Kindergeburtstag mit Apps

8. Oktober 2011 § 3 Kommentare

Heute war also die Nachfeier des kleinen Riesensohnes.

Ich als Öko-Mom peile ja so etwas an wie Picknick im Wald, Verstecken hinter Farnwänden und Tippis aus Ästen bauen. Ich war wohl einmal zu oft im Wald mit dem kleinen Riesensohn, denn Wald lehnte er rundherum ab. Dann fiel das Stichwort Pony und darum sollte es ein Pony-Geburtstag sein. Ich telefonierte herum und fand einen Ponyhof, der uns für 15 Euro (!) für eine halbe Stunde ein Pony leihen wollte. Mit jemandem, der das Tier auch festhält, während fünf Fünfjährige auf dem Pony sitzen. Nacheinander natürlich. Nicht hintereinander.

Am Tag vor dem Nachfeiersamstag gibt der beste Ehemann von allen zu bedenken, dass das Weather-App Nässe und Kälte meldet und schlägt als Alternativprogramm den Indoorspielplatz vor. Der Sohn ist Feuer und Flamme. Die Mutter fügt sich und telefoniert mit den Managerinnen seiner Freunde, um die Planänderung bekannt zu geben.

Wir treffen uns vor der S-Bahn-Station und nehmen vier Kinder in Empfang.

Zwei Erwachsene in schwarz (Zufall! Ehrlich! Wir sahen aus wie Grufties!) und fünf sehr bunte Kinder steigen in die Bahn und während die Mutter ein Gespräch mit den Kindern beginnt, punktet der Ehemann mit der Seifenblasen- und Feuerwerk-App. Und mit der App, mit der man Fotos verzerren kann. Das Eifon sieht fortan kein Taschenschwarz mehr, denn es dient während unseres maximal zehnminütigen Spazierganges von der S-Bahn-Station zu den Hüpfburgen und Kletterbergen als Navigationsgerät, obwohl die beste Ehefrau der Welt ihrem Gatten ein „Schatz, steck es ein, ich kenn den Weg doch!“ zuruft. Die Aufgabenteilung wie folgt: Ehefrau schlichtet den Streit zwischen zwei Jungs und schäferhundet die Herde durch das Wohngebiet, während der Ehemann mit der Nase am Display klebt und ab und an den rechten oder linken Arm hebt.

Dort angekommen empfehle ich allen Kindern eine Pippi-Pause, erwische aber nur zwei. Ein Kind hat schon den Rasen vor der S-Bahn-Station gedüngt, ein Kind weigert sich und eines ist so fasziniert von den Kinderbespaßungsgeräten, dass es Raum und Zeit vergisst.

Zum Glück meldet es sich später ganz freiwillig.

Als die Kinder verschwunden sind, setzt sich der Ehemann laut seufzend auf den Korbstuhl und die Ehefrau dekoriert den Tisch und isst die Würstchen auf, bis der Ehemann sie rettet. Die Würstchen. Nicht die Ehefrau.

„So, bester Ehemann der Welt, dann wolln wir mal“, sage ich, als ich fertig bin mit Dekorieren.

„Und was jetzt?“

„Schauen, ob alle Kinder noch am Leben sind.“

„??? Aufstehen? Hingehen?“

„Hallo? Wir sind verantwortlich für vier fremde Kinder!“

„Hmpf.“

Und es wird schön. Sie essen sogar Gurkenscheibchen und Möhren, obwohl auch kleine NegerSchaumküsse auf der Tischdecke verteilt liegen. Wir spielen Fußball und Verstecken. Wir toben auf der großen Tobematratze. Wir warten im Bällebad, bis die Kinder hineinrutschen. Wir trösten und suchen Kinder, fahren mit den Fahrzeugen und lehnen es ab, auch noch Eis und Kaumgummis zu kaufen. Wir bieten Kekse als Alternative an und bestellen nach eineinhalb Stunden Pommes (statt Dinkelkuchen und Biokeksen) und essen die Reste, als die Geburtstagsgesellschaft satt ist und weiterspielen will. Hmm, Pommes! Erinnert mich so an die Kindergeburtstage meiner Kindheit. Lecker!

Auf dem Rückweg zähle ich die Kinder durch und folge dem schwarzen Mann, der in schnellen Schritten zur S-Bahn schreitet. Wir sind ein bisschen spät dran, weil es doch gar nicht so einfach ist, fünf Kinder zu finden, sie zu animieren, ihre Socken und Schuhe und Jacken anzuziehen und vor allem zusammenzuhalten. Ich verspreche jedem Kind eine Dose Seifenblasenmixtur, wenn es die Schuhe angezogen hat. Ein Kind fehlt und wird vom besten Ehemann der Welt gesucht, während ich schonmal mit vier pustenden Kindern vor die Tür gehe. Schön übrigens, dass die Verkehrsverbund-App auch die Abfahrtszeiten der S-Bahn anzeigt. Zu Fuß, lässt der Ehemann ausrechnen, bräuchten wir für dieselbe Strecke zweieinhalb Stunden.

Und dann sind wir wieder zurück, die Eltern warten schon und fragen ihre Sprößlinge, wie es denn war. Ja, toll natürlich. Aber müde sind sie jetzt schon auch. Mit rot glühenden Wangen winken die meisten noch zum Abschied, der Rest schläft sicher gleich im Auto ein. Schön war´s. Ganz unöko schön.

Advertisements

§ 3 Antworten auf Kindergeburtstag mit Apps

  • aleXXblume sagt:

    Hört sich schön an – und vom Stressfaktor her sogar noch einigermaßen erträglich 😉 Und „ganz unöko schön“ – genau so muss ein Kindergeburtstag sein, finde ich 😀 Ich denke auch, dass man mit seinen Prinzipien nicht päpstlicher als der Papst umgehen sollte und solche Ausnahmen ruhig – statt eines schlechten Gewissens – Spaß machen dürfen.

  • Marc sagt:

    Schön zu lesen, dass ich nicht der Einzige bin, der das iPad im ganz normalen Alltag auch verwendet. Ich hab‘ mich schon dabei erwischt, eben mal schnell in der Weather-App nachzusehen, wie kalt es draußen ist 😉

  • Mara Solanum sagt:

    @aleXXblume: Willkommen im Blog! Du hast natürlich vollkommen recht, für mich war es nur etwas seltsam, weil ich ja mit Öko Geld verdiene. Aber schließlich ist es ja sein Geburtstag und nicht meiner 😉 .

    @Marc: Ich hab mich auch schon mal dabei erwischt, dass ich neun plus vier in den Taschenrechner eingegeben habe…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Was ist das?

Du liest momentan Kindergeburtstag mit Apps auf Das zweite Kind sind Zwillinge.

Meta

%d Bloggern gefällt das: