Mau*l- und Kla*uenseuche

2. Dezember 2010 § 4 Kommentare

Die haben wir jetzt auch. Der Kinderarzt teilte allerdings auf Nachfrage mit, dass weder der kleine Riesensohn noch der Maxe notgeschlachtet werden müssten. Dafür hat Maxe keine weitere, wie ich heute morgen vermutet hatte, als ich bei ihm 39°C Fieber gemessen hatte, Mittelohrentzündung. Auch wenn ihm Sekret aus dem Ohr lief und er lauthals gebrüllt hat. Kann ja aber auch geschmolzenes Ohrenschmalz gewesen sein. Bei 39°C? Warum denn nicht?

Der kleine Riesensohn sieht aus, als hätte ich ihn mit dem Gesicht nach unten und mehrere Meter über grobkörnigen Schotter geschleift. Um den Mund und um die Nasenlöcher herum hat er schorfige rote Stellen (aufgeplatzte Pünktchen der Hand-Fuß-Mund-Krankheit, wie die Krankheit beim Menschen heißt, auf die sich noch irgendeine bakterielle Entzündung draufgesetzt hat), die Hände sehen aus als hätte er Brandblasen, und die Pickelchen ziehen sich auch an bedeckten Körperstellen entlang und erreichen (daher der Name) auch die Fußsohlen. Jedenfalls darf er morgen nicht in den Kindergarten, was die eigentlich schlechte Nachricht ist, da er ansonsten topfit ist und im Gegensatz zu seinen Brüdern keinen Mittagsschlaf hält, den ich doch so dringend brauche.

Weil es heute nachmittag in der Kinderarztpraxis schon spät war (oder warum auch immer) hat er dann noch den Arzt und dann die Arzthelferin geboxt, sich aber draußen im Schnee wieder gut benommen. Er verlangte allerdings nach Essen.

Da ich meinen Rucksack mit Fahrkarte, Bankkarte etc. zu Hause vergessen hatte, hatte ich (nach zwei Fahrten mit der Fähre) wahrlich kein Geld mehr. Genauer gesagt: Noch 25 Cent. In Zwei- und Eincent-Stückchen. Ich schilderte dem Imbissbudenbesitzer auf der anderen Flussseite meine Lage und fragte, ob er mir ein trockenes Brötchen verkaufen könne. Er schenkte uns drei. Entweder sah ich wirklich mitleiderregend aus (oder vielmehr der kleine Riesensohn) oder er wollte sowieso gerade schließen und hätte die Brötchen weggeworfen. Vermutlich beides.

Dem Himmel sei Dank hatte dann der Bus zu unserem Stadtteil Verspätung, so dass wir ihn dieses Mal nicht verpasst haben (ich habe mich beim allerhöchsten Chef persönlich bedankt).

Und dann endete der Tag mit mehreren erfreulichen Umständen. Im Bus haben wir noch eine Mutter mit Zwillingen (neu hinzugezogen) kennengelernt (merke: zwei Zwillingswagen blockieren sehr effizient den Mittelteil eines Busses), und nach einem Fast-Heulanfall meinerseits beim Zuhausekommen, meldete sich glücklicherweise noch eine Freundin, die morgen helfen kommen wird, sollte ich den ansonsten besten Ehemann der Welt bis dahin nicht erreicht haben, der irgendwo weit weg bei einem Geschäftsessen schlemmt einen dienstlichen Termin wahrnimmt. Heute morgen habe ich ihn mal kurz gesehen, bevor er den kleinen Riesensohn in den Kindergarten brachte und sogar danach noch einmal, als er mir half Maxe mit einem Schmerzzäpfchen zu beglücken. Doch dann band er sich den degenerierten Rest seines Lendenschurzes um, schulterte die Keule und zog los, während ich derweil Ordnung in der Höhle schaffte.

Ansonsten – mit Blick auf ein Wochenende – sehe ich wieder Licht am Horizont. Sogar den heutigen Abend habe ich dann nach meinem kleinen seelischen Tief ohne Herumzubrüllen souverän beendet. Maxe schläft mit Schmerz- und Fiebersaft, zwei Teddys und rotem Gesichtchen, Sohni ist aus einem mir schleierhaften Grund von allen Leiden verschont geblieben, und der kleine Riesensohn schnarcht mit weißer Creme im Gesicht auf dem Sofa. Gebrüllt habe ich eigentlich nur vorgestern, als der kleine Riesensohn auf Repeat geschaltet hatte und ALLE Sätze MINDESTENS zehnmal wiederholt hat. Glaubt mir, DAS kann einen wahrlich in den Wahnsinn treiben. Vor allem, wenn man selber gerade mit Wickeln, Kochen, Medizinchen geben, Trösten, Füttern, Abendbrot machen … beschäftigt ist.

Gestern habe ich dann wieder nicht gebrüllt („Kleiner Riesensohn, du weißt, dass mich das nervt, wenn du alles zehnmal wiederholst und dann brülle ich wieder und das kann doch keiner wollen, oder?“ Stummes Nicken.) und bin präventiv um acht Uhr ins Bett gegangen. Ui, und jetzt ist es schon wieder spät. Mal sehen, wie viele nächtliche Besucher mich heute Nacht erwarten…

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§ 4 Antworten auf Mau*l- und Kla*uenseuche

  • Sven sagt:

    … da kann man nur von Herzen GUTE BESSERUNG rufen, damit sie ankommt und sich für dich mitfreuen, dass die Freundin zum Helfen kommt. Wahre Freunde erkennt man in der Not.

    Alles Liebe

    Sven

  • Peter sagt:

    Das Gute ist ja, dass auch die schlimmsten Tage wenigstens ein gutes Erlebnis bereithalten, wenn man nur gut sucht!

    • mara sagt:

      owei, das ist wohl wahr. und in all dem chaos wird mir dann immer bewußt, dass ich sehr dankbar bin für die ganzen kinderärzte und auch dafür, dass es bisher ja nur vergleichsweise harmlose kinkerlitzchen waren …

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