Die unsichtbare Leine

14. Mai 2011 § 5 Kommentare

Es wird härter.

Zuerst hat es Elisabeth bemerkt, die vom Spielplatzausflug mit den Toddlern zurückkam. Vom eingezäunten Spielplatz wohlgemerkt: „Ich brauche VIER Augen! Ich habe nur ganz kurz nicht hingeguckt und schon war Sohni an der Pforte und wollte Richtung Straße ausbüchsen!“

Den besten Ehemann der Welt schockiert das gar nicht: „Jaja, der Sohni, der will immer türmen, aber vorher guckt der einen so ganz verschmitzt an, daran erkennt man das.“

Jetzt habe ich es auch erlebt. Gestern zum Beispiel. Da rannten alle beide, angefeuert vom kleinen Riesensohn vom Parkspielplatz, auf dem sie sonst andächtig im Sand gebuddelt haben. Besonders Sohni rennt wie ein Hase. Ein lustiges Spiel, wenn man Wetten darauf abschließen kann, ob einen die Mama mit wogendem Busen und rotem Gesicht kurz vor der Straße wieder einfängt oder doch eher einem Herzinfarkt erliegt.

Nachdem Sohni unseren ersten Riegel an der Hofpforte geknackt hat und Maxe heute den zweiten, kindersicheren, hängen wir jetzt einen Karabinerhaken daran. Das Fahrradschloss ist auf Dauer zu unpraktisch.

Heute hatte ich die Faxen mit dem Weglaufen und Rummosern dicke. Sogar der allseits beliebte Lokomotivenspielplatz lockt nicht mehr. Stattdessen locken die geparkten Fahrräder (kann man so schön Domino mit spielen an den Pedalen drehen), die Tauben (huiii, die fliegen weg, wenn man hinter ihnen herrennt) und die Schaufenster der ansässigen Geschäftsleute, pitschepatsch.

EINEM Kleinkind kann man ja noch prima hinterherlaufen, aber bei zweien wird es dann schon schwieriger. Kurz habe ich erwogen, eine Doppelleine anzuferigen, wie manche Hundebesitzer sie bevorzugen. Dann laufen die Zwillinge sozusagen in einem Geschirr und können wenigstens nur in eine Richtung türmen. Das würde ich ja noch schaffen. Andererseits sehe ich schon Blut fließen, wenn ich sie aneinanderfessle.

Heute waren sie beide im Fahrradanhänger, der ein Nebeneinandersitzer ist und nicht, wie unser im täglichen Einsatz befindlicher Geschwisterkinderwagen ein Hintereinandersitzer, in dem der hinten Sitzende dem vorne Sitzenden lediglich die Füße in den Rücken rammen oder die Mütze klauen kann.

In einem Nebeneinandersitzer wird nur dann nicht gestritten, wenn das Ding in Bewegung ist und die Zwillinge Futter in Händen halten. Toddler anschnallen und nochmal kurz aufs Klo gehen, geht ja gar nicht, wie auch der Nachbar so charmant bemerkte, asl ich vom Klo wiederkam. Hinzu kam heute, dass ich die Wunderwaffe jeder schlauen Mutter nicht dabei hatte: Felinchen. Ein geschmackloses, dünnes Knäckebrot, über das man ganz vergisst, den Bruder zu ärgern an dem man aber lange knabbern kann. Nach einer gefühlten Ewigkeit mit dem kleinen Riesensohn auf dem Rücksitz („Mama, die Toddler streiten sich!“) und zwei kreischenden Zwillingen im Fahrradanhänger, die sich heute ungünstigerweise aufgrund des Felinchenmangels auch während der Fahrt bekriegten, kehrte ich in der nächstbesten Drogerie ein und besorgte ungesalzene und ungesüßte Maiswaffeln. Puh, damit war die Heimfahrt gerettet.

Und die Sache mit der Knabberei bringt mich auf eine Idee, die zumindest Maxe auf unsichtbare Weise an mich fesseln wird: Ich behalte das Knabberzeugs in der Hand! Und gebe es nur krümelweise heraus. Dann sind sie gezwungen, in meiner Nähe zu bleiben. Und wenn nur harte Drogen helfen, dann kaufe ich eben Schokokekse. Das fesselt dann auch Sohni.

