Zweitjob Familie oder Immer noch Sonntag

19. September 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

und ich bin doch ko.

Vielleicht reichen vier Erwachsene doch nicht aus, jedenfalls nicht, wenn einer krank ist und eine frei hat. Elisabeth hat mich dann doch gerettet, als sie herunterkam, um mir mit zwei schreienden Babys zu helfen, während die Oma den kleinen Riesensohn ins Bett gebracht hat („Nur noch eine Geschichte, bitte, bitte, Oma!“)

Matse hat zwar eine Krise gekriegt, aber mit einigen hinreichenden Worten ging das dann auch. Ich habe dann den Matsebären, der schon auf meinen Beinen einschlafen wollte, während ich Jooni noch gefüttert habe, ins Heia-Land gebracht, und bin auf dem Rückweg bei dem besten Ehemann der Welt hängengeblieben, der ein neues Spiel auf seinem Computer gefunden hat.

Ich warf mich auf meine Seite des Bettes und rief: „Lieber Schüttelfrost und den ganzen Tag im Bett als den ganzen Sonntag mit drei Kleinkindern!“

Breites Grinsen: „Das ist doch keine Frage.“

Hach. Die beste Elisabeth der Welt (wir haben beschlossen, dass sie Jooni heiraten kann, dann haben wir auch gleich eine patente Schwiegertochter, allerdings hat sie bisher bei unseren Versuchen, ihre diese Variante näher zu bringen, nur herzlich gelacht) hat dann den müdesten Jooni der Welt ins Gitterbettchen gelegt, wo er auch, dieses Mal ohne Murren (was selten geworden ist in letzter Zeit) einfach liegengeblieben ist.

Nach meinem Seele-Auftank-Stopp beim besten Ehemann der Welt wollte ich mich die Treppe hinunterschleichen, bin dann aber von dem kleinen Riesensohn abgefangen worden, der im Ringelshirt und barfuß im Flur stand: „Ich will bei euch schlafen, Mama!“ (Wir diskutieren das jeden Abend.) Nicht mal die Aussicht auf Oma, die ja in seinem Zimmer schläft und bald auch ins Bett gehen würde, hat ihn getröstet. Also Zeit für eine Runde Kuscheln mit mir 😉  Und das war schön. Ein warmes, kleines Kind im Arm, das mich mit großen Augen anlächelt. Als die Augenlider schwerer wurden, habe ich mich dann vom Acker gemacht.

„Schlaf schön, Mama“, sagte er mit schwerer Zunge zum Abschied. Hach, wie ist das herzig.

Noch eine Etage tiefer: Die Oma der Drei hat derweil die Küche und das Spielzimmer in den Ursprungszustand versetzt und den Spiegel geputzt und die Türscheiben. Die Oma wird gedopt, da bin ich mir inzwischen ziemlich sicher (am Freitag hat sie während meines zweistündigen Mittagsschlafes die gesamte untere Etage geputzt, ich glaube, sogar das Spülbecken, in dem sich im Normalzustand munter die Bakterien tummeln). Ich muss mal Kontakt zu einem Leistungssportler-Arzt aufnehmen.

Überhaupt haben der beste Ehemann der Welt und ich herzlich darüber gelacht, dass Angestellte ihrem Arbeitgeber Rechenschaft darüber abgeben müssen, ob sie noch einen Zweitjob haben. Grund: Die Arbeitskraft soll dem ersten Arbeitgeber ja erhalten bleiben. Auch der Urlaub dient der Erhaltung der Arbeitskraft. Hach! Urlaub! Mit drei Kleinkindern! Herrlich!

Ich habe mir das dann ungefähr so vorgestellt:

„Soso, Herr *VatereinerkleinenGroßfamilie*, sie haben also einen Zweitjob angenommen.“

„Ja, genau, Herr Arbeitgeber.“

„Wieviele Stunden pro Tag arbeiten Sie denn noch zusätzlich zu Ihrer Arbeit hier bei uns?“

„Naja, da muss ich mal nachdenken, hm, also bis vor kurzem bin ich eine Stunde früher aufgestanden, habe ca. eine halbe Stunde als Haushaltshilfe (=Geschirrspüler ausräumen, Tisch decken, Frühstück vorbereiten, evtl. Wäsche aufhängen bzw. abhängen) gearbeitet und dann noch eine halbe Stunde als Kindermädchen (=den großen Sohn aus dem Bett bekommen, zum Frühstücken bringen, die Welt erklären, anziehen und los in den Kindergarten). Das ist ja glücklicherweise weggefallen, weil ich ja nun schon früher anfange zu arbeiten. Nach der Arbeit (naja, nicht jeden Tag) arbeite ich eine Stunde als Einholer (=Großeinkauf für eine sechsköpfige Familie), bevor ich dann nach Hause komme und meine Kluft wechsle, um als Kindermädchen weiterzumachen. Da passe ich dann auf zwei Babys Kleinkinder oder ein Kindergartenkind auf. Zum Glück nicht mehr jeden Tag, wir haben ja jetzt Elisabeth, da kann ich auch mal in die Sauna, aber ansonsten so bis acht Uhr abend.“

„Bis ACHT UHR ABENDS?“

„Ähm, ja, die Nachtschichten habe ich noch vergessen …“

„DIE NACHTSCHICHTEN?“

„Naja, wenn irgendwer krank ist.“

„Also, ich glaube nicht, dass Sie diesen Zweijob genehmigt kriegen, Herr *VatereinerkleinenGroßfamilie*.“

„Echt nicht?“ (glänzende Augen)

„Aber in Ihrem Urlaub erholen Sie sich dann schon, oder?“

„Was für ein Urlaub?“

„Naja, Urlaub eben. Lange ausschlafen, abends ausgehen, Reisen machen, sich entspannen, sowas. Eben die Zeit mit der Familie genießen.“

„Urlaub? VERREISEN? Mit DREI Kleinkindern? Nee, also ehrlich, da gehe ich lieber in die Sauna.“

„Und wie sieht Ihr zusätzliches Gehalt aus?“

„Na, ich würde sagen, ich mache so gefühlte 300.000 Euro pro Monat Verluste.“

„Verluste???“

„Naja, wenn man das jetzt rein von der finanziellen Seite betrachtet. Andererseits… “ (stützt den Kopf auf die Hand und schaut nachdenklich drein) „andererseits, wenn man dann nach Hause kommt und zwei große Krabbler und ein strahlender Kindergartenjunge kommen einem entgegen und außerdem eine Ehefrau mit blauen Ringen unter den Augen, die einen hoffnungsfroh und uendlich dankbar anlächelt, dann würde ich sagen: Ich würde schon gerne Papa bleiben.“

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