Hochzeit, die II. – nachträglicher Bericht

7. November 2010 § 2 Kommentare

Nachdem wir ja schon am Donnerstag geübt hatten, waren wir bereit für die zweite Hochzeit am Samstag Nachmittag. Diesesmal hatten wir die Glückwunschkarte schon einen Tag vorher gekauft (Karte und Blumen eine halbe Stunde vor der Trauung kaufen ist arg stressig, v.a., wenn der Ehemann noch ohne Anzug im Auto wartet, während die Blumenfrau in aller Seelenruhe Rosen zu einem Strauß bindet). Bewaffnet mit einer (sogar bereits geschriebenen) Karte waren wir dann tatsächlich schon einige Minuten vor dem Beginn des Traugottesdienstes in der Kirche, und saßen dort in der ersten Reihe, denn der kleine Riesensohn war als Blumenkind eingeteilt. Wir haben versucht, ihm vorher zu erklären, was er da tun sollte, aber das war wohl etwas zu abstrakt und wurde außerdem durch die Schwerhörigkeit erschwert (ein schwerhöriges Kind im Traugottesdienst ist übrigens auch nicht so prickelnd).

Der kleine Riesensohn hat sogar fast bis zum Präludium durchgehalten, aber dann nach Abwechslung und Autos verlangt. Glücklicherweise gab es dort einen Kleinkindraum mit Spielzeug und einer riesigen Glasscheibe mit Blick in den Gottesdienstraum. Ich überlege, wer sich mehr wie im Zoo gefühlt haben mag: die festlich gekleideten Leute im Gottesdienstraum oder die beste Ehefrau und Mutter der Welt im kurzen schnicken Röckchen und Fledermausumhang, die zwei goldige Knaben beaufsichtigt. Zuerst ging das Ganze auch echt gut. Torsten spielte mittels Plastikpüppchen „*fliegenderSuperheld* gegen *FeinddesfliegendenSuperheldens*“, während der kleine Riesensohn Unfall-Abschleppen-und-Autowerkstatt spielte. Bei ihm sah das so einfach aus: Unfallauto ins Spielzeughäuschen, Häuschen zumachen, Häuschen aufmachen – fertig repariert! Heissa! Wenn das doch immer so einfach ginge!!

Als der kleine Riesensohn übrigens gemerkt hatte, dass unser Auto durch ein anderes ersetzt worden war, weil der ansonsten beste Ehemann der Welt im nächtlichen Sekundenschlaf unser Auto an die Seitenplanke gesetzt hatte, wurde jener mehrfach und sehr nachdrücklich ermahnt: „Papa, du darfst nicht im Auto schlafen, nur ich und Mama und Elisabeth und die Babys dürfen schlafen! Du nicht, Papa!“ und: „Machst du heute auch einen Unfall?“

Hier findet sich im übrigen ein sehr schönes Beispiel von subjektiver Wahrnehmung. Da ich mit Matse im Zug gefahren war, während Elisabeth, der kleine Riesensohn und Jooni mit dem ansonsten besten Ehemann der Welt im Auto gefahren waren (nachts, weil es sich da am besten fährt), war ich auf Berichterstattung angewiesen. Es ist verblüffend, wie man auf dieselbe Frage völlig unterschiedliche Antworten erhalten kann.

Sehr besorgte Ehefrau: „Wie haben die Kinder auf den Unfall reagiert?“

Ehemann: „Der kleine Riesensohn hat weitergeschlafen, und Jooni hat ein bisschen geweint.“

Elisabeth: „Der kleine Riesensohn hat weitergeschlafen, aber Jooni war völlig außer sich und hat total laut geschrien!“

Immerhin ist bis auf die autolängsseitenlange Schramme an der Fahrerseite nichts passiert. Gott sei Dank!

Zurück zum Kleinkindraum, wo ich Torsten davon abhielt, mich und den kleinen Riesensohn zu erschießen, während die Braut (annähernd 60 und in fliederfarben gekleidet) ganz nach Protokoll getraut wurde. Irgendwann da fiel mir nämlich siedendheiß ein, dass ich den Zeitpunkt des Blumenstreuens womöglich verpassen würde, weil ich kein Programmheftchen zur Hand hatte. Glücklicherweise kam noch eine andere Mutter herein und informierte mich über den Zeitplan. Dann aber los in den Gottesdienstraum!

Und er hat es getan!

Mein schüchterner Sohn hat Blümchen gestreut!

Im Mittelgang!

Vor dem ausziehenden, frisch getrauten Paar! 

Dass er dabei auf meinen starken Armen getragen wurde, sollte hier mal unerwähnt bleiben. Dummerweise hatte ich zwischendurch Torsten, der ebenfalls als Blumenkind eingeteilt worden war, abgehängt, weil die vorsorglichste Mutter der Welt das Blumenkind noch einmal zum Pipi machen geschickt hatte. Sei es, wie es sei. Die Blumen waren gestreut, und die Braut glücklich und zufrieden.

Durch die Blumenstreuaktion gehörten wir zwei zu den ersten, die aus der Kirche traten und mit einem Marzipanherzchen verabschiedet wurden. Nur leider, leider, leider mag der kleine Riesensohn kein Marzipan, und so lenkte ich geistesgegenwärtig den Rückflug des Marzipanherzchens gerade noch rechtzeitig in den Blumenkübel, wo es ungesehen zwischen gelben Blütenköpfen verschwand.

Ja, puh, und das war auch schon die Hochzeit, zumindest der kirchliche Teil. Von dem rauschenden Fest haben der beste Ehemann der Welt, der kleine Riesensohn und ich uns dann verabschiedet, als der kleine Riesensohn rote Ohren und Bäckchen bekam und anfing zu heulen. Immerhin würden unsere Biowecker am nächsten Morgen krähen. Und DREI Kleinkinder einen GANZEN Sonntag mit VIEL ZU WENIG Schlaf in der Tasche zu beaufsichtigen, ist höchstens was für Helden. Das sind wir nicht. Nur ganz normale Durchschnittseltern, die ihre Kinder total lieben, auch gerne mal aus ganzem Herzen stöhnen, wenn der Stresspegel über ihre Köpfe zu steigen droht und auf jeden Fall gerne früh ins Bett gehen. Jetzt zum Beispiel. Huch, schon nach neun! Mal sehen, ob ich den Ehemann noch wach erwische …

Advertisements

§ 2 Antworten auf Hochzeit, die II. – nachträglicher Bericht

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Was ist das?

Du liest momentan Hochzeit, die II. – nachträglicher Bericht auf Das zweite Kind sind Zwillinge.

Meta

%d Bloggern gefällt das: