Fragen über Fragen

29. November 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

In jedem Alter hat man ja so seine Fragen an das Leben. In meinem Alter sind sie eher profaner Art:

Warum muss es gerade dann schneien, wenn wir im ersten Jahr im eigenen Haus wohnen und wenn der beste Ehemann der Welt auf Reisen ist? Sprich: Wenn ich nur im Dunkeln schippen kann, weil die Zwillinge sonst Weinkrämpfe kriegen, und ich gerade keinerlei Babysitter zur Hand habe?

Und warum muss der kleine Riesensohn un.be.dingt mitmachen und braucht dazu un.be.dingt seine Schaufel? Und warum ist die gerade heute abend im Sandkasten, auf dem sich ein ansehnlicher Berg aus Schnee und Eismatsch gebildet hat? Außerdem frage ich mich, warum der beste kleine Riesensohn so ein lautes Organ hat, was schon beim normalen Sprechen auffällt, aber einem die Haut ablöst, wenn er anfängt zu heulen? Und warum heult er bei jedem Anlass, wenn wir gerade auf der Straße beim Schneeschippen sind und es zwischen den Hauswänden so schön hallt? Für Uneingeweihte muss das Heulen des kleinen Riesensohnes ungefähr so klingen, als würde ich ihm alle Finger und Zehen einzelnd abhacken. Die Schnee schippende Nachbarin guckte jedenfalls so. Vielleicht habe ich mir das aber auch nur eingebildet.

Als er heute im Copy-Shop geheult hat, hat er fast keine Luft mehr bekommen und die Mund-Lippe-Region wurde blass und dann blau. Ich weiß dann immer nicht, was ich schlimmer finde: Wenn er die 130 Dezibel übersteigt oder wenn er aussieht, als ob er gleich erstickt. Kein Mensch glaubt mir, dass er heult, weil ich ihn nicht auf den grünen Knopf des Kopierers habe drücken lassen oder weil ich den Fährmann selbst bezahlt habe, obwohl er das machen wollte. Nagut, als er das ich-laufe-blau-an-Heulen hatte, hat er sich wohl den Kopf an der Kante der Theke gestoßen. Und er war hundemüde. Das rechte Auge schielte schon.

Aber warum, so frage ich mich desweiteren, muss der kleine Riesensohn jeden Hinweis seinerseits mit mehreren „Mama!!!“s angkündigen und die jeweiligen Hinweise mehrmals und lautstark wiederholen? Obwohl sein Mund nur Zentimeter von meinem linken Ohr entfernt ist?

„Mama!!! Mama!!!! Mama!!!! Mama!!!! Mama!!!! Guck mal da ist ein Vogel auf dem Regal!!! Guck mal da ist ein Vogel auf dem Regal!!! Guck mal da ist ein Vogel auf dem Regal!!! Guck mal da ist ein Vogel auf dem Regal!!! Mama!!!! Mama!!!!“

Warum, denke ich weiterhin, warum nur steigt die Wortzahl proportional zum Müdigkeitslevel? „Mama!!! Mama!!! Mama!!! Du, ich bringe meine Hose in die Wäsche. Die ist dreckig, ne? Mama!!! Mama!!! Mama!!! Mama!!!Hast du gehört, Mama??? Ich geh mal aufs Klo. Ich bin fertig. Kommst du mal? Ich putze schonmal Zähne. Ich will noch einen Film gucken. Mama!!! Mama!!! Mama!!! Mama!!! Ich will auch schippen. Wo ist meine Schaufel? Warum schippt der Nachbar Schnee? (entsetzt:) Ist das unsere Schneeschaufel? (verblüfft:) Hat der auch eine Schneeschaufel? (neugierig:) Hat der auch einen Keller und eine Garage? Wo ist sein Keller und seine Garage? Mama!!! Mama!!! Wo ist Papa? Warum hat der seinen Computer mitgenommen? Ich putze schonmal Zähne, ne, Mama??? Dann gehe ich schonmal ins Bett. Kommst du gleich? Ich will noch einen Film gucken. Mamaaaaaa!!!!!!! Mamaaaaaaaa!!!!!!! Ich bin schon im Bett!!!!!! Du sollst kommen!!!!!! Mamaaaaaaaa!!!!!!!!“

