Unentschieden

24. April 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Der Baufuzzi kam.

Tatsächlich.

Als ich um 9.10 Uhr aufbrechen wollte (Ehevormittag im Café gegenüber), fuhr ein Auto vor unser Haus. Ein Mann kurbelte das Fenster herunter und fragte, ob er hier parken könnte.

„Sind Sie der Bautrupp?“ fragte ich enthusiastisch.

„Äh, ja“, sagte der Mann.

Dann packte er seine Sachen aus, Pressluftbohrer, son schwarzen Bottich, für Zement nehme ich an (innerlich jubilierte ich: der Baufuzzi verputzt endlich, endlich unsere Mauer!) und kündigte noch an, dass der Chef höchstpersönlich hier auftauchen wird.

Ich übergab noch frohgemut den Garagenschlüssel, zeigte dem Bauarbeiter die nächste Steckdose und hüpfte ins Café, wo der beste Ehemann der Welt schon auf mich wartete.

„Hase!“ rief ich, „stell ma vor! Der Bauarbeiter ist da! Der bohrt jetzt den Sockel weg und verputzt unsere Mauer!! Ein Sommer mit einem schönen Außenhof liegt vor uns!“

„Na, siehste“, nuschelte der Ehemann, „hab ich`s doch gesagt, der legt jetzt voll los.“

Nach dem Frühstück im Café hüpfte ich genauso frohgemut zurück zum Haus und sah – verblüfft – dass die Mauer noch genauso unverputzt aussah wie eine Stunde zuvor. Der Bauarbeiter tat so, als ob er arbeitete, und erklärte mir, dass der Chef schon da war, aber jetzt versuche, ein Ersatzschloss für die Garagentür zu bekommen, „weil die nicht zugeht und das Schloss im Inneren gebrochen ist. Sehen Sie, man kann gar nicht zuschließen.“

Mir entgleisen die Gesichtszüge.  Am liebsten will ich den Kerl in seine Zementwanne legen. Aber da ist noch kein Zement drin. „Das sage ich ja schon seit einem Jahr!!!“ Wie hypnotisiert packte meine Sachen und fuhr nicht mehr sooo frohgemut zum Schwimmen.

Die Rückkehr war niederschmetternd. Keine verputzte Mauer, kein Baurbeiter, kein neues Schloss. Der Hausmeister klärte mich über den Stand der Dinge auf: „Das Schloss ist kaputt, Herr Baufuzzi hat versucht, ein neues zu kaufen, aber er musste es bestellen, das dauert ein paar Wochen. Und dann sind sie wieder gefahren. Am Dienstag kommen sie wieder. Da kommt der Architekt aus dem Urlaub und wird die Bauarbeiten leiten.“ Er grinst und fügt hinzu: „Ohne Kommentar.“

Den Rest des Tages haben wir mit folgenden Rätseln verbracht:

Wozu braucht man einen Architekten, um einen Sockel wegzuhauen und eine Wand zu verputzen?

Warum bringen die das ganze Werkzeug mit, wenn die doch bloß in der Garage stehen und ihre Eier schaukeln herumstehen?

Warum gammeln die zwei Stunden bei uns herum, ohne IRGENDWAS zu machen? Ich meine, das ist doch auch für die vergeudete Arbeitszeit?

Und was hat das Nichtverputzen unserer Mauer mit einem defekten Türschloss zu tun?

Am Dienstag gibt es kein Rätseln mehr. Dann haben auch die Kanzleien wieder auf. Scheiße. Auf so nen Kram habe ich ja echt gar keinen Bock.

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