von der hilflosigkeit eines mutterherzens

12. November 2010 § 3 Kommentare

in dieser woche ist es mir aufgefallen: meine kinder werden groß. heute zb war wieder so ein nachmittag, an dem ich mit den dreien alleine unterwegs war. die kleinen söhne waren friedlich, nachdem sie endlich frisch angezogen im kinderwagen saßen (jooni hat heute einen wutanfall gehabt, der sich gewaschen hat, er war knallrot im gesicht und ich war innerlich schon auf krankenhaus eingestellt, weil ich dachte, er hätte schmerzen. glücklicherweise werden beide gerne spazieren gefahren, und der große sohn ist friedlich mitgekommen, war den ganzen tag freundlich, hat im drogeriemarkt (ohropax, haarwachs, dinkel und dergleichen) den kindereinkaufswagen geschoben, die einkäufe transportiert, die waren aufs band gelegt, bezahlt, den wagen weggebracht und zwei traubenzucker kassiert. meine güte, wenn das in dem tempo so weitergeht, schmeißen die drei in ein paar jahren den ganzen haushalt. auf dem rückweg gab es ein eis und wir sind den ganzen weg zurück gelaufen, ohne dass der körper des kleinen riesensohnes gemeckert hätte („meine beine wollen lieber den bus nehmen!“). fast am ende stellte der kleine riesensohn fest, dass wir die einzigen auf der straße waren. „wo sind die alle, mama?“ „naja“, sage ich, „das wetter ist nicht so schön, die leute sind bestimmt alle zuhause oder beim einkaufen oder so.“ dann schlitterten wir unbemerkt aufs glatteis, als der kleine riesensohn vorschlug, mal durch das küchenfenster eine frau zu begucken, die gerade in der küche essen machte. „naja“, bemerkte ich, „die kennen wir ja gar nicht, und man geht nicht zu fremden leuten ins haus.“ „wir könnten sie doch fragen, wie sie heißt.“ der kleine riesensohn ist ja nicht dumm. ich beschließe, die gelegenheit zu nutzen und ihm zu sagen, dass er bitte nie, nie, nie mit leuten mitgehen soll, die er nicht kennt, und er mich immer fragen soll. „warum, mama?“ fragt der kleine riesensohn. es tut mir zwar im herzen weh, aber ich will ihn ja nur schützen. „weil es auch böse menschen gibt, die kleinen kindern wehtun wollen.“ „warum, mama?“ fragt der kleine riesensohn erstaunt. in meinem kopf diskutiere ich mit mir, ob es das böse und böse menschen überhaupt gibt. sind vergewaltiger nicht selbst ehemals misshandelte kinder? haben sie eine wahl? es gibt sogar leute, die unter dem einfluss einer krankheit ihre kinder umbringen. ich entscheide, dass komplexere diskussionen auf später verschoben werden und erkläre, dass ich es nicht weiß, aber auf jedenfall will ich nicht, dass jemand dem kleinen riesensohn wehtut. der kleine riesensohn denkt pragmatisch: „wir können doch denn fremden menschen fragen, ob er böse oder nett ist?“ wenn das man so einfach wäre, seufze ich innerlich. und dann: „und wenn mir jemand wehtut, dann laufe ich weg und dann musst du mal pusten.“ oh, kleiner riesensohn, du weißt noch nicht, dass es auas gibt, die auch durch pusten nicht vergehen. und auch sein letztes argument: „ich bin stark, mama, dann mache ich den bösen tot“, bereitet mir herzschmerzen, und ich versuche ihm zu erklären, dass er sehr wohl sehr stark ist, aber leider die erwachsenen noch stärker sind. der kleine riesensohn, ach, du wirst früh genug erfahren, dass die welt auch böse ist.

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