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§ 5 Antworten auf Die unsichtbare Leine

  • Nessa sagt:

    Hehe, jaaa, Kinder können ganz schön schnell sein. Musste ich gestern auch wieder feststellen. Da habe ich den ganzen Tag 4 Kinder gebabysittet (9,7,5 und 3) und sollte dann auch noch mit 4 Kindern und dem Hund spazieren gehen. Leider war der Hund leicht agressiv veranlagt und meinte jeden, der die Leine hält, beissen zu müssen. So biss er dann den 5-jährigen so feste in den Arm, dass dieser weinte. Während ich versuchte das arme Kind zu trösten und nebenbei aufpassen musste, dass der Hund mir nicht in die Hand beisst (von den Kindern wollte keiner mehr die Leine halten – komisch, vorher wollten sie doch alle 😉 ), war dann aufeinmal der 3-jährige inklusive Laufrad verschwunden. (Anmerkung… Ich:’Wir lassen das Laufrad besser hier, sonst fährt er mir noch weg!‘ 9-jährige:’Neiiiin, bei Mama darf der das auch immer mitnehmen, du kannst das nicht verbieten!‘ Ich:’hmpf!‘) Er war einfach nirgends mehr zu sehen. Da wir noch nicht weit vom Haus entfernt waren, hab ich also den Rückzug angetreten (9-jährige:’Aber wir MÜSSEN mit dem Hund spazieren gehen.‘ – Klar, ich will auch unbedingt noch gebissen werden!) und wurden auch sogleich vom 3-jährigen begrüßt: „Hallo, ich bin schon zu Hause!“. Nach 10 Stunden war ich fix und fertig 😉 Aber andererseits, wären kleine Kinder nicht so schnell, wärs ja auch langweilig 😉

  • b. sagt:

    Vier Kinder und ein Hund???? Zehn Stunden???? Wie geht das denn? Was hast du denn verdient? fragte neugierig eine bewundernde Mara.

    • Nessa sagt:

      Hehe, eigentlich sind die 10 Stunden schnell vergangen, liegt wahrscheinlich daran, dass ich das nicht so oft mache 😉 Wir waren auch fast den ganzen Tag draußen und haben Reiterhof gespielt, da ging die Zeit schnell rum.. Und ich bin ziemlich stressresistent. Also mir machts nichts, wenn mal irgendwer rumbrüllt und laut ist, ich kann sowas ausblenden! Und außerdem machts mir riesigen Spaß mit Kindern zu spielen 🙂 Hab nur 5 Euro die Stunde bekommen, aber das ist okay, weil ich weiß, dass die Familie nicht sooo viel Geld hat! Den Hund fand ich übrigens viiiiel stressiger als die Kinder 😀
      Also, falls du mal eine Babysitterin brauchst… ;D

      Lg 🙂

  • b. sagt:

    fünf euro??? für vier kinder??? ui, du kannst sofort bei uns anfangen 😉
    der hundesitter der kollegin meines mannes kostet übrigens zwölf euro pro HALBE stunde. elisabeth bekommt bei ihrem neuen babysitterjob (drei kinder) sieben euro, während die hiesigen putzfrauen hier elf euro bekommen… so viel zum stellenwert. sie erwägt, hundesitterin zu werden.
    ps reiterhof ist hier nicht so beliebt, aber dafür raumfähren bauen und werkstätten für raumfähren. ist ja fast wie reiterhof… (warst du das pferd?)

    liebe grüße,
    mara

  • Nessa sagt:

    Gut, ich reise morgen an 😉 Grundsätzlich würd ich bei 4 Kindern & Hund tagsüber schon mehr Geld nehmen, aber wie gesagt, ich weiß, dass die Familie nicht so viel Geld hat und ich will ja auch kein Unmensch sein. Die Eltern hatten etwas Wichtiges zu erledigen und die Tante konnte mal wieder nicht. Ich hab sogar zwischendurch für die Kinder gekocht und dann aus alter Aupair-Gewohnheit noch die Küche aufgeräumt und die Spülmaschine später ausgeräumt. Wenn ich das so in die Zeitung schreiben würde, hätte ich wahrscheinlich direkt ziemliche viele Jobs 😀 Der Hundysitterinjob klingt auch nicht schlecht, nur bin ich nicht so der Hundefan – unpraktisch 😉
    Glücklicherweise war ich nicht das Pferd. Ich war die Tochter und durfte gefühlte 2 Stunden Gras pflücken (Heu für die Pferde), die Wiese sieht jetzt gemäht aus^^ Zwischendurch durft ich auch mit meinen eigenen, unsichtbaren Pferden reiten und diese putzen (hoffentlich haben die Nachbarn nicht zugeschaut^^) und Gänseblümchen für den Kräutertee pflücken 😉 Alle 2 Minuten durfte ich dann noch den Kleinsten auf seinem Traktor anschieben, weil er feststeckte.
    Raumfähren sind aber auch ziemlich cool, die hab ich früher immer mit meinen Schwestern gebaut 🙂 Hach, ich will auch wieder klein sein! 🙂

    Gute Besserung an Maxe und viele Grüße,
    Nessa

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