„Und wer sind Sie?“

9. April 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Manchmal sind Nachbarn ja ein wenig neugierig. Zumindest unsere. Ich finde es bemerkenswert, dass die Besucher und Dauerbesucher unseres Hauses in kürzester Zeit mehr Kontakt mit den Passanten haben als ich in einem Jahr.

Die Knaben-Oma war beispielsweise nur eine Woche hier und kannte die Familienverhältnisse aller umliegenden Nachbarn. Anscheinend hat es sich auch rasend schnell herumgesprochen, dass nun noch jemand bei uns wohnt. Wir haben beschlossen, dass Herr Ungewöhnlich gut in unseren Clan passt (geduldig, kinderfreundlich, chaosresistent und hilfsbereit) und ihm daraufhin angeboten, solange bei uns zu wohnen wie es halt geht. Jetzt haben wir sozusagen einen Hausmeister, Miet-Opa und Onkel in einem, je nachdem. Als letztens eine Mutter anrief, um ihre Tochter zu meinen Kinderexkursionen anzumelden, fragte sie erstaunt nach, als Herr Ungewöhnlich ans Telefon ging: „Äh, mit wem spreche ich denn?“ – „Naja“, antwortete Herr Ungewöhnlich, „ich bin hier sozusagen der Hausmeister.“

Und so nannte Frau IchmeldemeineTochteran ihn denn auch beim nächsten Telefonat: „Ich habe neulich schon mit Ihrem Hausmeister telefoniert… .“

Also bleibt es vermutlich bei dem Namen. Der ansonsten beste Ehemann der Welt hatte nichts besseres zu tun, als mich aufzuziehen: „Du bist die verwöhnteste Hausfrau, die ich kenne: zwei Hilfen, und du bist trotzdem überfordert.“

Recht hat er. Ohne Elisabeth und ohne Hausmeister würde ich noch viel mehr hier herumbrüllen. Interessant finde ich nur, dass unser Haushalt genauso aussieht wie zu der Zeit, als wir noch keine Hilfe hier wohnen hatten. 😉

Und hier ein typischer Tag aus unserem Leben als Patchwork-Familie:

7.11 Uhr: Ich erwache, weil Sohni herumnöddelt. Waaas? Schooon? Gähnend wälze ich mich aus dem Bett (ich schlafe im Bett des kleinen Riesensohnes, der in Sohnis Zimmer schläft, was bewirken soll, dass er nicht jede Nacht zu uns überläuft, nur dass er das irgendwie noch nicht so ganz verinnerlicht hat) und beneide die anderen, die bestimmt noch seelig schlafen.

Im integrierten Ess-, Spiele-, Wohnzimmer sitzt unser Hausmeister und sittet Maxe. Wo ist der Rest?

Ich erfahre, dass Maxe schon seit einer Dreiviertelstunde gesittet wird und die großen Männer auf Beutejagd sind. Glück gehabt! Ich habe im richtigen Zimmer genächtigt! In meinem Bett lummerte am Abend zuvor nämlich schon der kleine Riesensohn, der, wie soll ich sagen, magnetisch von mir angezogen wird, wenn wir nebeneinander liegen, was der Grund dafür war, gestern abend auszuwandern.

Ich bereite Kaffee und Frühstückstisch vor und als die großen Männer mit ihrem Jagdgut wieder eintrudeln, helfen alle beim Verstauen des Großeinkaufs. Juchu! Es gibt auch Brötchen, aber die großen Männer haben keine Zeit, denn heute ist Brunchen bei Familie XY angesagt, da will man sich ja nicht vorher schon den Magen verderben.

Unser Hausmeister und ich füttern uns und die Kinder mit Brötchen, und er gesteht mir, dass Maxe schon eine halbe Tasse Kaffee intus hat, weil er, als er mal ganz kurz, wirklich nur ganz kurz in die Küche musste, vergessen hatte, seinen Stuhl umzulegen und die Tasse hochzustellen. Maxe ist eine Kakerlake: Sobald er unbeobachtet ist, huscht er auf den Stuhl und tankt auf Vorrat. Es ist mir ein Rätsel, wie er trotzdem noch zwei Stunden Mittagsschlaf halten konnte.

Als Elisabeth auftaucht, übernimmt sie das Füttern der Raubtiere, was mir eine zweite Tasse Kaffee in Ruhe und Gemütlichkeit beschert. (wenn man mal von dem allgemeinen „Ö! Ö!“ absieht, das die Zwillinge von sich geben, wenn sie Trinken / Essen / Schnuller / Hasi / Löffel haben wollen).

Dann ist es schon zehn Uhr und ich marschiere, mit Sohni im Tragerucksack in den Kindergarten, wo heute Garteneinsatz auf dem Plan steht. Eineinhalb Stunden harke ich Laub vom Fußballplatz, dann hat Sohni keinen Bock mehr und will runter von meinem Rücken, was er natürlich darf, aber dann will er schmusen und nöddelt. Einsatz beendet, wir gehen nach Hause.

Zuhause erwartet uns ein nach Lavendel duftender Maxe mit frischem T-Shirt. Nach acht Wochen badefrei, hatten Elisabeth und ich beschlossen, dass Haare waschen dringend nötig wäre, Wasserphobie hin, Wasserphobie her.

Dann gibt es Mittag für alle und Sohni, Maxe und ich machen ein Nickerchen unterm Dach. Am Nachmittag erscheinen die großen Männer auf der Bildfläche und ich darf schwimmen gehen. Bei meiner Rückkehr spielen die Toddler friedlich im Hof und der kleine Riesensohn will auf den Spielplatz. Papa erbarmt sich. Der kleine Riesensohn freut sich: „Ich hab schon alles zusammengepackt, was ich brauche, Papa!“ Vor Vorfreude strahlend steht der kleine Mann im Hof, die Schaufel in der einen, den Eimer mit dem Fußball drinnen in der anderen.

Nachdem ich eine Stunde später die Zwillinge befüllt, refreshed und eingeschläfert habe, begebe ich mich in unseren Hof, um den halbblauen Zaun ganz zu bläuen.

Um halb zehn gibt es kein Licht mehr, aber die Samen der Schmetterlingswiesenmischung müssen noch in ihre Töpfe. Zehn Tage, steht auf der Packung, dann kommen sie schon aus der Erde.

Tja, und dann … war dieser Tag schon wieder zuende. Dankbar gebe ich ihn zurück an den, der ihn mir schenkte.

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