Doppelt macht mutig,

7. September 2011 § 2 Kommentare

und das ist sicher ein Grund, weshalb die Eingewöhnung bei den Zwillingen so gut klappt. Heute morgen hatte ich einen Arzttermin und wurde daher im Kindergarten von Elisabeth abgelöst („Sohni, Schatz, Mama geht zum Arzt, draußen im Flur sitzt Elisabeth und ich bin bald wieder da!“), was Sohni mit einem freundlichen Winken und einem Ich-fühl-mich-hier-wie-ein-kleiner-König-Gesichtchen quittierte. Ich bin nicht sicher, ob Maxe meine Verabschiedungsfloskeln überhaupt in ihrer ganzen Bandbreite mitbekommen hat, so beschäftigt war er. Jedenfalls finden beide den Kindergarten toll. Wo sonst gibt es en masse Bobbycars und Dreiräder, eine Puppenküche in voller Ausrüstung und zwei nette Damen, die für das Wohlbefinden der kleinen Prinzen zuständig sind. Der mutterfreundliche Nebeneffekt: Sie müssen viel verarbeiten und schlafen daher willig ein. Als beide mittags schliefen, fiel ich auch direkt um aufs Sofa und verschlief sogar die zweite Stunde, die eigentlich für Blog und Haushalt vorgesehen ist. Naja. Man muss ja nicht jede Woche was im Haushalt machen.

Zur Zeit sind die Gnome nur wenig eifersüchtig (obwohl die Anzahl von Mutters Knien leider immer noch beschränkt ist), und überhaupt habe ich den Eindruck, dass die beiden in den zwei Urlaubswochen noch einmal so richtig Freundschaft geschlossen haben. Um unser Ferienhaus herum verläuft, wie das so üblich ist, kein Zaun, sondern wachsen nur pieksige Hecken, und unser Trick, sie am Fortlaufen zu verhindern, besteht darin, sie barfuß laufen zu lassen. Das funktioniert leider nur bei warmem Wetter und als nach ca. zehn Tagen Barfußlaufenlassen nicht mehr ohne schlechtes Gewissen möglich war, haben die beiden sich gegenseitig darin bestärkt, dass es Zeit für eine Radiuserweiterung wäre. Ich habe das beobachtet:

Maxe: rennt einige Schritte vor und schaut sich dann nach seinem Bruder um.

Sohni: grinst schelmisch und tapst ein paar Schritte auf Maxe zu.

Stehenbleiben. Gucken. Wieder ein paar Schritte. Glucksen. Gackern. Wenn ich es nicht besser wüßte, würde ich sagen, sie trinken sich gerade Mut an.

Dann: Maxe ein paar Schritte weiter. Dann Sohni. Jeweils umgucken: „Komm mit!“ scheinen sie zu sagen. Und weiter geht´s die Straße runter, bis Mama, das Monster, mit weit ausgebreiteten Armen hinter ihnen herrennt und ihnen schwere Strafen androht: „Und wenn ich euch habe… ROOOAAAAR! Dann fresse ich euch!“ Glucksen und begeistertes Angstquietschen gefolgt von einem sinnlosen halbherzigen Fluchtversuch.

In den ersten vier Urlaubstagen hat auch Melek Unterstützung gehabt, und zwar vom besten Kumpelchen, dessen Vater mit ihm sowieso gerade im Norde weilte und noch ein paar Tage bei uns eingeschoben hat. Fortan haben wir beide nicht mehr gesehen, sondern nur noch gehört. Indirekt. Die empörten Schreie der Zwillinge, die von den großen Vierjährigen aus dem Kinderspielegartenhäuschen vertrieben worden sind. Und weil doppelt mutig macht (eigentlich ist Melek ein vorsichtiger Charakter), haben sie dann am dritten Tag die glorreiche Idee entwickelt, sich im Badezimmer einzusperren. Ich sage ja nur: Panic Room. Männer und Frauen reagieren ja verschieden und so versuche ich, die beiden großen Zwerge mit einfühlsamer Stimme zu beruhigen, während der Robin-Papa sowas wie „Solln sie doch schreien, dann ist es ihnen wenigstens eine Lehre“ grummelt.

Drinnen hören wir Robin in den höchsten Tönen kreischen und Melek kreischt panisch mit. In einer Kreischpause erkläre ich Melek den Plan: „Versuch einfach mal den Schlüssel zu drehen!“ Doch die Panik ist wohl zu schlimm und Melek dreht zwar, aber irgendwie… „Maamaaaa!“

okee, Plan B.

„Ihr Lieben“, spreche ich ins Schlüsselloch, „seht ihr das Fenster? Dort krabbelt der Robinpapa gleich rein und macht dann von innen auf. Ok?“

Schweigen wechselt sich mit Panik ab.

Das Fenster ist nur leider ein Dachfenster und die Ziegel fallen uns entgegen, als ich dem Robinpapa eine Räuberleiter mache.

Panik von drinnen.

Plan C: Wir bauen in aller Eile eine Angel aus einer Paketschnur, einer Wäscheklammer und einem Besenstiel als Halterung.

„Kinder“, sagt der Krisenmanager zu der Klotür, „wir spielen jetzt ein lustiges Angelspiel. Da kommt gleich eine Schnur durch das Dachfenster… “

Damit hat´s geklappt. Unterhalten haben sich die beiden dann noch den ganzen Tag über ihr Abenteuer, das nennt man dann wohl kollektives Verarbeiten. Und ui, war ich froh, dass das Fenster offen war…

 

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§ 2 Antworten auf Doppelt macht mutig,

  • Marc sagt:

    Donnerwetter, da hatten die Kleinen ja ein aufgendes und unerwartetes Abenteuer; kein Wunder, dass das noch ausgiebig besprochen werden musste. Wo ich das so lese, bin ich wiedermal froh, dass unsere Badtür notfalls auch von aussen aufgeht – in einem Haushalt mit Kindern ein richtig sinnvolles Feature.

  • Mara Solanum sagt:

    Bei uns zuhause haben wir auch so einen Verschluss, sehr praktisch! Den Schlüssel von der Ferienhausklotür haben wir dann im Regal deponiert… Das Verarbeiten war sehr süß: „Hattest du die Idee?“ „Nein, du?“ „Mmh, war jedenfalls nicht gut.“ „Nein, nicht gut.“ „Das machen wir lieber nicht noch einmal.“ „Nee, nie wieder.“ 😉

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