Sie laufen!

8. Januar 2011 § Ein Kommentar

Kaum hatte ich von mangelnden Fortschritten berichtet, beweisen sie uns das Gegenteil. Ermattet saßen Elisabeth (Schnöfnase, Jogginganzug) und ich (violette Augenringe, Gummiarme und ungewaschene Haare) gestern auf dem Spielezimmerboden und die Zwillinge toddelten zwischen uns hin und her, denn sie schmusen ja mit beiden gerne 😉 . Und dann – plötzlich – keine Ahnung, wie es kam, liefen sie, klar, an der Hand oder mit umfassten Hüften, aber einige Schritte liefen sie ganz alleine, bis sie wieder sicheren Halt am gegenüberliegenden Hafen fanden.

Boh, ey, waren wir aber stolz. Sohni krönte die Situation damit, dass er dann ganz alleine, die zwei oder drei Meter von der Küche ins Spielezimmer stakste – und dabei über das ganze Gesicht grinste. Plumps, setzte er sich auf den Windelpo und beim einsetzenden Applaus applaudierter er dann auch gleich mit. Und der Maxe auch.

Insgesamt ist Maxe noch schüchterner, was das Laufen angeht. So lange wie möglich hält er meine Hand fest, läuft ein paar Schrittchen Richtigung Elisabeth, um sich dann mit weit nach vorne gebeugtem Oberkörper ihre Hand zu sichern – und dann lässt er sich fallen. Und lacht. Und freut sich.

Auch Sohni lässt sich auf der Zielgerade fallen, und beide werden beknuddelt und über den grünen Klee gelobt.

Und so viel Lebensfrohsinn verströmt auch der kleine Riesensohn, der heute, hinter mir auf dem Fahrrad sitzend, zu mir sagte:

„Mama! Die Welt riecht so gut!“

Ich hielt an, spürte die Sonne auf meinem Gesicht, atmete den Duft der nassen Wiesen ein und betrachtete sein zufriedenes Gesichtchen, das mich unbefangen zurückmusterte: „Ja, das stimmt, die Welt riecht ganz wundervoll.“

Ein paar Straßen weiter seufzte der kleine Riesensohn: „Mama, der Tag ist so schön.“

Hach, wie gut, dass es den kleine Beobachter gibt, ich hatte wieder nur meine Einkaufsliste im Kopf – und diverse Sorgen, die ich mir hobbymäßig mache.

Und auf dem Heimweg fragte der kleine Riesensohn: „Jetzt ist aber Frühling, oder?“

Die Sonne funkelte zwischen den kahlen Ästen hindurch, und es war so ungemein warm und hell und frühlich, dass man diesen Tag zu recht zumindest als Vorhut bezeichnen kann.

Sogar für die bedrohte Ehe scheint es Hoffnung zu geben. Der beste Ehemann von allen hat mit dem bedrohten Scheidungsopfer gesprochen – so von Mann zu Mann versteht sich.

„Und was hast du ihm geraten?“ fragte die beste Ehefrau der Welt.

„Ich habe ihm gesagt, dass Frauen komisch sind. Die wollen Aufmerksamkeit und Romantik und was Schönes machen.“

„Naja“, gebe ich zu bedenken, „das ist ja auch Lebensqualität.“

„Ach was“, sagt der ansonsten beste Ehemann der Welt, „wenn alle Ehepartner Männer wären, wäre das Leben viel einfacher.“

„Hallo?“ sage ich, „wenn alle Ehepartner Männer wären, dann würde die abends auf dem Sofa liegen, Filme gucken und sich Chips reinpfeifen.“

„Eben“, gibt der Ehemann zurück.

„Das wäre doch langweilig.“

„Hallo?“ fragt der ansonsten beste Ehemann der Welt, „die würden doch nichts vermissen.“

 „Also manchmal denke ich“, sage ich kopfschüttelnd.

„Denk doch mal öfter“, grinst der beste Ehemann der Welt, legt einen Arm um mich und fragt: „Und? Wollen wir noch ins Café?“

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