Von Muselmangas und langen Mittagsschläfchen

31. Juli 2011 § 3 Kommentare

Ich durfte heute ausschlafen. Offiziell. Als Maxe, der nachts in Papas Arme umgezogen war, mich entdeckte, krabbelte er zu mir rüber und machte süße Töne. Es hört sich wie ein sanftes Flöten an. Oder eine weiche Melodie. Doch auch wenn das schön ist, kann ich dann nicht schlafen. Ohropax hin oder her.

„Ehemann“, rief ich dem ansonsten besten Ehemann der Welt zu, „habe ich heute nicht ausschlafen gewonnen?“

„Schlaf doch“, murmelte er.

„Kann ich nicht, wenn Maxe in mein Ohr singt!“

„Mmpf.“

„Steh auf!“

„Mmpf.“

Die Männer trollen sich.

Eine Stunde später streichelt mich eine kleine Kinderhand im Gesicht. Kuscheln mit Melek. Ist ok. Immerhin hat er sich einen Mamatag gewünscht, nachdem er gestern lange herumlamentiert hat: „Mit den Zwillingen ist das so anstrengend. Immer muss ich warten! Immer hast du mehr Zeit für die und für mich nur so kurz!“

Der Morgen ging weiter mit dem Angel- und Einkaufsspiel, das aber mit der Begründung abgebrochen wurde, ich wäre gemein.

„???“

„Du hast meine Figur geklaut!“

„Schatz, du hast eine Figur und ich habe eine Figur. Ich dachte, dass da wäre meine, du hast doch eben mit der anderen Figur gezogen.“

Lamento, Teil II: Er sei mein Freund nicht mehr, nie mehr spielt er mit mir, nur noch mit Papa, und überhaupt geht er jetzt in sein Zimmer und spielt ganz alleine!

Ich glaube, er war gestern ein bisschen spät im Bett.

Um halb zwölf schaute ich beim besten Ehemann der Welt vorbei, der am Eipäd tippte auf die Zwillinge aufpasste und erwähnte beiläufig, dass die Zwerge Mittagessen um halb Zwölf bekommen.

„Echt? Ich wollte gerade auf den Spielplatz!“

„Mmpf.“

Am frühen Nachmittag halfen der kleine Riesensohn und ich einem Bekannten beim Umzug, wobei ich mir nicht sicher bin, ob wir wirklich eine Hilfe waren. Immerhin habe ich den Spielzeugkran aufgebaut und das Schuhregal. Und jede Menge kleine Bretter in den zweiten Stock transportiert.

Den Nachmittag verbrachten der kleine Riesensohn und ich im Park mit einem befreundeten Papa nebst Töchterlein.

Zwei Tatsachen muss man nun wissen, wenn man folgende Situation verstehen will:

Zum einen:

Unser Stadtteil ist mulitkulti und hier wohnen so einige, dicht verschleierte Muslima (ist das der richtige Plural?). Einmal sind wir da schon in eine peinliche unangenehme Situation geraten, als der kleine Riesensohn auf eine von Kopf bis Fuß verschleierte Frau deutete, die sich auf eine Krücke stützte und offensichtlich schon älter war: „Mama?“ fragte der Knirps, „Wo wohnt die Hexe?“

Zum zweiten: Unser Stadteil feiert auch gerne Feste und irgendwelche Conventions. An diesem Wochenende sind die Manga-Leute dran. Schwarze Engel, grüne Hasen, spärlich bekleidete Kämpfer und rosahaarige sehr bunte Damen flanieren durch Park und Stadt. Neben den dicht verschleierten Damen natürlich, die ebenfalls grüppchenweise durch den Park ziehen.

Dem befreundeten Papa schien die Sache mit den Kopf- und Körpertüchern noch gar nicht aufgefallen zu sein. Das können ja nur Manga-Leute sein: „Guck mal, Töchterchen, hast du gesehen, dass die Leute da verkleidet sind?“

„Äh“, wagte ich einzuwerfen, „DAS da sind Muslima!“ (oder wie heißt der Plural?)

Nunja. Wir machten uns alsbald auf den Weg zum Bahnhof, um mit Vater und Tochter noch beim Bäcker einzukehren, und treffen dort Elisabeth. Mit Sohni im Schlepp. Elisabeth arbeitet heute und der beste Ehemann der Welt darf in die Sauna.

„Hallo!“ freue ich mich und dann: „Wo ist Maxe?“

„Das ist SOHNI!“

„Ja, aber wo ist MAXE?“

„Bei dir!“

„Nein.“

Elisabeth lacht nur so lange über meinen kleinen Scherz, bis ihr bewusst ist, dass ich keinen Scherz mache.

Es ist viertel vor sechs abends und der beste Ehemann der Welt hat Maxe ganz bestimmt nicht mit in die Sauna genommen.

Noch nie hat man eine Mutter so schnell den Berg hinaufflitzen gesehen wie heute.

Gott sei Dank weinte er nur ein bisschen, als ich völlig außer Atem bei ihm ankam. Ich tastete sein Bett ab, aber es war nicht besonders nass. Jedenfalls nicht so nass, wie es wäre, wenn er lange und heftig geweint hätte. Ich fühlte nach seinem Herzschlag: Ruhig. Ich nahm ihn auf den Arm und alles war in Ordnung. Keine Spur eines Traumas.

Und hier unsere Rekonstruktion der Ereignisse: Der ansonsten beste Ehemann der Welt macht eine ungenaue Übergabe. Elisabeth denkt, ich bin mit zwei Söhnen unterwegs.

Maxe muss ewig geschlafen haben, denn sie ist erst um kurz nach fünf mit Sohni aufgebrochen. Maxe ist auch nicht aufgewacht, als sie Sohni gebadet und er entsprechend protestiert hat. Es kann schon sein, dass Maxe so lange geschlafen hat, wir haben ihn auch schonmal erst um halb fünf aus seinem Mittagsschläfchen erweckt. Er hat nicht gebrüllt, als Elisabeth und Sohni aufbrachen. Wenn Maxe brüllt, dann hört man das.

So ist also weniger passiert, als hätte passieren können… Aber, uff. Bitte nicht noch einmal.

Und nach einem finsteren kleiner Riesensohn Krach tippe ich also hier um halb zehn abends, während Maxe friedlich den Betonmischer füllt. Hellwach natürlich.

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§ 3 Antworten auf Von Muselmangas und langen Mittagsschläfchen

  • MiA sagt:

    Das Aufwachen kommt mir so bekannt vor.. ich fühle mit dir! Darüber sollte ich auch mal bloggen 😉

  • podruga sagt:

    Au weia. bei dreien kann schon mal einer übersehen werden. was für ein schreck! der gatte hat aber noch potenzial im entlasten der mutter? (ich wäre explodiert, mehrmals…;-) )

  • Mara Solanum sagt:

    @ MiA: Eigentlich macht er das manchmal, dass er mich ausschlafen lässt, aber da war er wohl voll ko.

    @ Podruga: Ich BIN explodiert. Aber die Erleichterung überwog, dass dem Maxe nichts passiert war. Er war den übrigen Abend völlig normal. Puh, das hätte schief gehen können.

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