Kindergartenwege

10. November 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Also eigentlich gibt es ja nur einen. Einen Weg zum Kindergarten und einen Weg zurück. Der Plural kommt erst zustande, wenn man mehrere Kinder hat, die zu unterschiedlichen Zeiten aufwachen und eine Mutter ist, die es nicht über´s Herz bringt, eines ihrer Kinder zu wecken. In irgendeinem Land (in welchem habe ich vergessen), gilt es als ganz, ganz grob, wenn man einen Schlafenden weckt, was ich sehr sympathisch finde. Nun könnte der aufmerksame Leser  ja sagen, dass es doch praktischer wäre, auf alle Kinder zu warten, um dann den Weg nur einmal zu machen, aber wer praktisch einmal dabei war, wird mir recht gäben, dass unsere Variante einfach die nervenschonender ist.

Außerdem darf ich den Luxus genießen, fast jeden Morgen Elisabeth als Hilfe zu haben und spare mir auf diese Weise diverse Nervenzusammenbrüche und meist den zweiten Weg.

Heute zum Beispiel. Maxe wachte um sechs Uhr vierundzwanzig auf. Nein. Da schaute ich auf die Uhr. Es muss also früher gewesen sein. Melek schlief den Schlaf der Gerechten und so schlich ich mich mit Maxe die Treppen hinunter, um Sohni nicht zu wecken.

Selten habe ich Maxe morgens so gut gelaunt, geduldig und freundlich gesehen. Wir frühstückten gemeinsam, lasen das große neue Bilderbuch und tüdelten dann, in Schneeanzug und mit Wollmütze mit Toddeln an den Seiten in Richtung Kindergarten.

Jetzt kommt der andere Plural ins Spiel. Maxe läuft den Weg zum Kindergarten nämlich nicht einmal, sondern mindestens zweimal. Behaupte ich. Das geht los mit dem ersten Kellerfenster, hinter dem sich eine alte Kohlenschütte befindet, zack erstmal dahin.

„Da!“ ruft Maxe erstaunt und deutet in das dunkle Loch, vor dem sich inzwischen ein Gitter befindet. Erstaunt wie an jedem Morgen. Man ist versucht zu glauben, dass er über Nacht die Welt vergisst. Wir wenden uns dem nächsten Höhepunkt zu (die Hundehaufen beachten sie zum Glück noch nicht), das Zimmer der Nachbarmädchen, die meist schon auf sind, wenn wir vorbeitraben. Heute waren sie noch nicht wach (ach), daher fiel diese Attraktion also aus. Dann gibt es noch das Püppchen im Blumentopf vor dem Friseursalon, an dem so lustig die Glöckchen bimmeln, den großen Parkplatz hinter dem Blumenladen, die weißen Dekosteine in einem der Vorgärten, die Lüftungslöcher in einem alten Gebäude, die Katze auf der Fensterbank, die Katze vom… Der Maxe hüpft dann hin und her und auf diese Weise brauchen wir für eine Strecke von normalerweise maximal drei Minuten, mindestens zwei Stunden. Dann kommen noch drei Stunden Ausziehen, Hausschuhe anziehen, Windelkistenkontrolle, Kind(er) mit Futterpaket an den Tisch setzen, Plaudern mit anderen Müttern hinzu, und schwupps bin ich schon wieder zuhause. Für das Abholen (Begrüßen, Schmusen, Ausziehen, Anziehen) rechne ich mit einer Stunde, für das AufderMauervordemKindergartenBalancieren eine weitere, das Einfangen von wilden Rangen, die nicht auf mich hören wollen, kostet zwei Stunden und der Rückweg weitere drei. Heute kam eine Stinkewindel hinzu, die ich erst errochen habe, als ich Sohni (mit Schneeanzug und mit Winterstiefeln) von der Balanciermauer holte. Am Wickeltisch im Kindergarten traf ich eine weitere Mutter, die ihre Kinder auch schon vor fünf Stunden abgeholt hatte. Immerhin hatte die ihre Kinder schon zu Hause. Fehlte nur noch das rosa Handtäschchen der jungen Dame (Frauen können nicht einen Abend ohne!).

Und so kreise ich wie eine Adlerin um den Kindergarten herum, putze den Horst, fange Beute und und lerne nebenbei für die Prüfungen. Für die Nacht setze ich 72 Stunden an. Aber da hält sich eigentlich nie jemand dran.

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