Mein Wochenende

2. Oktober 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Das Kortison ist alle. Der Hustensaft noch nicht, aber das ist auch eine große Flasche. Maxe hustet nicht mehr, nur noch Sohni und Melek, aber es klingt nicht mehr wie Darth Vader. Irgendwas tat wohl aber trotzdem weh, denn in der Nacht zum Samstag wollte Maxe in mein Bett. Dort lag aber schon Melek, den ich aus Platz- und Sicherheitsgründen auf die andere Seite, die Randseite nämlich, schieben wollte, damit ich in der Mitte liegen kann und Maxe möglichst weit weg vom Rand. Es reicht meinen Kindern übrigens nicht, wenn sie unser Bett entern, nein, sie wollen dann auch Körperkontakt. Außerdem wollen sie eine den ganzen Tag über fitte, aufmerksame Mutter, die nur für sie da ist. Das geht aber nicht, wenn die nachts eingekeilte Mutter sich nicht mehr drehen und wenden kann und ständig aufwacht, weil ein Kind: „Ich will einen Arm!“ murmelt und dies hundertmal wiederholt.

Nachts kann ich nicht so gut diskutieren, also gebe ich auf, als Melek wiederholt seinen Platz einfordert: er will wieder in die Mitte des Bettes. Ich lege mich also auf meine Matratze und Maxe auf die andere Seite, die Randseite nämlich. Später stürzt er ab. Das ist ungünstig, weil unser Bett eine Sonderanfertigung ist. Es ist nicht nur besonders groß, weil der beste Ehemann von allen die Zweimetermarke überschreitet, sondern auch höher gebaut, damit man bequemer einsteigen kann. Maxe fällt also gut einen Meter und es gibt einen gewaltigen Wumms auf dem Holzfußboden. Melek ist vor ungefähr eineinhalb Jahren auch mal heruntergefallen, hat aber dort unten seelig weiter geschlummert. Maxe aber schreit, ich hole ihn wieder hoch und lege ihn sicherheitshalber ebenfalls in die Mitte des Bettes (unter Meleks Füße sozusagen), wo er sofort weiterschläft. Außerdem nutze ich die nächtliche Unterbrechung für einen Besuch des stillen Örtchens. Als ich wiederkomme, liegt der kleine Riesensohn auf meiner Matratze und hält Arme und Beine von sich gestreckt wie eine Spinne im Netz. Ich ziehe auf die Matratze des besten Ehemannes der Welt um, bis Maxe mir auf die Schliche und dann auch gleich noch angerobbt kommt. Er liegt nun auf meinem Kissen und atmet tief und fest. Ich suche mir ein neues Kissen und ziehe ans Fußende des Bettes um. Da unsere Matratzen Übergröße haben, kann ich bequem quer liegen und werde erst in der Morgendämmerung wieder verfolgt vermisst. Leider funktioniert die Uhrzeitumgewöhnung von Maxe noch nicht (kürzerer Mittagsschlaf und dafür – bitte! – bis sieben Uhr schlafen), so dass ich in den Genuss eines friedlichen sehr frühen Herbstmorgens komme. Ich stelle fest: Um sechs Uhr morgens fühlt es sich schon sehr nach Herbst an, auch wenn gegen Mittag der Sommer zuschlägt. Ich kann mich nicht erinnern, je im Herbst so oft meine Blumen gegossen zu haben. Eine verwirrte Ringelblume blüht und immer noch öffnen täglich die Zaunwinden eine neue Blüte.

Gegen elf kommt die goldene Fee der Babysitter (Elisabeth) und ich zwitschere mit dem kleinen Riesensohn ab. Einkaufen und dann ins Kindertheater. Wir sind zwei von den wenigen, die trotz tropischer Temperaturen ins Kindertheater wollen. Die ersten drei Reihen sind besetzt. Die Musik, die in den Pausen läuft, ist reine Elternquälerei. Zum Glück habe ich Ohropax dabei. Während des ersten Aktes muss ich aufpassen, dass ich nicht einschlafe. Damit bin ich erfolgreicher als der Vater vor mir, dessen Augen (ich habe mich extra vorgebeugt, um sicherzugehen) zufallen. Sein Kopf zuckt verdächtigt nach vorne, aber er kann vor der Tiefschlafphase noch abbremsen. Zum Glück nimmt das Theaterstück im zweiten Akt an Fahrt auf. Ansonsten weckt einen auch die Hintergrundmusik auf, die der Theatermann in den Pausen laufen lässt (Prädikat: Gruselig). Am Abend liege ich um acht Uhr im Bett und bringe immerhin noch so viel Kraft auf, mich den Kuschelattacken meines ersten Sohnes erfolgreich zu erwehren. Auch Mütter brauchen Phasen ohne Hautkontakt.

Am Sonntag hat sich Maxes Schlafrhythmus umgestellt. Zumindest schläft er bis sieben Uhr zwölf. Dann sind alle gleichzeitig wach und ich mache mir erstmal einen Kaffee. Den hat Elisabeth aus Kolumbien angeschleppt und er ist so stark, dass ich für eine Tasse nur eine Teelöffelspitze brauche. Außerdem rühre ich noch zwei Löffel Getreidekaffee in die Brühe, um das starke Aroma abzumildern. Mit einem Schuss Vanillesojamilch wird der Kaffee dann einigermaßen trinkbar. Wir haben jetzt zwei Kilo davon. Ich habe Elisabeth gefragt, ob wir uns ernsthaft erst durch den kolumbianischen Kaffee trinken müssen, bevor wieder leckerer ins Haus kommt. Sie hat gesagt: „Wir??? Ich mag den nicht! Ich trinke solange Tee!“ Ich wollte sowieso weniger Kaffee trinken.

Um zehn Uhr sind alle Kinder bemützt und wir schieben uns zum Bus, um das Straßenfest zu besuchen. Um halb elf sind wir da. Leider sind wir die einzigen. Ich rufe den Freund an, der ein Zelt dort hat. Ich: „Wo bist du?“

Er: „Wo bist du?“

„Am Straßenfest, aber hier ist noch nichts los!“

„Kein Wunder, das fängt ja auch erst um elf an.“

„?%$§x*>??“

„Vielleicht hätte ich das hinzufügen sollen.“

Um elf treffen wir den Freund und sehen ihm dabei zu, wie er das Zelt publikumsfein macht. Um elf Uhr dreißig nehmen wir die S-Bahn zurück, weil die Zwillinge noch Mittagsschläfchen machen und ich das auf keinen Fall verpassen will.

Melek lässt mich auch schlafen, weil ich ihn mit einer Sendung mit dem kleinen Elefanten besteche versorge. Der allerbeste Ehemann der Welt ruft an, um zu sagen, dass er schon in einer halben Stunde zu Hause sein wird. Juchu! Und dann sind wir wieder vollständig, gehen auf den Spielplatz, geben Aua-Küsse, drehen Videos von den lieben Kleinen, die gerade wilde, gefährliche Leoparden sind, pulen Sand von Kinderzungen und genießen einen Nachmittag in Frieden und Besinnlichkeit. Und morgen darf ich ausschlafen.

Zumindest habe ich gefragt.

„Und was ist mein Benefit bei der Aktion?“ fragt der ansonsten beste Ehemann der Welt.

„Du machst wieder gut, was du mir letzte Woche angetan hast.“

Ich darf.

Auch Eltern sind nur Menschen.

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