humane Arbeitszeiten

20. Oktober 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

In einem Forum habe ich die nette Anmerkung gelesen, dass die Arbeitszeiten von normal arbeitenden Angestellten, auch wenn die Realität doch anders aussieht, im Gegensatz zu den Mütterarbeitszeiten gesetzlich geregelt sind. Das stimmt. Ich erinnere mich noch an meine Arbeitszeiten. Überstunden durfte ich abbauen, es gab eine komfortable Gleitzeit, und eine halbe Stunde Mittagspause war vorgeschrieben. Bei Computerarbeit gab es ferner fünf Minuten Pause pro Stunde, und die rauchenden Mitarbeiterinnen durften draußen vor der Tür ihr Stängelchen qualmen.

Ich gründe meinen Betriebsrat und führe humanverträgliche Arbeitszeiten ein:

Morgens um sieben stehe ich auf, trinke Kaffee und checke Emails, bis meine Arbeit beginnt. Um acht Uhr starte ich den Tag mit drei Rangen, wickel entzückende Babypos und mache Frühstück, beantworte einige Dutzend Fragen des kleinen Riesensohnes, scheuche ihn ins Bad und bringe ihn in den Kindergarten, nachdem ich die Zwillinge in warme Wintersäcke verpackt habe. Anschließend Einkaufen und Frühstücksgeschirr abräumen.

10 Uhr: Frühstückchen. Ich schmiere mir in aller Seelenruhe ein Brötchen und zapfe mir einen Kaffee aus der Kaffeemaschine im Flur.

12.30 Uhr: Mittagszeit! Die Zwillinge schlafen schon, der kleine Riesensohn weilt im Kindergarten, und ich lege mich auf die Liege im Personalzimmer. Ach. Eine Stunde Mittagsschlaf, anschließend Mittagessen und ein Tässchen Tee.

14.00 Uhr: Die Zwillinge werden wach und werden bekuschelt und angezogen, denn um 15 Uhr geht es auf zum Kindergarten.

15 Uhr: Ich stehe vor dem Klettergerüst und rufe den kleinen Riesensohn, der mich freudig begrüßt, kräftig unterstützt von seinem Freund, Liam: „Hallo, du Ar*******-Mama!!“

???

Ich wage zahm einzuwenden, dass dies kein schönes Wort sei, aber besonders Liam ist da sehr energisch. Dabei lispelt er so schön.

„Du Asloch!“

„Liam“, jetzt werde ich energisch, „ich möchte das hier nicht hören. Oder sagt deine Mama das immer zu dir?“

Nicken.

Na, prima. Was soll ich da noch einwenden?

Jedenfalls kriegt der kleine Riesensohn noch die Kurve und verteidigt mich: „Meine Mama is kein Ar*******, Liam!“

Grinsen. Wie kann ein Kind so süß aussehen und gleichzeitig dermaßen Wind in die Gruppe bringen? (Die schlimmen Wörter kommen alle von Liam!)

Auf dem Nachhauseweg diskutieren wir darüber, dass auch Kl**sch****r kein schönes Wort ist, bis ich schließlich pädagogisch durchgreifen muss: „So, jetzt ist Ende, sonst bist du gleich in deinem Zimmer!“ (Inzwischen geht er sogar alleine die Treppen hoch und protestiert noch nicht einmal.)

16 Uhr: Müsli für alle.

16.30 Uhr : Malen, Basteln, Kleben, Windeln wechseln, Diskutieren, Spielen, Fegen, Wäsche aufhängen schaffe ich nicht mehr, naja, morgen ist ja auch noch ein Arbeitstag.

17.30 Uhr: Feierabend! Ich schmökere in meinem Krimi und beschließe, am Abend ins Kino zu gehen.

Hach, so könnte mein Tag aussehen. Ich muss nur noch die Kinderbetreuung regeln.

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