Hochsicherheitstrakt und Klettentage

8. Mai 2011 § 8 Kommentare

Heute hat Sohni es geschafft. Ich habe nur kurz nicht hingeschaut und da hat er entdeckt, wie der Zaunriegel funktioniert. Als ich in den Außenhof raste, entdeckte ich den Schlingel. Er stand auf der anderen Seite der Zaunpforte und entfloh erst, als ich ihn schockiert anstarrte. Doch nicht mit Mama Blitzeschnell. Zack hatte ich Herrn Windel plus Body mit Barfuß eingefangen und erneut hinter Gittern gesetzt. Diesesmal mit meinem Hochsicherheitsfahrradschloss, das ich um die Zaunlatten gewurstelt habe. Wenn er das auch noch aufkriegt, dann gebe ich auf. Vielleicht wären auch so Babykettenleinen etwas für uns. Die habe ich heute gesichtet. Ein Großvater mit Enkelchen, eng verbunden mit einer Hunde Babyleine. Gar nicht so schlecht, habe ich mir überlegt, und wenn man dann noch so eine per Knopfdruck einziehbare Leine dabei hätte…

Außerdem verblüfft Sohni uns immer wieder mit neuen akrobatischen Heldentaten. Heute hat er auf dem auf dem Boden liegenden Tripptrapp-Stuhl klettern geübt. Wohlgemerkt: Auf dem liegenden Stuhl. Es sah ziemlich anstrengend aus, aber die Puste ging ihm erst nach dem dritten Mal Drüberklettern aus. Und wir müssen ganz dringend einige Regalbretter umsetzen, weil Sohni sie als Leiter zu benutzen gedenkt. Ich erwäge, unsere hofseitige, immer noch nicht verputzte Mauer als Kletterwand umzufunktionieren.

Maxe dagegen hat heute eher Sesshaftigkeit bewiesen. Auf meinem Arm nämlich. Herr Klette bricht in lautes Gekreische aus, wenn sich mir ein Bruder nähert. Noch spitztere Eckzähne und er könnte mein Schutzhund werden. Apropos Zähne. Ich glaube, da kommt ein Backenzahn. Bei den Schmerzen, die der arme Junge hat, vermute ich einen Siebeneinhalbtonner. Aber mindestens. Besonders nachts piesackt dieser fiese Zahn die müde Mutter den armen kleinen Kerl. Während ich ihn ins Erdgeschoß trage, um nach den Zäpfchen zu suchen, schreit Max das ganze Haus wach.

Ich hatte diese Episode schon ganz vergessen, als mich eine Bekannte ansprach: „Sag mal, was war denn bei euch los?“ Ich blicke beunruhigt. Habe ich schon wieder zu laut mit meinen Kindern herumgebrüllt? Oder gar unanständige Wörter benutzt?

„Ich habe vor ein paar Nächsten einen Anruf von deinem Handy bekommen, aber da waren nur Kinder zu hören.“

Kinder? Oweh, schelte ich mich innerlich, die Tastensperre vergessen. Vermutlich hat Herr Backenzahn irgendwo mein Handy erwischt und die Wahlwiederholung getroffen… Glücklicherweise ist die Bekannte humorig…

Wo war ich noch? Achja, bei der Klette. Es scheint immer schlimmer zu werden. Nicht einmal einen Kaffee kann ich mir machen, ohne dass Maxe einen Wutanfall bekommt, weil ich ihn – wirklich nur kurz – auf dem Boden absetze.

Schlau wie Mütter nunmal sind, habe ich die Gelegenheit ergriffen und ihn gebadet. Kleine Jungs, die wie Kletten an ihrer Mama kleben, laufen nämlich nicht einmal dann weg, wenn das Badewasser gefährlich nahe rückt. Jetzt riechen beide Zwillinge nach Lavendel 😉 . Am Abend löste er sich dann doch noch von mir und da kam dann auch Sohni zum Zuge und wurde natürlich ordentlich beknuddelt. Der Arme hatte sicherlich Nachholbedarf.

Der kleine Riesensohn ist übrigens gut drauf. Den ganzen Tag verteilt er „Sonnenküsse“ und „Blumenküsse“ an die beste Mutter der Welt und ist, wenn man mal von dem üblichen Gejammer den üblichen Vorwürfen absieht, die inhaltlich eng verwandte Themen beinhalten: Ich (= Mama) bin zu schnell. Ich bin immer noch zu schnell. Immer bin ich zu schnell. Immer drängel ich mich vor und so weiter und so weiter.

