Meine Güte, es ist doch nur eine Phase.

23. September 2010 § 2 Kommentare

Bevor ich Kinder bekam, hätte ich mir niemals, wirklich niemals und ganz und gar nicht träumen lassen, dass ich mit einer nicht näher bezeichneten Person über die angeblich nicht sinnvoll eingesetzte Ma*stu*rba*tion meines fast vierjährigen Sohnes sprechen würde. Angeblich wäre die, äh, recht intensiv und er würde es eben machen, wenn er unter Stress stehen würde (ich dachte bei erwachsenen Männern wäre dies auch so?!), nein, natürlich dürfe er dies tun, es ginge nur um die Intensität und die Instrumentalisierung derselben. Daher wäre es empfehlenswert, ihn zum psychomotorischen Turnen zu schicken, damit er alternative Wege findet, seinen inneren Stress abzubauen. „Oder wollen Sie, dass er das immer macht? Vor fremden Leuten?“ Zitat Ende. Uff. Auch meine Entgegnung, dass es sich meines Wissens um eine ziemlich normale Phase handelt (kleine Umfrage unter Freunden 😉 ), bremste mein Gegenüber nicht. Und ich als kleine Angsthäsin vermutete sogleich, dass es dem kleinen Kerl nicht gutginge.

Um das mal klarzustellen: Unter Mpunkt verstehe ich ja noch ein bisschen was anderes als sich an Körperstellen festzuhalten, die eben Wohlbehagen auslösen. Und nein, ich will nicht, dass er das immer und vor anderen Leuten und ununterbrochen macht. Aber meine Güte er ist vier und nicht 16, und das ist dann schon noch ein gewisser Unterschied, außerdem schien es mir eine recht intensive Phase zu sein, die soeben im Abflauen begriffen ist (Kommentare wie: „Dein Ppunkt fällt ab, wenn du den immer anfässt“ halte ich übrigens für nicht sehr hilfreich, ähnliches gilt für Verbote. Etwas verbieten, dass man nicht abstellen kann, sorgt doch gerade für eine Pathologisierung,). Ich meine, in der oralen Phase verhindere ich ja auch nicht, dass die Kinderchen sich Gegenstände in den Mund stecken und in der analen Phase habe ich mir brav das Buch mit dem „Kacka-Maulwurf“ sowie viele hundert Hundehaufen angeguckt, die so auf dem Weg herumlagen – falls jemand übrigens den Unterschied zwischen Katzen-, Hunde- und Fuchskot wissen will, kein Problem, das kann ich erklären  😉 .

Dermaßen verunsichert habe ich also die Erzieherin der Kindergartengruppe befragt, in die mein Sohn seit ungefähr einem halben Jahr geht. Ich zitiere: „In meinen 21 Jahren Berufserfahrung habe ich gelernt, dass das ganz normal ist.“

So, also sind wir jetzt beim psychomotorischen Turnen gelandet. Zumindest gedanklich. Vorerst. Hm. Angeblich ist das eine kleine Turngruppe, die viel Spaß zusammen hat. Und wenn er gerne turnt … Ich wehre mich aber nach wie vor gegen die Pathologisierung, hallo, überall tönt es, man solle seinen Kindern einen positiven Umgang mit seinem Körper ermöglichen, pffft.

Der goldigste Kinderarzt der Welt übrigens rät mir, auf mein Bauchgefühl zu hören und das sagt erstmal nein. Ich finde den Sohn gut so, wie er ist. Im Zweiten rät er mir, mit dem Sohn zusammen die Turngruppe anzugucken, dann werden wir weitersehen … Nächsten Dienstag ist es dann soweit.

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§ 2 Antworten auf Meine Güte, es ist doch nur eine Phase.

  • schlapunzel sagt:

    Auweia, ich stell mir gerade vor, wie sich mehrere männliche Kleinkinder in einer- wie heißt das- psychomotorischen Turngruppe gemeinsam von ihrem Ppunkt verabschieden sollen und dann stattdessen lieber gemeinsame lustige Spiele zusammen machen…gehst Du da wirklich hin? Wenn Du Deinen Sohn beobachtest, wann macht er denn genau zuviel an seinem Ppunkt rum? Ist es wirklich zuviel, zu oft, unnatürlich heftig? Ich glaubs nicht. Bei drei Jungs zu Hause wirst Du, wie ich auch, häufiger damit konfrontiert sein und aus der erwachsenen Sichtweise kann es einem schon mal merkwürdig vorkommen. Aber für die Kinder ist es doch weit davon entfernt irgendwie anstössig zu sein. Wir haben unserem Sohn erklärt, dass er das gern machen kann wie er will, aber am besten, wenn er allein ist, denn dann ist es niemandem unangenehm, wenn man ihm dabei zusieht (Erwachsene und größere Kinder machen sowas nicht mehr vor anderen- so in Etwa) Verinnerlicht hat er das bisher so la la, aber man merkt, seit er viereinhalb ist, kann er sich das wesentlich besser vorstellen als noch letztes Jahr. Da waren die Gefühle andere noch zu abstrakt.
    Wir gehen damit auf alle Fälle sehr unbekümmert um…

  • mara sagt:

    zu viel, zu oft, zu hefltig? keine ahnung, bisher haben wir ja nur einen sohn in dem alter. sein bester freund steht ihm aber in nichts nach 😉 ; eine zeitlang wollte er nur nackig hier rumrennen, das kommt nun gar nicht mehr vor (phase, ich sags doch, alles ist ne phase), und auch das mwort kommt nun echt selten vor und heftig ist es gar nicht, eher ein anfassen, meist inzwischen sehr kurz, wenn er irgendwie nervös ist. unbekümmertheit wünsche ich mir auch, denn ich denke, je mehr das thema thematisiert wird, desto unwohler fühlen sich alle dabei.
    dass das eine intime sache ist, die man eher alleine macht, habe ich ihm auch schon erklärt, aber das ist irgendwie nicht hängen geblieben, daher warte ich, so wie du, erstmal ein paar monate ab und erkläre nochmal … und anstössig, da gebe ich dir recht, ist es nur in den augen der erwachsenen, und ich muss sagen, als ich noch keine kinder hatte, fand ich das auch unangenehm. tjaja, es gibt so vieles, wo ich mir früher keinen kopp drüber gemacht habe … und diese turngruppe soll wirklich nett sein, daher werde ich mir die einfach mal anschauen, denn der kleine riesensohn turnt wirklich gerne.

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