schlafenszeit

30. Mai 2011 § 2 Kommentare

Ich gebe auf. Wir werden nie wieder einen Eheabend haben, nie mehr ungestört den Abend verbringen, wir können nie wieder morgens gemeinsam ausschlafen oder gar die Nacht durchschlafen. Wir werden unser Leben lang mit blauen Ringen unter den Augen zur Arbeit gehen und nach dem Frühstück werden wir auf die Uhr schielen, wann es endlich Zeit ist, ins Bett zu gehen.

Genug gejammert. Ich darf ja ein Mittagsschläfchen halten.

Gestern hat es Sohni erwischt, der fieberrot in meinen Armen lag und offensichtlich schlafen wollte. Dennoch hat es zwei Stunden gedauert, bis ich mich wieder aus unserem Bett entfernen konnte, ohne dass Gejammer aus dem kleinen heißen Körperchen kam. Wir hatten nämlich Besuch und es roch nach Grill und Abendluft und ich wollte dann doch ein wenig davon partizipieren, dass erwachsene Menschen uns besuchen, verheißt Besuch doch Anteil haben an der Welt da draußen. Die Besucher brachten zwei ihrer Kinder mit, von denen eines im Kinderzimmer des kleinen Riesensohnes vorlas. So weit, so gut. Womit wir alle nicht gerechnet hatten, war, dass ich das Babyphone auf den falschen Kanal eingeschaltet hatte und dass die drei Kinder, im Besitz der geklauten Süßigkeitentüte in die oberste Etage entschwanden, um sie in Ruhe zu plündern.

Und dann habe ich drei glückliche Kinder unglücklich gemacht und auch noch den Besuch verscheucht. Die drei glücklichen Kinder kamen nämlich die Treppen hinunter, gerade als ich ins Haus kam, um mir etwas zu Trinken zu besorgen, die Hände voller knisternder Süßigkeitentütchen, die Reste der Karnevalsorgie. Mir schwante nichts gutes und meine Nachforschungen ergaben, dass die drei (wie auch immer) die Tüte gemopst hatten und ein ruhiges Fleckchen gesucht hatten. Und dann hörte ich es schon: Sohni saß brüllend im Bett, das Licht grell angeschaltet und drei süßigkeitentrunkene Kinder teilten mir ohne die Spur eines schlechtens Gewissen mit, dass Sohni „schon wach war“ – auf welchen Zeitpunkt auch immer das sich bezog. Ich fürchte, dann bin ich ein winziges bisschen wütend geworden, habe die Tüte in den Mülleimer verfrachtet, mit dem kleinen Riesensohn geschimpft (ach, Süßigkeiten mopsen finde ich nicht so schlimm, aber kranke Kinder aufwecken), den ansonsten besten Ehemann der Welt angefaucht, er möge seinen Sohn ins Bett verfrachten (er heulte haltlos, einerseits weil ich schimpfte und andererseits weil er hoffnungslos müde war, der Sohn, nicht der Ehemann) und schwupps waren auch die Besucher verschwunden. Nur dem Vater der zwei Fremdkinder konnte ich noch ein Lebewohl zuwerfen. Ade du Welt da draußen. Dann folgte das Übliche: Sohni mit Zäpfchen verarzten, Trinken anbieten, ins Bett legen. Maxe versorgen und ins Bett bringen, was leider auf Widerstand stieß. Genauer gesagt, versuchte ich ihn bis halb zehn vergebens zum Schlafen zu motivieren und beschloss dann, dass es Zeit für den Schichtwechsel sei. Es gibt ja auch noch Väter. Um drei Uhr nachts wachte er wieder auf und schrie wie am Spieß. Der kluge Ehemann delegierte den ebenfalls kleinen Riesensohn an mich, die ich in Sohnis Zimmer nächtigte, immer schön seinen angestrengten Atemzügen lauschend, verfrachtete Maxe ganz nach unten und dann ging die Nacht auch schon weiter, bis um sechs Uhr Sohni befand, dass er wieder gesund sei. Dann kann man ja auch spielen. Ächz. Ohne Elisabeth, die mir diesen Mittagsschlaf schenkt, wäre ich schon längst ein gruseliger Zombie. So bin ich nur ein halber.

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§ 2 Antworten auf schlafenszeit

  • wonderma sagt:

    oh man, ich denk manchmal ich dreh bei einem racker schon durch, aber bei drei? Hut ab! Oder besser auf? Kaschiert vielleicht die dunklen augenringe 🙂

  • b. sagt:

    ich trage immer seeehr dunkle sonnenbrillen… elisabeth hat letztens den begriff gothic auf mich angewendet… hmmmmm.
    ein einziger racker, liebe wonderma, kann einen auch schon zum verzweifeln bringen, ich erinnere mich noch gut an meine ein-sohn-zeiten, wenn der ehemann heimkam und ich ihm ein schreiendes bündel mit den worten „ich geh dann mal schwimmen“ in die hände drückte… nicht umsonst betrachte ich diesen blog als selbsttherapeutisch… liebe grüße, mara 😉

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