Mühüde

1. Juni 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Also, wenn diese Nacht auch kurz wird, dann streike ich morgen. Aber! Die Zwillinge haben heute brav einen Mittagsschlaf gemacht, sogar ganz alleine, jeder in seinem eigenen Bett und ohne Mutter, die im Schein der Handytaschenlampe ihren Krimi weiterliest, und waren beim Aufwachen gut gelaunt, was in den letzten Wochen eher selten der Fall war und mich regelmäßig in den Wahnsinn getrieben mürbe gemacht hat. Man stelle sich vor, wie frau / mutter sich fühlt, wenn die lieben Kleinen um halb zwei mittags schreiend erwachen und damit nicht wieder aufhören, bis frau / mutter den Kinderwagen aus dem Gartentörchen schiebt. Wenn frau / mutter aber vorher erst noch das eine und dann das andere Kind anziehen, selber noch aufs Klo oder sogar noch etwas essen muss, von dem lebensnotwendigen Kaffee mal ganz zu schweigen, dann werden auch die Nachbarn aufmerksam. Mein einziger Trost ist, dass die beiden sich nicht gegenseitig massakrieren können, wenn sie im Hintereinanderkinderwagen angeschnallt sind, ein Umstand, den ich nicht müde werde zu betonen, wenn mich Zwillingsschwangere nach einem geeignten Gefährt fragen. Nebeneinander sitzende Zwillinge mit Maulkorb und Handschellen sehen einfach nicht so niedlich aus. 

Jedenfalls ist es jetzt zehn vor neun pm und ich liege (mal wieder) im Ausweichbett neben Sohnis Gitterbett, während er seine Kuscheltiere aus dem Bett schmeißt allmählich zur Ruhe kommt. Der große Sohn liegt mit seinem Papa in seinem Bett im Kinderzimmer (er spielt, Papa schläft), nur Maxe, unser Schlafbär, hat den Weg alleine ins Schlummerland gefunden. Und kommt mir jetzt nicht mit Büchern wie „Jedes Kind kann schlafen lernen“; haben wir alles ausprobiert, das Schlafprogramm hat wunderbar beim ersten Sohn geklappt (zumindest bis er drei Jahre alt war), aber bei den Zwillingen haben wir aufgegeben. Der Vorteil an diesen abendlichen Dramen ist jedoch, dass auch wir Eltern früh ins Bett gehen und auf diese Weise (zumindest theoretisch und wenn die Nacht ohne Schreiattacken verlaufen ist) um sechs Uhr morgens knackfit sind, wenn das erste Hähnchen kräht. Die Sache mit der Vasektomie hätten wir uns vielleicht sogar sparen können. Bis wir mal wieder beisammenkommen, sind die Kinder schon groß und ich weit jenseits der Wechseljahre. Glücklicherweise gibt es ja Handys, Telefongeflüster ist immerhin besser als gar keines.

Für das Schreien-nach-dem-Mittagsschlaf-Problem habe ich übrigens eine Lösung gefunden. Die Ohropax bleiben in den Ohren, bis auch ich ausgehfertig bin, den lebensnotwendigen Kaffee fülle ich in den Thermobecher um, die Picknicktasche ist fertig gepackt, und dann geht es los auf den eingezäunten (!) Kindergartenspielplatz, wo ich dann in aller Seelenruhe auf der Bank sitzen und sehen kann, wie meine Toddler, eben noch schreiende Ungeheuer, friedlich im Sandkasten mit hundert anderen Kindern spielen. Und wenn mir mal wieder jemand versichert, was ich doch für niedliche und vor allem friedliche Kinder habe, dann werfe ich nur einen James-Bond-Blick über meinen Sonnenbrillenrand. Die Wahrheit würde mir ja doch keiner glauben.

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