Die glücklichen, immer entspannten und gelassenen Mütter

13. September 2011 § 4 Kommentare

Angeregt durch einen Artikel von MiA widme ich mich nun einem Phantom, der rundum glücklichen, ungestressten und immer gelassenen Mutter nämlich.

Wie viele davon kenne ich?

Eine.

Und die arbeitet als Tagesmutter.

Hat täglich ca. sechs Kleinkinder im Hause und wirkt immer gelassen, unbesorgt, freundlich. Wunderbar. Da wäre ich auch gerne Kind. Nebenbei ist sie auch noch einfach sympathisch, authentisch und hat immer die Ruhe weg.

Es gibt eine Menge Leute, die das auch von mir behaupten, die schockiere ich dann angelegentlich damit, dass ich ihnen erzähle, wie ich meine Kinder ebenfalls angelegentlich anschreie, Türen schlage, die Nerven verliere oder insbesondere Maxe in den Kinderwagen in den Hof schiebe, wenn er seine nölige Phase hat. Ich kann das nämlich nicht lange ertragen. Außerdem bin ich nicht gerne mit drei Kindern im Haus. Ich weiß nicht, warum, aber dann liegt sofort Spannung in der Luft. Oder die Zankereien erscheinen mir, als hochsensibler, geräuschempfindlicher Mutter lauter als wenn wir alle draußen sind. Oder es macht die frische Luft, die vertreibt nämlich schlechte Laune und Langeweile. Kurzum wir sind täglich im Park, im Wald, beim Eisladen, suchen Kastanien, sammeln Haselnüsse, schlecken Eis, checken die Spielplätze oder suchen jemanden heim besuchen jemanden. Bei fremden Menschen sind sie nämlich leiser. Wenigstens in der ersten halben Stunde. (Hallo, Sven! Den Trick haben wir auch schon herausgefunden. Das klappt aber nicht mit zwei Zweijährigen. Noch nicht.)

Ab und an bringe ich meine Kinder auch damit zum Weinen, dass ich ungeheuer laut schreie. Inzwischen habe ich gelernt, bescheid zu sagen, bevor ich explodiere: „Okee, noch weiterhin so ein Nervi-Geräusch* und ich schreie. Und das will doch keiner, oder?“ Meleks große blaue Augen sehen mich hypnotisiert an, bevor er sehr langsam den Kopf schüttelt.

Und wenn Melek Sätze wie „Siehst du denn nicht, ich bin gerade beschäftigt“ oder „Ich habe dir doch schon huuuun.dert.Mal gesagt, dass…“ oder „Ich will nichts mehr hören!“ sagt, dann schäme ich mich sogar ein bisschen.

Dann gibt es noch glückliche, nie gestresste, rundum entspannte Mütter, von denen ich denke, dass sie immer glücklich, nie gestresst und rundum entspannt sind. Ganz sicher bin ich mir da nämlich nicht.

Davon kenne ich zwei.

Eine ist gerade ausgeschieden. Interessant: Immer wenn ich auspacke, dann erfahre ich, dass es dem Gegenüber genauso geht. Ich nenne das Seelenkontakt. Mit der anderen Mutter habe ich noch nicht länger gesprochen, aber sie lächelt immer. Sozusagen ein Dauerlächeln. Das nehme ich ihr nicht ab. Nicht mit drei Kleinkindern. Oder die nimmt Tavor.

Heute war es extrem mit den zwar insgesamt glücklichen, aber gestressten und nicht immer entspannten Müttern.

