und so ähnlich setzte sich das dann fort. Der Junge kann noch nicht „Danke“ sagen, der Junge läuft noch nicht??? Lass den mal ein paar Wochen hier, dann bringen wir ihm schon das Laufen bei! Kinder müssen lernen, still zu sitzen !“ (Ja, aber nicht mit eindreiviertel!) und natürlich: „Wie, der Junge ist noch nicht trocken??? Also, meine Kinder waren alle spätestens mit eineinhalb Jahren trocken!“

Dabei hatte ich es wohl noch ganz gut erwischt. Eine Bekannte von uns hatte eine Schwiegermutter, die ihr treu und unerwünscht Gläschen mitbrachte, weil sie die Befürchtung hegte, das Kind würde verhungern (das Kind ist immer noch ein Spargeltarzan, aber gesund), das macht kein gutes Gefühl im Mutterherzen.

Versprochen: ich würde nicht lästern, wenn jemand sein Baby eincremen will oder nur Bio füttern oder oder, es gibt doch viele Arten, ein Kind zu pflegen und zu erziehen. Einige Afrikaner ölen ihre Kinder sogar ein, andere Kulturen schneiden den Kindern irgendwann alle Haare ab und andere Leute stylen die Kleinen mit Haargel. Irgendwie denke ich: Hauptsache, dem Kind geht es gut, hat Selbstbewußtsein und ist glücklich.

Aber das zählt ja leider nicht immer.

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