Und als wir zu viert dann doch quietschvergnügt unterwegs waren, trafen wir eine ältere Dame, die sich großmütterlich lächelnd die Zwillinge anguckte.

„Die sind aber süß“, lächelte sie und ich lächel gerne zurück, ich bin ja derselben Meinung.

„Aber wissen Sie“, fährt die Dame fort, „haben will ich die nicht, und wissen Sie auch, warum?“

Ich werde es nie erfahren. Vermutlich weil es mördermäßig viel Arbeit ist. Das haben mir schon ungefähr hundert alte Ommas vor ihr erzählt. Ich schiebe meine Sonnenbrille wieder auf die Nase, mache ein abfällige Pffft und wandere mit meiner kleinen Schar davon.

Ich muss mir ja nicht alles anhören.

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§ 8 Antworten auf Hochsicherheitstrakt und Klettentage

  • richtig, man muss sich nicht alles anhören. Dieses „das ist aber bestimmt anstrengend“ geht einem nach einer gewissen Zeit auf den Keks – wir können es halt nicht vergleichen, da, oh komisch, gleich Zwillinge da waren.
    Und solte Leinen mit Rückholfunktion sollte man für andere Leutchen eher mal ausprobieren. Klick. Und weg…
    Einen schönen Wochenstart wünsche ich…

  • b. sagt:

    Ja, gell, und dann natürlich vor den Kindern, na super, haben die denn gar keinen Plan? Kurz darauf kam uns übrigens eine andere ältere Dame entgegen, die mir erzählte, dass sie viele Drei-Sohn-Familien in der Verwandtschaft hat und das wäre überall nett. Nagut, ich würde vermutlich mehr jammern, wenn Elisabeth und der Hausmeister nicht wären… zugegeben. Aber trotzdem. Vor den Kindern? Hm…

  • Friederike sagt:

    Die „per Knopfdruck einziehbare Leine“ wäre bissl krass… Aber vermutlich schon recht praktisch… 🙂

  • Anna-Lena sagt:

    *lach* ich kenn das auch noch von den Spielplatzausflügen mit meinen Zwillingsbabys…
    STÄNDIG und IMMER wurd man angehalten und alle haben doofe Fragen gestellt (glücklicherweise auf Englisch wo ich nicht soooo schnell dumme Antworten zurückgeben kann wie auf Deutsch!)
    „Sind das Zwillinge? (nö, sie sehen nur doppelt) Sind das Babys? (Ne, Goldfische) Sind die verwandt? (Haben Zwillinge meist so an sich) Sind die Zwillinge gleich alt? (ne, die eine ist 24 Jahre älter) Ist das viel Arbeit mit Zwillingen? (Ja, da muss man ständig doofe Fragen beantworten!) – Alternativ hilft als Au-Pair einfach zu sagen: Das müssen sie die Mutter fragen, ich geb die nachher wieder ab 😉 (daraufhin hat mal ne alte Frau geglaubt ich hätte die geklaut oder so, die zog dann nämlich schockiert ab..)

    • b. sagt:

      und ich werde sogar dann gefragt, ob es zwillinge sind, wenn ich nur den kleinen riesensohn und maxe dabei habe. hallooo? altersunterschied zweieinhalbjahre?
      das fand ich echt skurril.
      liebe grüße,
      mara

      • Anna-Lena sagt:

        das ist dann aber „verzweifeltes gesprächebeginnen“ von irgendwelchen leuten die nichts besseres zu tun haben… 😀

        ich hab übrigens neulich auch so nen spruch gebracht ohne das so zu meinen.. ich war mit meinen babysittkindern aufm spielplatz und ne mutter mit zwillingsjungs (so knapp 1 jahr) kam an und die kids liefen hin und wollten mit denen im sand spielen.. die mutter meint: „die laufen noch nicht“ und ich hab nur gemeint sie soll froh sein, das würd nur noch anstrengender 😀 – keine 3 Minuten später war sie mit den babys verschwunden.. :/

  • b. sagt:

    uiui, aber vllt lag es ja auch gar nicht an dir?

  • Anna-Lena sagt:

    Ich hoffe 😉

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