Windeldieb

11. April 2011 § 4 Kommentare

Heute stehe ich vor dem Küchenfenster, die Zahnbürste im Mund, neben mir schlürft der Hausmeister seinen Kaffee, und schaue verträumt in den sonnigen Hof, da schleicht sich ein etwa zwölfjähriger Junge mit Rucksack auf dem Rücken an unsere Restmülltonne und nimmt sich ein weißes, unförmiges Paket heraus. Hält es sich an die Nase. Schaut hoch. Ich winke ihm freundlich zu, um zu signalisieren, dass ich gesehen habe, dass er sich soeben eine Windel aus der Tonne geholt hat. Er hält inne. Packt die Windel in den Rucksack und verschwindet die Straße hoch.

„Och, der kommt jeden Montag und Donnerstag“, sagt der Hausmeister im Nach-dem-Frühling-kommt-der-Sommer-Tonfall, „manchmal nimmt er sich auch zwei mit.“

„Wie bitte??“ sage ich, „und warum hast du mir das nicht schon vorher mal erzählt???“

„Du hättest es mir sowieso nicht geglaubt.“

Recht hat er.

Die Frage ist nur: Riecht der Windeldieb dran, um sicher zu sein, dass es sich um eine Stinke-Windel handelt, oder riecht er dran, um sicher zu sein, dass es eben keine Stinkewindel ist?

Der Hausmeister sieht das pragmatisch: „Solange er keine neuen Windeln anschleppt, ist doch alles in Ordnung.“

Also, manchmal denke ich…

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