Zwillingsmutter

18. Juli 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Ich bin gerne Zwillingsmutter. Das habe ich jetzt gerade am Wochenende festgestellt, als ich alleine mit den beiden war. Klar, das erste Jahr war entsetzlich anstrengend, aber nun, besonders jetzt, wo der Kindergarten näher rückt, wird es immer schöner. Darum tun mir solche Suchanfragen wie „Spätabtreigung Zwillinge“ oder „Zwillinge nur ein Kind abtreiben“ fast körperlich weh. Ihr lieben Zwillingsschwangeren, bitte lasst eure Zwillinge weiterleben. Eine Spätabtreibung ist physisch und psychisch eine große Belastung und nur ein Kind abzutreiben, vielleicht weil es behindert ist, will ich moralisch nicht verurteilen, doch darauf hinweisen, dass auch ein Kind, das behindert ist, durchaus liebenswert ist. In unserem Kindergarten gibt es auch eine integrierte Gruppe und die Eltern der Zwerge lieben ihre Zwerge. Und auch euch wird es so gehen, wenn ihr euren Zwergen eine Chance gebt. Wenn ihr praktische und finanzielle Unterstützung benötigt oder auch nur ein offenes Ohr braucht, ermutige ich euch, mir eine Mail zu schreiben. Eine zeitlang habe ich ehrenamtlich in einem Netzwerk mitgearbeitet, das Schwanger in Konfliktsituationen unterstützt und auch wenn ich dort zur Zeit nicht aktiv bin, habe ich doch einige Kontakte und kann zum Beispiel Patenschaften organisieren.

Und nun schwenke ich wieder auf mein Privatleben:

Am Wochenende war ich alleine mit Zwillingen, und es verlief erstaunlich gut. Sie waren freundlich, schmusig gut gelaunt, und wenn der Schlechte-Laune-Bär kam, sind wir spazieren gegangen. Außerdem sind sowohl Maxe wie auch Sohni sehr hilfsbereite Charaktere und insgeheim nenne ich sie manchmal meine zwei kleinen Butler.

Da Maxe es so gar nicht leiden kann, wenn ich die Duschkabinentür schließe, während ich dort drinnen bin, habe ich zwei kleine Beobachter vor dem Türspalt stehen, die mir hilfsbereit Handtücher, Unterwäsche und Kleidungsstücke anreichen. Maxe wollte auch Rasierschaum haben und hat dann – zu meinem Erstaunen – meine Beine eingeschäumt. Ich resigniere. Beim Klogang reicht Sohni mir freundlich die Rolle mit dem Klopapier, beim Wäscheaufhängen geben sie mir Klammern und Wäschestücke und wenn der Geschirrspüler offen steht, wird eingeräumt, was ihnen in die Finger kommt, auch wenn man dafür die Besteckschublade plündern muss. Wenn wir an einer Ampel halten, wollen beide aufs Knöpfchen drücken, was ein bisschen schwierig ist, weil beide natürlich angegurtet sind. Also hebe ich brav zuerst das Vorderende und hernach das Hinterende des Kinderwagens ein wenig an, dann geht das auch… Auch Fahrstuhlknöpfe sind ziemlich interessant. Als Sohni am Sonntag im Wagen eingeschlafen war, durfte Maxe frei herumlaufen und hat seinem großen Bruder nachgeeifert: Fahrstuhlknopf drücken, in die Kabine gehen, Knopf drücken (zum Glück hat er nicht den Notfallknopf erwischt) und sich dann an Mama und Kinderwagen vorbeiwursteln, um zur Tür zu kommen. Kleine Männer wollen nämlich immer die ERSTEN sein, die aussteigen. An der Busstation angekommen lief Maxe zu den Fahrplänen, gucken wann der Bus kommt 😉 .

Bei jedem Tier, das wir treffen, rufen beide immer noch „wauwau“. Das geht dann so:

„Dadada!“

„Ja, das ist eine Ente. En-te. Die macht `quakquak´.“

„`Wauwau´!“

„`Quakquak´“

„`Wauwau´!“

Ach. was soll`s. Sohni spricht auch immer noch keine zehn Wörter, obwohl am Donnerstag die U7 ansteht…

Charakterlich sind beide recht verschieden. Obwohl Sohni ein todesmutiger Kletterer und Rutschenbenutzer ist, scheut er vor allem Getier zurück. Sei es die Katze am anderen Ende des Spielplatzes oder der Vogel auf dem Gartenzaun – Sohin flüchtet in unsere Arme. Gestern flüchtete er vor einem Spatzen ins Spielehäuschen und ich musste ihn heldenhaft retten. Maxe hat eigentlich keine Angst vor Hunden und Katzen und Vögeln läuft er eher hinterher, aber er hat große Angst, dass sich eine Fliege auf seinen Kopf setzen könnte und wedelt panisch mit den Ärmchen, wenn sich ihm eine nähert.

Beide sind groß für ihr Alter, das stelle ich immer dann fest, wenn sie neben einem Dreijährigen stehen, der ein wenig kleiner ist als sie und ununterbrochen und grammatisch korrekt redet.

Was die Körperbennenung angeht, machen sie, wenngleich bescheidene, Fortschritte.

„Wo ist dein Ohr?“ frage ich Sohni, und er zeigt auf die Nase.

„Nee, das Ohr?“ Er korrigiert sich und tippt auf das Ohr.

„Super!“ jubeln Elisabeth und ich.

„Und nun die Nase!“ Und er zeigt auf sein Ohr. Naja.

Gestern habe ich enthusiastisch mit beiden die Hofbar erstürmt, einen kleinen Hinterhof mit weißem Kies, Holztischen und einer kleinen Sandkiste. Mutig von den Betreibern, finde ich, eine SANDkiste in eine KIESlandschaft zu integrieren. Leider befindet sich direkt neben der Kieslandschaft ein kleiner Privattrödel mit allerlei Porzellankrams, den die Zwillinge natürlich bald entdeckt haben. Von Natur aus vorsichtig haben sie dann sozusagen mit Samthandschuhen rosafarbene Porzellanschwäne (4 Euro), Teller mit Goldrand (1 Euro) und farbige Kätzchen (3 Euro) angeschleppt, bis ich sie im Kinderwagen festgebunden und mit Bionade abgelenkt habe. Testurteil Hofbar: Ungeeignet. Jedenfalls für unsere jetzige Familiensituation. Am Freitag hat der beste Ehemann der Welt frei und dann… hoffe ich, dass die Sonne scheint. Es gibt nämlich auch Hängesessel dort und da will ich ja gerne mal rein, ohne dass Maxe und Sohni mitschaukeln wollen.

Jetzt schlafen die Lieben und ich werde mal den Kampf aufnehmen. Mit dem Haushaltsmonster. Meine Waffen: Besen, Wischlappen und zwei flinke Hände. Ich krieg dich schon klein. Uaaah.

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