Oma-Café und grüne Wiesen

24. Oktober 2010 § 2 Kommentare

Eigentlich wollten wir gestern nur mal eben schnell ins neu eröffnete Café hier in der Straße, Entfernung: 50 m. Also alle Mann eingepackt, Matse beim Papa in den Tragerucksack, Jooni bei mir ins Tuch, Elisabeth nahm meine Handtasche, und der kleine Riesensohn hat trotz vereinter Überredungskünste seine hellblaue Jogginghose anbehalten. Zusammen mit der dicken Pferdewinterjacke, unter der der rote Kapuzenpulli hervorragte und den Fußballgummistiefeln schon eine recht gewagte Kombination.

Leider, leider war das neu eröffnete Café dermaßen überlaufen, dass wir nicht einmal hineinkamen. Wir haben Elisabeth als Spionin vorgeschickt. Die Leute standen sogar VOR der Tür, wo es immerhin heiße Kreppes gab.

Nach einer kurzen innerfamiliären Beratung – der beste Ehemann der Welt wollte zu den goldenen Bögen, wo es „doch auch ein Café gibt“, der kleine Riesensohn pragmatisch zum Restaurant zwei Häuser weiter und ich ins „Inselchen“ – ließen wir Elisabeth entscheiden, da wir ja immerhin als Gastfamilie den Auftrag haben, der jungen Frau deutsche Kultur weiterzugeben (gehören Weihnachtsbäume da eigentlich auch dazu?), und Elisabeth entschied sich für ein „richtiges“ Oma-Café.

Nachdem wir selbiges zu Fuß (11 Kilo-Kinder sind definitiv zu schwer fürs Tragetuch, zumindest für längere Strecken) erreicht hatten, fanden wir auch gleich ein lauschiges Tischchen direkt neben der Garderobe, dem Treppenabgang zum WC und der Hauptlaufstrecke der Kellnerinnen.

Dann nur noch Kinder abschnallen, bei Elisabeth zwischenparken, Jacken ausziehen, die Kinder in die Bank setzen (natürlich so, dass die Toddler nicht sofort wegkrabbeln können), alle hinsetzen, die Karte studieren, und dann herausfinden, dass man den Kuchen direkt an der Theke aussuchen muss. Aha. Also erstmal Getränke bestellen (Wasser für mich, Kaffee für den besten Ehemann der Welt, Kakao für Elisabeth und Apfelsaftschorle für den kleinen Riesensohn), und dann abwechselnd zur Theke. Vater und Sohn machten den Anfang, während die Zwillinge den Tisch aufräumten (Speisekarten, Speisekartenhalter und Tischdeckchen sehen unter einem Tisch ja auch viel dekorativer aus).

Der kleine Riesensohn hat übrigens sehr genau verfolgt, wann und wie die Thekenfachkraft den Kuchen herausgeholt und auf einen Teller gelegt und dann zum Tisch gebracht hat (dass das Ding alkoholisiert war, habe ich erst zum Schluss gemerkt, als ich die Reste aufgegessen habe, aber da war es schon zu spät).

Endlich hatten wir alle Kuchen und Getränke. Die Wartezeit haben wir übrigens damit überbrückt, die Toddler vom Löffel-gegen-die-Glastrennwandwand-schlagen und den-Kakao-umkippen abzuhalten. Als wir ein klitzekleines bisschen aufatmen konnten, konnten wir sogar kurz die Nachbarschaft in Augenschein nehmen und kamen zu einem verblüffenden Ergebnis: Niemand, also wirklich niemand hatte KEINE grauen/wahlweise weißen Haare (bis auf die der Kellnerin, aber die waren bestimmt gefärbt), drei kleine Kinder dabei, eine junge Kolumbianerin neben sich sitzen und außerdem viel Spaß 😉 .

Naturgemäß muss man solche Ausflüge ziemlich kurz halten und so aßen wir unseren Kuchen so schnell es ging recht schnell, wobei uns Matse großzügig unterstützt hat. Wie ein kleiner Hund stand er auf seinen Hinterpfoten und hielt das Mündchen gaaanz weit auf und wollte auch kein Abendbrot mehr. Jooni war viel zu beschäftigt mit Gucken und sich Hin- und Herwinden und hat gnadenvoll doch ein paar Bissen zu sich genommen. Dann gab es noch ein kleines Missverständnis, als der kleine Riesensohn sagte, er sei müde, die Augen würden schon zufallen und überhaupt wolle er ins Bett. „Klar, kleiner Riesensohn, gleich darfst du ins Bett“, tröstete ich, worauf ein empörtes: „Ich will aber noch den Kuchen aufessen!“ zu hören war. Der kleine Riesensohn hat auch kein Abendbrot mehr gegessen und Elisabeth auch nicht. Ich aber wohl, was wohl daran lag, dass mein trockener Nusskuchen mindestens zur Hälfte von meinem Nachwuchs verschlungen worden war.

DAS hätten die mal für ihre Kindersitze fotografieren sollen, SO sieht nämlich Familienleben aus, von wegen die Teller am am Tischrand stehen lassen. Und ohne Elisabeth hätten wir uns auch gar nicht in so ein Café getraut, da wären die Toddler ja ruckzuck fortgewesen.

Zum Schluss haben wir noch einmal kurz den Laufgang blockiert, um alle Kinder anzukleiden und zu verstauen und dann ging es ab nach Hause. Um zehn vor sieben lagen alle unter-Fünfjährigen mit roten Wangen in ihren Bettchen und Teile von ihnen schliefen ihren Rausch aus. Vielleicht lag es am Kater, dass der kleine Riesensohn auch heute schon um fünf (!!!) ins Bett wollte. Matse weilt im Fieberland und wollte um sechs ins Bett, dich gefolgt von Jooni (halb acht) und dem besten Ehemann der Welt (viertel nach acht). Dann folgte Elisabeth (aber die telefoniert noch auf Spanisch) und ich, tja ich, habe noch gefegt, aufgeräumt, die Kuschelecke in limonengrün gestrichen (sieht aus wie ne Schafwiese), die frische Wäsche enthusiastisch ins Wohnzimmer geschafft (für Elisabeth morgen 😉  ) und noch diverse Carocafés getrunken. Das war mein Wochenende. Was habe ich bloß früher gemacht? Wat muss dat damals langweilig gewesen sein 😉 .

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