Affenzirkus

27. März 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Der zunehmende Aktionsradius der Zwillinge erreicht ungeahnte Ausmaße. Maxe kann jetzt Türen öffnen, zwar noch nicht alle, aber es reicht mir. Nachdem er letzte Woche unter den Augen von drei Erwachsenen auf die Straße entwischte (Ich zitiere den Ehemann: „Warum ist denn Maxe auf der Straße?“) und ich einen neuen Rekord im Zwanzigmetersprint hinlegte (Wie können Männer da nur so RUHIG bleiben?), hatte ich die Faxen dicke und zwang den ansonsten besten Ehemann der Welt in den Biberbaumarkt. Zwischen drei Kleinkindern standen wir dann in der Zaunabteilung und diskutierten abwechselnd über das Ob-überhaupt-einen-Zaun und Welchen-nehmen-wir-denn-nun? Manchmal machen diese Disussionen mich wahnsinnig ein bisschen nervös.

Ehemann: „Warum brauchen wir überhaupt einen Zaun?“

Ehefrau: „Damit die Kinder nicht vor ihrem zweiten Lebensjahr umgenietet werden.“

Ehemann: „Wir können doch warten, bis die Bauarbeiten abgeschlossen sind.“ (Anmerkung der Autorin: Baubeginn, wenn überhaupt, und frühestens im Juni.)

Ehefrau: „Das sind noch mindestens zwei Monate.“

Ehemann: „Wieso müsst ihr überhaupt auf den Hof?“

Ehefrau: „Hallo? Wir haben Frühling. Ich will raus!“

Ehemann: „Warum geht ihr nicht auf den Spielplatz?“

„Ehefrau: „Was ist denn mit diesem hier? 1,80 m hoch? Da kommt Sohni bestimmt nicht drüber.“

Ehemann: „Hallo? Da kannst du noch nicht einmal rübergucken.“

Ehefrau: „Aber er ist kindersicher.“

Ehemann: „Was ist denn mit diesem hier?“

Ehefrau: „Wo sind eigentlich die Kinder?“

Ehemann: „Also Sohni habe ich eben dort hinten bei den Pflanzenmauern gesehen.“

Ehefrau: „Aaaahhh! Ich gehe mal gucken!“

– Gesprächspause, während der ich Maxe (wie bereits beschrieben) knapp vor der Blumentopfabteilung einfing, der kleine Riesensohn tauchte erst nach zehn Minuten wieder auf –

Ehemann: „Also, ich sehe einfach nicht, wozu wir einen Zaun brauchen.“

Ehefrau: „Also du bist ja nun den ganzen Tag unterwegs und kriegst das ja gar nicht mit. Die beiden sind wie Riesenheuschrecken, ein Zaun macht das Leben um Dimensionen einfacher.“

Ehemann: „Aber den Zaun brauchen wir doch höchstens ein Jahr, dann sind die Kinder doch vernünftigt.“

Ehefrau (tief durchatmend, @alleFrauen: Wehenatmung lernt man für´s GANZE Leben!): „Und ich sehe nicht, wozu du für deine Arbeit un-be-dingt und un-auf-schieb-bar ein Eipäd brauchst.“

Ehemann: „Das ist ja auch wichtig.“

Ehefrau: „Und ich brauche für meine Arbeit eben einen Zaun.“

Ehemann: „Gewonnen.“

Also, als Fazit des ganzen: Der Hof ist nun „ausbruchssicher“ (Zitat des Nachbarn), wenigstens für die nächsten zwei Monate. Wenn die in diesem Tempo weiter ihre Umwelt erobern, müssen wir dann eben Glasscherben auf die Zaunspitzen kleben. Oder eine Elektroleitung legen.

Neben ihrem verwüstenden Temperament bin ich manchmal einfach platt über ihr Sozialverhalten und ihre Selbstständigkeit. Okee, Sohni beißt, Maxe haut und der kleine Riesensohn schreit die Kleinen an, aber im großen und ganzen sind sie nett zueinander und nett zu mir. Maxe hat mir heute von seinem Doppelkeks abgegeben und Sohni schleppt (wie erwähnt) Schnullis und Hasis an, wenn Maxe weint. Der kleine Riesensohn hat heute beim Insbettbringen gehört, wie Sohni nebenan der Schnulli zu Boden gefallen ist. „Mama“, sagte der kleine Riesensohn, „ich gehe mal zu Sohni.“

„???“

„Ich hab gehört, wie ihm der Schnuller runtergefallen ist, ich heb den wieder auf.“

Beim Abendbrot hat sich Maxe, der ja bekanntlich gerne isst, den Nudeltopf organisiert (Krakenarme) und sich Nachschub in sein Schüsselchen gehäuft. Ich hab mich kringelig gelacht. Wenn die zwei fertig sind, schieben sie ihre Schälchen von sich, nehmen sich das Lätzchen ab und wischen den Tisch sauber.

Mit meinen Bemühungen, ihnen ihre Körperteile beizubringen, bin ich noch nicht wesentlich weitergekommen. Sie zeigen zwar auf ihre Nasen, wenn wir sie danach fragen, aber sie zeigen eigentlich bei jeder Frage auf ihre Nasen.

„Wo ist dein Ohr? Wo ist dein Bauch? Maxe, willst du baden? “

Apropos baden. Maxe hat neuerdings eine panische Angst vor dem Wasser. Gestern haben wir zweimal versucht, ihn ins Wasser zu locken. Wie ein Äffchen hing er auf meinem Arm und drückte seine Wange an meine. Hm, das wird dann wohl eine längere Aktion werden…

Aber wenn es um´s Wickeln geht, dann wissen sie, was sie zu tun haben: Weglaufen. Unser abendliches Spiel, bis sie ermattet aufgeben und gut einschlafen. Manchmal zeigt Maxe dann auf seine Windel und schüttelt den Kopf … 😉 , und auch sonst klappt das Kopfschütteln bei beiden sehr gut. Und sehr energisch.

Und noch einmal Maxe. Heute hat er entdeckt, dass er sich drehen kann und sich dabei selbst am meisten gefreut. Sohni ist heute von der Bank auf die Fensterbank geklettert und über den Rahmen auf die Fensterbank im Inneren der Küche. Dort hat er dann (im Stehen!), während mir fast das Herz stehen geblieben ist, Guckguck mit uns gespielt. Vieles ist so süß, dass ich es nicht beschreiben kann, und so versuche ich, diese Momente der Lebensfreude einzuatmen und in meiner Seele zu speichern.

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