Sprachtest, Delfin 4, noch ein Versuch

29. September 2010 § 4 Kommentare

Der war heute. Der Versuch. Wir haben auch bestanden. Fast jedenfalls. So genau wissen wir das nicht. Die Auswertung wird uns irgendwann zugeschickt. Vielleicht war unser Start in den Tag auch nicht so optimal, obwohl ich gestern abend noch frohgemut war, dass ich heute fit, ausgeruht, umsichtig und freundlich sein würde. Ich bin nämlich gleichzeitig mit dem kleinen Riesensohn ins Bett gegangen. Und hatte ich schon erwähnt, dass der beste Ehemann der Welt von Montag bis Mittwoch (zwanzig Uhr) und Freitag auf Samstag (Rückehrzeit unbekannt) unterwegs ist? Jedenfalls lagen wir beide um acht Uhr im Bett, haben uns sie Straßendienstfahrzeuge angeguckt, gebetet, geschmust, geküsst und dann habe ich mir noch ein Stündchen Lesen gegönnt, während der beste kleine Riesensohn der Welt neben mir lag, besser gesagt auf meiner Schulter und langsam einschlummerte. Wann bin ich das letzte Mal lesend ins Bett gegangen? Keine Ahnung, aber das Buch ist wirklich … also, sooo will ich auch mal schreiben können (Isabel Abedi, Whisper).

Bis halb zehn habe ich durchgehalten, dann fielen mir die Augen zu, und ich habe tatsächlich einmal eine ganze Nacht durchgeschlafen, und mir den Wecker vorbildlich auf sieben uhr fünfzehn gestellt, damit wir auch wirklich pünktlich zum Sprachtest um zehn Uhr aufmarschieren könnten.

7.15: Der Wecker piept. Alle Kinder schlafen tief und fest. Ich gönne mir die Snooze-Taste. Zweimal.

7.35: Ich denke mir, dass ich jetzt vielleicht dochmal aufstehen könnte, die Zwillinge jammern auch schon, der kleine Riesensohn schläft tief und fest.

7.36: Ich betreten das Zwillingszimmer, in dem eine bestialische Mischung aus Kotzgeruch und Durchfallgestand kurz vor der Explosion steht.

7.37: Ich öffne das Fenster.

7.38: Ich begutachte das Deasaster.

Situationsbericht Matse:

Vollgekackter Schlafsack, Durchfall ist nicht das richtige Wort, besser ist: Wasserfall. Und zwar mit grünlich-bräunlich gefärbtem Wasser. Alles ist voll: Windel, Body, Schlafsack. Nur der Matse muss leer sein. Donnerwetter.

Situationsbericht Jooni:

Zugekotztes Bett. Kuscheltuch, Bettlaken, Schlafsack, Haare, Hemd – ein Wahnsinn. Außerdem riecht es verdächtigt nach WasserfDurchfall.

7.40: der kleine Riesensohn trabt ins Stinki-Zimmer und macht direkt wieder kehr.

7.45: Ich bugisere Matsebär nach unten, schnappe mir dann Jooni (beide übrigens quietschvergnügt) und setze letzteren provisorisch ins Waschbecken, was geruchstechnisch aber nicht viel nützt.

8.01: Matse wird ebenfalls frischgemacht und verschluckt währenddessen ein Zweicentstück. Ich stelle ihn auf dem Kopf, was ihn dazu veranlasst, sehr laut und sehr schrill zu schreien, aber das Geld nicht zurückbringt.

8.02: Ich rufe den Kinderarzt an. Die Sprechstundenhelferin sagt unaufgeregt: „Atmet er noch? Schreit er noch? Na, dann können wir auch nichts mehr machen. Da kann man nur warten, bis es unten wieder rauskommt.“

8.04: Ich ziehe Matsebär an, während Jooni bereits im zweiten Stock weilt und dort mit dem kleinen Riesensohn spielt.

8.10: Ich beschließe, dass hier ein Notfall vorliegt und klopfe an Elisabeths Zimmertür, die verquollen und Entschuldigungen murmelnd an der Tür erscheint.

8.11: Ich beruhige sie, dass sie nicht verschlafen hat und berichte ihr in geruchsneutralen Worten, was passiert ist. Sie übernimmt die Zwillinge, während ich Kotzbröckchen und Kotkügelchen aus Laken und Schlafsäcken entferne und  alles, was irgendwie kontaminiert sein könnte, in die Waschmaschine stecke.

