Herdentrieb

17. Oktober 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Wenn Elisabeth mit den Zwillinge unterwegs ist und keinen Kinderwagen dabei hat, nimmt sie beide jeweils an eine Hand.

Wenn ich dasselbe versuche, fangen dieselben Zwillinge an zu weinen, rufen herzerweichend „Aua!“, brechen auf der Stelle zusammen und tun keinen Schritt mehr. Sowieso denke ich, dass Elisabeth die bessere Mutter ist. Zumindest die strengere. Wenn ich die Zwillinge einfach so laufen lasse, ergrauen mir minütlich weitere Haare, denn Sohni beliebt es vorzulaufen und erst einen Millimeter vor dem nächsten Rinnstein stehen zu bleiben, während Maxe in einem Vorgarten, der auf dem Weg zum Kindergarten liegt, weiße Deko-Steine räubert. Umgekehrt geht es auch, aber das ist seltener. (Einmal hat Sohni die weißen Deko-Steine in die Lüftungslöcher einer Kellermauer gesteckt und ist noch einmal zurückgelaufen, um weitere Steine zu holen. Inzwischen sammel ich die weißen Deko-Steine in einem Eimerchen auf der Fensterbank. Selbst Schuld die Leute, wenn die auch keine acht Meter hohen Araucarien in ihrem Vorgarten pflanzen. Wenn der Eimer voll ist, werde ich die Deko-Steine heimlich zurückschütten.)

Und wenn die Zwillinge nicht in entgegengesetzte Richtungen laufen, dann laufen sie gemeinschaftlich, aber weg, mit Vorliebe in irgendwelche Hinterhöfe oder auf den großen Parkplatz hinter dem Blumenladen. Sie kommen auch nicht zurück, egal wie lange ich warte oder wie oft ich rufe, und früher oder später muss ich sie dann entweder hinter mir herzerren oder sie in den Kinderwagen schnallen.

Wenn ich mit drei frei laufenden Söhnen unterwegs bin, bekomme ich regelmäßig Nervenzusammenbrüche, denn die Zwillinge folgen ihrem großen Bruder begeistert und wenn ich ihn zurückbrüllerufe, hört er nicht und begründet es damit, dass Sohni wahlweise Maxe doch AUCH weggerannt seien. „Warum schimpfst du nur mit mir???! Die Babys sind doch auch nicht zurückgekommen!!!“

Hmpf.

Die einzige Möglichkeit, ohne allzuviele Umwege und Adrenalinstöße zum Ziel zu kommen, ist es, nur ein Kind laufen zu lassen. Zwei geht notfalls auch, aber mindestens einer von den freilaufenden Kindern muss fünf Jahre alt sein.

Wenn nur ein Zwilling im Kinderwagen festsitzt, bleibt der andere in der Nähe und läuft jedenfalls nicht weg. Ich nenne das den Herdentrieb. Wenn der kleine Riesensohn komplett k.o. aus dem Kindergarten kommt und ich noch in die Stadt gehen will, darf er manchmal fahren. Dann geht es am allerbesten. Maxe hält sich sogar freiwillig mit einer Hand am Kinderwagen fest. Sohni macht dies zwar nicht, bleibt aber immerhin in der Nähe und spurtet nur vor, wenn er eine Ampel wittert, an der er den Fußgängerknopf drücken kann.

Wie gut, dass es ihn gibt, den Herdentrieb. Nur bräuchte meine kleine Herde noch einen Schäferhund. Oder ein besseres Leittier.

Advertisements

Tagged:

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Was ist das?

Du liest momentan Herdentrieb auf Das zweite Kind sind Zwillinge.

Meta

%d Bloggern gefällt das: