Die Ich-bin-Mutter-Krise (4): Das Auseinanderdriften der Welten

20. September 2010 § 3 Kommentare

Ein Blick in die Beziehungsliteratur sagt uns, dass Gemeinsamkeiten wichtig sind für eine stabile Beziehung, also gemeinsame Hobbies, gemeinsame Interessen, eine ähnliche Herkunft und Bildung und was einem dabei noch so alles einfällt. Muss ja nicht alles ähnlich sein, aber ein paar Schnittmengen helfen ungemein. Dann wird eine Familie gegründet, und Folgendes passiert:

Mutter bleibt daheim, Vater geht arbeiten, Folge? Na, der geneigte Leser errät es schon: Die Welten driften auseinander, die Prioritäten verändern sich und der Lebensrhythmus ist ein anderer.

Vor ein paar Jahren erzählte mir ein (zweimal geschiedener) Mann, dass seine erste Frau, nachdem die Kinder da waren (drei) nicht mehr dazu zu bewegen war, ins Theater zu gehen! „Kannst du dir DAS vorstellen, Mara?“

Schon damals ahnte ich, dass die gute Frau vermutlich einfach nur abends ihre Ruhe haben wollte, und der Ehemann dies nicht nachvollziehen konnte. (Forschungen am eigenen Leibe haben diese Vermutungen übrigens inzwischen nachhaltig bestätigt 😉 ) (Obwohl gerade Theater wäre mal wieder schön 😉  , aber wir haben ja auch Elisabeth, die treue Seele.) 

Damals dachte ich noch, dieses Unverständnis wäre eine Generationenfrage, habe aber in meiner ersten Stillgruppe feststellen müssen, dass es wohl eher eine Frage der Chromosomenverteilung und einer völlig anderen Lebenswirklichkeit ist. Hier eine kleine Sammlung von Erfahrungsberichten:

anderer Ehemann: „Stell dir vor, Mara, da komme ich abends von der Arbeit nach Hause, und ich soll auf die Kinder aufpassen, damit meine Frau mal ihre Zeitschriften lesen kann!“ (Warum erzählen die MIR das eigentlich? Naja, nur solange, bis die merken, dass ich klar Partei für die Ehefrau ergreife 😉 )

aus der Stillgruppe: „Mein Mann kam gestern nach Hause und hat gesagt: Wieso bist du denn so fertig, du warst doch den ganzen Tag zu Hause?“

meine Freundin: „Als ich meinen Freundinnen erzählt habe, dass dein Mann auf den Kleinen aufpasst, damit du abends schwimmen gehen kannst, waren die ganz empört. Da musste ICH DICH in Schutz nehmen! Krass, oder?“

„Andere Frauen schaffen das doch auch.“

„Also, bei MEINER Mutter war der Haushalt immer tipptopp!“

„Heirate bloß einen Mann, der auch im Haushalt mithilft!“

„Seitdem wir Kinder haben, haben wir kaum noch Kontakt zu Leuten ohne Kinder.“

„Meine Freundinnen haben sich zurückgezogen, seitdem wir Eltern sind.“

usw. usw.

Und ich könnte den besagten Herren und Damen noch nicht einmal Vorwürfe machen. Geh einmal den Gang in der Drogerie entlang, in dem sich die Babysachen stapeln: glückliche, in Weiß gewandete Babymütter, schlank und rank, strahlende Babygesichter, rote Bäckchen und süße Babysachen. Wer käme da auf die Idee, dass das Mutterdasein vielleicht ein klitzekleines bisschen anders sein könnte?

Der beste Ehemann der Welt hat diverse Male mehrere Tage auf den kleinen Riesensohn aufgepasst und sich am Tag danach in der Sauna erholt, auch unter zur Hilfenahme eines ansonsten kostbar gehüteten Urlaubstages. Ein einziges Mal war er drei Tage lang allein mit der gesamten Brut (wobei ich ihm jeweils nachmittags einen Babysitter organisiert habe) und war dann fix und fertig. Allerdings muss man noch ergänzen, dass die Babys Kleinkinder da noch echte Babys waren und ich in diesen Zeiten auch höchst ungern mit allen Dreien alleine war. Jedenfalls ist das Fazit des besten Ehemannes der Welt: „Ich gehe lieber Arbeiten.“ Bei uns passt das glücklichweise ganz gut, ich würde nämlich nur ungerne tauschen 😉 , allerdings wäre ich ohne meine Bürostunden extrem unglücklich.

Zu diesem Thema könnte man jetzt viel schreiben, und viel klügere und belesenere Köpfe haben dies auch getan, aber auch wenn ich mich wiederhole, hier die erprobten Tipps:

Lieber einen regelmäßigen Babysitter bezahlen als ein neues Sofa anschaffen. Oder lieber auf etwas anderes verzichten, einen teuren Urlaub z.B.. Gemeinsame Abende bringen einen doch wieder näher, echt wahr 😉 .

Gemeinsamkeiten pflegen.

Rollen tauschen, zumindest zeitweilig.

Die Selbstverständlichkeiten, die man vor dem Kinderbekommen gepflegt hat, weiterpflegen, auch und gerade diese Kleinigkeiten, die Wohlbehagen verursachen: Alleine zum Friseur. Mal ins Kino. Oder ausgehen und Wein trinken, alleine in die Badewanne. Freundinnen treffen (und nicht nur über die Kinder reden. Zwei Tage wegfahren. Ein Eheseminar besuchen. Hobbies pflegen. Sich Freiräume schaffen.

Auch mit Kind die Dinge machen, die man „vorher“ auch gerne gemacht hat, bei mir sind dies z.B. lange Spaziergänge, wobei zugegebenermaßen gerade das auch gut zum Muttersein passt 😉 .

Sich bewußt sein, dass Babyzeiten Stresszeiten sein können und dass die Beziehung in vielen Fällen erstmal zurückstecken muss, aber sich auch vor Augen halten, dass es wieder besser wird. Man liebt sich einfach nicht mehr so dolle, wenn einem vor Müdigkeit die Augen zufallen 😉 .

Achja, und ganz wichtig: Die Heiapupeia-Babybücher wegschmeißen.

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§ 3 Antworten auf Die Ich-bin-Mutter-Krise (4): Das Auseinanderdriften der Welten

  • Toller Artikel und soooo wahr. Besonders den Tip eher Geld in Babysitter als in Möbel zu investieren unterschreibe Ich sofort.

    Unsere Ruheinsel ist der Saunatag alle 1-2 Monate, auch hier Danke an unsere Au-Pairs. 🙂

    Und ja Rollentausch ist für beide Seiten hilfreich, denn sonst wird man auf beiden Seiten Betriebsblind.

    Aber bitte lass mir meine Babybücher, Ich liebe es sämtliche Ratgeber zu lesen, je mehr um so besser. Aber Ich halte es mit Eckhard von Hirschhausen, wenn einer wirklich helfen würde, dann gäbe es nicht 100 Andere. 😉 Aber um sich die ein oder andere Idee zu holen sind sie nicht schlecht. Frau darf sie nur nicht zu ernst nehmen.

  • Kathrin sagt:

    Vor allem der Spruch mit der Mutter, der wurde doch nicht wirklich gebracht, oder?

    Mit der Mutter verglichen werden, geht gar nicht. Ich hätte an diesem Abend zumindest nicht mehr mit Demjenigen gesprochen. Vermutlich wäre ich sogar kurz übergeschäumt 😀

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