8.45: Ich dusche. Lang und ausgiebig. Und heiß.

9.15: Ich soll frühstücken. Wurgs. Ich will nicht. Wasser und trocken Brot gehen.

9.30: Der kleine Riesensohn bummel und macht mich wahnsinnig. Ein Beispiel?

„Schatz, wasch dir bitte die Hände und den Mund, es geht gleich los.“

3x wiederholen.

Kleiner Riesensohn: „Hä? Was soll ich tun?“ (Fummelt versonnen an seiner Feuerwehr herum.)

Ich drohe ihm Feuerwehr-Entzug an, wenn er nicht umgehend seine Hände  und den Mund wäscht.

Keine Reaktion.

Die Feuerwehr wird auf dem Regal geparkt.

Die kleinerRiesensohnSirene geht an. Das ärmste Kind der Welt steht mit Kullertränen vor mir, und ich fühle mich schlecht. Ich wische das Gefühl zur Seite und stecke ihn in den Fahrradsitz.

9.50: „I-ich will mei-eine Feu-eu-er-we-ehr!“ schluchzt es hinter mir. An jedem anderen Tag wäre ich hart geblieben, aber heute – der Sprachtest, wir erinnern uns – macht mich weich. Wenn er nur hoffentlich redet!

10.02: Wir betreten die Schule. Gespräche auf dem Weg dorthin:

„Wo fahren wir hin? Warum fahren wir hier lang? Fahren wir heute nicht in den Kindergarten? …“

10.05: Der Test beginnt. Kein Wort. Aber immerhin zeigt er auf die richtigen Bildchen.

Nach Spielzeugauto-Bestechung klappt es auch mit dem Reden. Ein bisschen jedenfalls.

Dann soll er das Wort „Pflücken“ sagen, als auf dem Bild ein Junge zu sehen ist, der einen Apfel vom Baum holt.

„Was macht der Junge da?“ fragt die Lehrerin, übrigens die selbe vom letzten Mal, aber dieses Mal scheint sie mir symphathischer.

„Der klaut einen Apfel“, sagt der kleine Riesensohn. 😉

Naja, ich würde mal sagen, die Hälfte haben wir bestanden, Nachsprechen findet der kleine Riesensohn blöd („Sag mal: Eila holt einen Schlüssel vom Tisch.“), besonders die Fantasienamen, mit denen wir den Hund rufen sollen, Fegit Lupori usw..

Wie gesagt, die Auswertung flattert dann demnächst ins Haus.

Somit hätten wir neben dem psychomotorischen Turnen (das wir uns übrigens doch nächste Woche ansehen werden) einen weitere Fördertermin. Für ein meines Erachtens völlig normales Kind, das eben einfach sensibel und einen Hauch perfektionistisch ist („Guck mal, das ist ein Dopf, und das hier sind zwei … na?“ – „Die kenne ich doch gar nicht“, sagt der kleine Riesensohn, na, und was man nicht kennt, kann man auch nicht benennen, auch wenn es nur die Pluralbildung ist. Man könnte ja auch was falsch machen.).

Nunja, wie gesagt, wir werden sehen. Weiter als beim letzten Mal sind wir allemal gekommen. Lupori. Hach.

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§ 4 Antworten auf Sprachtest, Delfin 4, noch ein Versuch

  • podruga sagt:

    au weia, was für ein morgen! gute besserung für die zwillinge!

    • mara sagt:

      jo, denen geht es prächtig. ich habe herausgefunden, dass elisabeth ihnen gestern pilze und zwiebeln gegeben hat. ich behaupte mal, ohne backenzähne ist das zeugs schwer verdaulich. sie hat sich dreimal entschuldigt 😉 . einen fröhlichen gruß in deine welt!

  • schlapunzel sagt:

    Am meisten und sehr laut mußte ich über das verschluckte Geldstück lachen…danke, sehr lustig (auch wenn ich weiß, dass es in dem Moment sicher gar nicht so lustig war!) (Jetzt ist sogar das Leoli aufgewacht, weil ich laut war…)
    Ansonsten hatte es dieserTag ja wirklich ganz schön in sich…so einen hatten wir gestern. Ätzend.

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