Hypochonder-Mom

21. Mai 2011 § 3 Kommentare

Als ich am Mittwoch Abend in der Ambulanz des Kinderkrankenhauses aufschlug, war es wieder so weit. Ich beobachte Maxe, der mit roten Bäckchen und äußerst fidel die großen lederbezogenen Schaumstoffspielteile vom Klettergerüst wirft, und dann trifft mein Blick die Ärztin, die ihn schon das letzte Mal untersucht hatte und nichts, aber auch gar nichts gefunden hatte. Dialoge von damals:

Besorgte Hypochonder-Mom: „Ehrlich, zu Hause hat er nur gebrüllt und wir konnten ihn mit nichts beruhigen!“

Ärztin: „Das glaube ich Ihnen ja, aber ich kann nichts Beunruhigendes festellen.“

Ich: „Das ist mir jetzt ein bisschen peinlich.“

Sie: „Sie dürfen immer gerne kommen, wenn Sie sich Sorgen machen, aber nun geht es ihm ja wirklich gut.“ Deutet mit dem Blick auf Maxe, der – mit eifrigem Gesichtsausdruck und die Zungenspitze zwischen den Lippen – die Schreibtischutensilien neu sortiert. Also, echt, Maxe, was war denn nur zu Hause mit dir los?

Am Mittwoch Abend dann die Wiederholung:

„Maxe Andersen“, ruft die helfende Krankenschwester.

„Moment!“ ruf ich und jage dem fliehenden Maxe hinterher, der Ärmchen schwenkend und kinderlachend den Krankenhausflur entlangtorkeltrennt und dabei ein ziemliches Tempo entwickelt.

Wenn das Krankenhaus so einen heilsamen Einfluss hat, überlege ich, dann sollten wir vielleicht einfach öfters herkommen. Man muss die Kinder ja nicht gleich untersuchen lassen… Aber dass Maxes anhaltendes Gebrüll (Montag Nachmittag bis Mittwoch Nachmittag) soo plötzlich aufhört… ?

Am Montag hatte er allerdings allen Grund dazu. Ich trabe mit ihm zum Kinderarzt, er fiebert und sein Auge eitert. Mal wieder. Die dritte Bindehautentzündung binnen weniger Wochen. Das Antibiotikum hat nicht angeschlagen. Also bekommt er ein anderes verschrieben (nochmals fünf Tage lang dreimal täglich Augentropfen geben, oweh, ein tiefer Seufzer geht durch meine Mutterseele), und dann wird noch die Mittelohrentzündung diagnostiziert. Noch ein Antibiotikum, das aber endlich mal lecker schmeckt (ich probiere jede Kindermedizin), aber dennoch von Maxe abgelehnt wird. Sohni will es gerne haben, sogar sehr gerne, und steht bettelnd vor mir, während Maxe den Mund zupresst und mich mit zusammengekniffenen Augen feindselig ansieht. Der kleine Riesensohn will auch und ist beleidigt, als ich ihm den Wunsch abschlage. Er sei doch auch so krank, ruft der kleine Riesensohn, er habe Schnupfen. Das hat übrigens die Ärztin am Mittwoch Abend festgestellt, nachdem dem kleinen Riesensohn eingefallen war, dass er sehr große Schmerzen im Mund habe. Das war nach der Behandlung von Maxe und nach einer Wartezeit von einer Dreiviertelstunde, bis wir endlich drankamen. Natürlich muss man dann nochmal zur Anmeldung, wieder ein Formular ausfüllen, wieder warten und dann kann erst der sehr schmerzhafte Mund des kleinen Riesensohnes untersucht werden.

„Sieht alles ganz normal aus“, stellt die nette Ärztin fest und empfiehlt Nasentropfen wegen des Schnupfens. Seitdem leidet der kleine Riesensohn noch mehr. Am Donnerstag darauf hat er sogar darauf hingewiesen, dass er nie im Leben in den Kindergarten könne, weil er so schweren Schnupfen habe. Na, prima.

denn dem kleinen Riesensohn fiel (nachdem wir weh, Mama!“ Und da ich gerade irgendwo das Wort Scharlach aufgeschnappt hatte…

Die Nächte zwischen Montag und Mittwoch waren übrigens gemein kurz, denn Maxe wacht pünktlich alle drei Stunden auf, weil die Schmerzmittel nicht mehr wirken. Also mit dem großen Kind auf dem Arm (12,5 Kilo) die Treppen hinunter (um nicht auch noch die anderen Kinder aufzuwecken), Zäpfchen suchen, einem brüllenden Kind mit Vaseline und Geschick die Medizin in den Hintern schieben und dann mit Geduld und Ohropax herumtragen, bis die Schmerzen weniger werden. Als am Mittwoch Nachmittag der Zustand nach wenigen Ruhestunden unverändert ist, fahre ich in die Ambulanz, den Rest s.o.

Ich freue mich für Maxe, dass es ihm jetzt, auch ohne Zäpfchen, wieder gut geht, und auch für mich, denn nachdem er 48 Stunden an mir geklebt hat wie mein Siamesischer Zwilling, fühlen sich meine Muskeln und Sehen an wie eine Angelschnur mit einem 300 Kilo Fisch am anderen Ende.

Aber jetzt! Jetzt ist Samstag und damit Schichtwechsel! Der beste Ehemann der Welt hängt ist im Wonnemonat Mai überwiegend in irgendwelchen Hotels ab auf Reisen und am Wochenende bin ich auf Reisen, auf einem Schreibseminar nämlich. Die Schnittmenge der gemeinsam im Haus verbrachten Zeit beträgt heute, wenn das Navi richtig rechnet, 30 Minuten. Wie gut, dass es Flatrates gibt. Und Elisabeth, die gemeinsam mit dem Ehemann die Meute durch ein mamaloses Wochenende hütet.

Yeah!

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§ 3 Antworten auf Hypochonder-Mom

  • Oh du Arme. Es gibt nichts schlimmeres als diese Wochen in denen gefühlt immer mindestens 1-2 Familienmitglieder krank sind. Du hast mein vollstes Mitgefühl.

    Wir hatten so eine Phase im Herbst/Winter und es ist soooooo schön, dass jetzt schon eine Weile Ruhe ist. Wobei wir ja noch den Luxus haben, dass der Arzt zumindest teilweise im Haus wohnt. Wenn ich mir vorstelle auch noch jedes Mal zum Kinderarzt zu fahren, oh nein danke. Da waren wir zum Glück schon ein Jahr nicht mehr. Denn für Fieber, Husten, Bindehaut haben wir mittlerweile alles zu Hause und das diagostiziere ich nach reichlicher Erfahrung einfach selbst 😉 Man wird ja als Mama zum Zweitarzt. Nur habe ich auch den Vorteil meine Rezepte beim Gatten bestellen zu können, das fehlt dir ja leider.

    Was ich gelernt habe, meistens braucht es keinen Arzt, sondern nur Ruhe und gute Nerven und die gibts leider nicht in der Apotheke. 😦

  • Friederike sagt:

    o.O! Hoffe, Ihr seid bald alle wieder fit! Dir also viel Freude beim Seminar – und für Teile der Familie vielleicht bis morgen. 🙂

  • b. sagt:

    oh, ihr lieben alle, ich bin ganz gerührt. es geht ihm wieder gut, als ob er nie krank gewesen wäre. kinder sind auch wunderwesen, die ganz schnell wieder genesen. 😉

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