Und nicht zuletzt: Warum muss der beste kleine Riesensohn der Welt jedesmal ne Sondermeldung herausgeben, wenn er irgendwas macht? „Mama, ich habe gepupst. Hat man aber nichehört! War ganz leise.“

Anderes Thema:

Warum muss der beste Ehemann der Welt, Dinge, die er gerade in der Hand hält und nicht weiß, wohin die kommen, auf Regale und Schränke verteilen? „Wieso“, sagt er, wenn ich ihn darauf anspreche, „ist doch in Augenhöhe.“ Ha.Ha.Ha. Zwei Meter, oder was? Habe ich Stielaugen? Das Büchereibuch habe ich nur durch Zufall wiedergefunden, als ich vor ein paar Tagen auf dem Regal nach Schokolade gesucht habe. Na, immerhin noch rechtzeitig.

Ach, ich habe noch jede Menge Fragen. Beispielsweise: Warum fallen mir jetzt schon die Augen zu? Es ist doch erst halb zehn? Vielleicht weil der kleine Riesensohn um 5.36 Uhr heute morgen in mein Bett kam und äußerst unhöflich „einen Arm!!!“ verlangt hat? Oder weil Sohni um 6.35 Uhr aufstehen wollte? Oder weil der Arbeitsaufwand eines Tages enorm ansteigt, wenn Ehemann und Elisabeth verreist sind und es saukalt und verschneit ist? Es ist ja nicht nur das Schneeschippen, sondern auch das Fegen, das Ein- und Auspacken der Kinder, des Geschirrspülers und der Einkäufe, das ununterbrochene Aufräumen und Fragenbeantworten, die unzähligen Male Naseputzen, Windeln wechseln und Sohni trösten, weil er zur Zeit desöfteren den Kürzeren zieht, wenn es um Spielzeug wegnehmen oder einen auf den Kopf kriegen geht.

Also ich muss sagen: Ich halte mich wirklich gut. Sogar das Abendessen haben wir einigermaßen zivilisiert auf die Reihe gekriegt. Eigentlich wollte ich die Zwillinge ja bis acht Uhr wachhalten, damit sie endlich mal wieder bis sieben durchschlafen (vor sieben aufzustehen, fand ich schon immer doof), aber sie sind um kurz vor sieben auf meinen Arm gekrabbelt und machten Anstalten, eben dort (ohne Schnuller und Hasi!!!) einzuschlafen.

Bei näherer Betrachtung gab es heute tatäschlich nur eine schlimme Stresssituation, als nämlich für einige Minuten alle drei wie am Spieß schrieen. Den armen Sohni hatte ich schon bettfertig gemacht und auf dem Badezimmerboden zwischengelagert, während Maxe noch die Eisen-, Augen- und Nasentropfen sowie den Antiobiotikasaft bekam, was er wohl nicht soo wahnsinnig gut fand. Dann kam der kleine Riesensohn (130 Dezibel) ebenfalls ins Badezimmer gestolpert, und da habe ich dann fast doch noch einen kleinen Schreikrampf bekommen. Aber sonst? Kein Vergleich mehr zu der völlig fertigen Mutter, die ich vor einem Jahr noch war, komplett überfordert mit drei brüllenden sehr kleinen Kleinkindern. Hallo, ihr Mütter da draußen, die ihr „Mütter Krise“ und ähnliches in eure Suchmaschinen tippt: Ich sage euch, es wird besser! Meistens jedenfalls.

Bei näherer Betrachtung wird es sogar monatlich besser. Und ich wette, wenn erstmal alle Söhne ausgezogen sind, dann kann ich bestimmt auch wieder ausschlafen.

P.S. Ach, eine Frage habe ich aber noch: Wieso kann ein Vierjähriger, der auf Papas Bettseite schlafen darf, weil der gerade auf Dienstreisen ist, eigentlich schnarchen? Dürfen das nicht nur alte Männer mit weißen Haaren? Und vor allem: Wie kriege ich das abgestellt? Ach, ich sehe schon, ich schlafe mal wieder im Kinderzimmer…

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