Es fing an mit der Mutter im Personalraum, die eine Debatte über Frau Schr.der anfängt, die Beruf und Familie unter einen Hut bringen will bringt. Na, wenn die Kohle stimmt, kann man ja eine gute Kinderfrau anstellen. Wir sind uns aber einig, dass Mütter zu wenig für sich tun. Der einzige erlaubte Grund, das Kind zur Betreuung abzugeben, scheint die Arbeit zu sein, wenn schon nicht das Büro, so zumindest Hausputz und dergleichen. Aber das Kind abgeben und sich dann eine Stunde in die Badewanne legen?** Ich werde jedenfalls immer mutiger und geben solche Dinge unumwunden zu, und schon stößt man zu dem gestressten Kern der Glück verspühenden, immer entspannten und gelassenen Mütter vor: „Ohjaaaa, genau! DAS will ich auch mal wieder!“ Oder: „Ruhe und Entspannung. Erst ab zwanzig Uhr. Wenn es gut läuft.“ Oder: „Auf keinen Fall ein zweites Kind! Ich bin so froh, dass ich meine Freiheit wiederhabe!“

Und da bin ich dann froh, dass ich ein paar Blogs kenne, die da kein Blatt vor den Mund nehmen und mich sozuagen emotional unterstützen. Die schreiben, wie es ist. Nämlich rau und manchmal gar nicht schön. Die von der Zerrissenheit zwischen Job und Familie berichten. Und wenn ich mich so umschaue: Das erste Jahr mit Zwillingen war nicht schön, sondern stressig. Aber jetzt wird es besser. Und verflixt, die wissen, wie sie mich rumkriegen. Glückseliges Lächeln in meinem Arm. Ein nasser Kuss auf die Wange. Ein „Du allerliebste Sonnenmama“ ohne Erpressung am Ende. Kleine Arme, die sich um meinen Hals klammern. Ein Kind, das vorbeistromert, um sich einen Anti-Au-Kuss abzuholen (wirkt sofort). Hm. Bin ich jetzt doch glücklich? Glück ist halt kein Dauerzustand. Glück versteckt sich im Dickicht des Alltags wie ein Käferchen in der Wiese. Manchmal muss man schon genau hingucken. Aber dann ist es toll.

 

*zehnmal hintereinander „BruderJakob“ grölen singen, zwanzigmal die Tür zumachen, laut oder quietschend, hundertmal „Mamamamamama!“ sagen (laut!). Anhaltendes Quiiiieeeeeecken. Oder Quiiiiiieeeeetschen. Mit den Füßen gegen den Stuhl/Tisch/Schrank hämmern. Gaaaaaanz laut Kreiiiiiiiischen. Usw.

** Es scheint, dass der gesellschaftliche Druck doch ziemlich hoch ist. Ich stelle mir jetzt nur mal vor, wie man Frau Schr.der ohne Baby sagen wir mal beim Tennis erwischen würde. Ein Aufschrei ginge durch die Heuchler-Bunte Presse!

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§ 4 Antworten auf Die glücklichen, immer entspannten und gelassenen Mütter

  • MiA sagt:

    Hach, ich bin immer wieder froh, dass ich deinen Blog kenne =)

  • Mir sind dies rundum entspannten Mütter ja oft sehr suspekt. Sind die menschlich? Und vor allen Dingen sind die ehrlich oder ist es eine Fassade hinter die man gar nicht schauen möchte?

    Danke auf jeden Fall für deine offenen Worte.

  • Darf ich auch in den Club der nicht entspannten Mütter 🙂
    Ich lese aus genau diesem Grund auch so gerne in anderen Mütter Blogs.

  • Mara Solanum sagt:

    @MiA: Danke, ich guck auch gern bei dir vorbei, auch wenn das mit dem Kommentieren ja immer noch nicht klappt 😦 , demnächst kommt eine Email. Hoffe ich 😉 .

    @Mama Schlaflos: Einen süßen Blog habt ihr da. Wie kamt ihr auf dieses spezielle Thema? Da gibt es bestimmt viele Nachfragen, oder? Für mich ist dieser Blog auch eine Art Freischreiben, weil ich ja auch erst zu den glücklichen Müttern zählte. Ich hatte so lange auf ein Baby gewartet, dass ich es dann schwer fand, sozusagen am Ziel meiner Wünsche zuzugeben, dass ich das auch ganz schön schwierig finde. Aber als ich es dann gelernt hatte, ging es mir besser 🙂 .

    @Aupairfamilienrw: Klar! 😉

    Ich danke euch allen für´s Lesen! Liebe Grüße

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