Halbzeit Mutter-Kind-Kur

6. Januar 2012 § Ein Kommentar

Gerade habe ich den Fragebogen für die Halbzeit bekommen.

Fühle ich mich wohl?

Komme ich mit den anderen Teilnehmern klar?

Welche Angebote haben mir bisher am meisten geholfen?

Wir sind jetzt seit zehn Tagen hier. In wechselnder Besetzung. Da Maxe noch fieberte, ist er erst am ersten Samstag angekommen. Melek kam am Freitag nach, gestaffelte Ankunft also.

Kann ich übrigens nur jedem empfehlen, der mit drei Kindern anreist, denn die ersten Nächte sind gruselig. Alles neu, neues Bett, neues Essen, ungewohnte Geräusche, Lärm auf dem Flur, die Kinder sind unruhig und die Mutter auch.

Maxe wacht immer noch jede Nacht zwei- bis dreimal auf und erkundigt sich verwirrt nach Mama. Also stehe ich auf, suche Schnulli, Bär, den Körper von Hasi Eins (der Kopf ist immer noch nicht wieder aufgetaucht) und Hasi Zwo (der glücklicherweise noch ganz ist), gebe Küsschen und das Kind schläft wieder ein.

Melek kommt eigentlich jeden Morgen in mein schmales Bettchen und wenn dann noch Maxe oder Sohni auch schmusen wollen, wird es wirklich seehr knapp. Schlimm ist es, wenn alle drei morgens zum Kuscheln kommen. Heute zum Beispiel. Glücklicherweise war es schon fast sieben Uhr, so dass wir dann sowieso bald aufstehen mussten. Maxe meckerte, weil er sich beengt fühlte, Melek meldete sich kurz ab, weil „ich hole mal meine Decke, ne, Mama?“ und Sohni schmuste an meiner Wange.

Eine Stunde brauche ich, bis alle Kinder angezogen, eingecremt, gewickelt und bezahnbürstet sind. Maxe ist übrigens ungenießbar, wenn er Essen  s i e h t ,  aber nicht  e s s e n darf, in diesem Fall, weil es im Kinderhaus Frühstück gibt. Heute hat er ein Obstgläschen auf der Fensterbank entdeckt, dass dort steht, weil unsere Zimmer bullerheiß sind, obwohl ich ganztags und -nachts drei Fenster auf die Kippe stelle, denn das Haus verfügt über eine Fußbodenheizung, die sich aus irgendeinem Grund nicht regulieren lässt oder wenn, dann nur für das ganze Haus. Nahe am Fenster ist die Wahrscheinlichkeit am geringsten, dass sich im Glässchen der Schimmel ausbreitet.

Um acht Uhr morgens lasse ich die Kinder in den Flur hinaus, weil ich denke, dass dann ja sowieso alle aufstehen müssen. Carolina bestätigte meinen Verdacht mit den Worten: „Ich brauch keenen Wecker, wenn deine Jungs aus dem Zimmer komm.“ Nunja.

Die Idee mit dem Frühstück im Kinderhaus ist übrigens gen-i-al, denn sobald wir im Kinderhaus angekommen sind, hecheln alle Kinder bis auf Melek nach Vollkornbrötchen und Kakao, also eher Pseudokakao, der je nach Köchin, zartbraun oder dunkelbraun ist. Meistens ist er zartbraun.

Also jedenfalls wittern sie Frühstücksduft und bei Brötchen und Kakao sind sie dann erstmal so beschäftigt, dass ich mich von ihnen verabschieden kann, ohne dass der Abschmiedsschmerz sie zerreisst.

Melek erweist sich als plötzlich sehr klein, sobald ich ihn in seine Gruppe bringe, allerdings habe ich es munkeln hören (Gespräch mit dem Kinderhaus am Mittoch), dass sich die akute Schüchternheit quasi mit meinem Abgang in Luft auflöst. Deswegen nehme ich ihm seine Geschichte auch nicht so ganz ab, dass er dort seehr schlimm behandelt wird, weil Lara, eine Erzieherin alle Kinder zwingt sich na*kt auszuziehen, um dann alle ihre Klamotten zu verstecken.

Die Idee, den Kinderhaustag mit Frühstück zu beginnen finde ich auch deswegen genial, weil das gleichzeitig bedeutet, dass mein Tag mit einem Frühstück beginnt, das unter Bedingungen stattfindet, die mich nicht gleich an die Decke gehen lassen.

Danach gibt es Massage oder Wassergymnastik, Pilates oder Nordic Walking (was bisher immer ausgefallen ist), Gespräche mit einer Psychologin oder in der Gruppe, Malerei oder Schwimmerei auf eigene Inititative. Ich bin aber nicht ganz sicher, ob ich es schaffe, mein Bild auch wirklich fertig zu stellen, denn richtig viel Zeit am Stück habe ich ja nicht und wenn, dann lege ich mich lieber noch ein Stündchen auf´s Ohr, denn (s.o.) die Nächte sind unruhig.

Ansonsten ist es ein bisschen wie Uni-Alltag: Wie kriege ich alle Termine unter einen Hut? Gibt es Terminverschiebungen (s. Pinnwand), Anmeldefristen (Wer fährt am Sonntag mit in den Zoo?), in welchem Haus und in welchem Zimmer findet Anwendung A und Gespräch B statt und wo zum Kuckuck ist der Raum 510?

Ein bisschen Haushalt ist mir auch noch geblieben, allerdings unter erschwerten Bedingungen: Ich brauche Waschmarken. Die gibt es aber nur beim Hausmeister und der öffnet sein Kabüffchen nur zweimal am Tag für bizarre 15 Minuten. Der Waschraum ist nur von 8 Uhr bis 20 Uhr geöffnet, was bedeutet, dass ich die sauberen Büxen für Melek erst um 8 Uhr holen kann, er sich dann blitzschnell anziehen muss, denn um 8.15 Uhr sollte er im Kinderhaus sein.

Und ab und an lasse ich einen Termin sausen. Die Kopfschmerzgruppe zum Beispiel, weil ich lieber schwimmen möchte, was ich heute morgen gerne getan hätte, aber von der Reinigungskraft vertrieben wurde, weil „das geht eben nicht.“ Najut. Dafür hatte ich Blogzeit. Auch gut.

So, nun noch die Treppen runter, ins Zimmer, Computer einsperren, Schwimmnudel holen, wieder ins Haupthaus, Schwimmen und dann auch schon die Kinder abholen. Bisschen stressig ist es ja. Aber schön. Alle nett, alle freundlich, gelernt habe ich schon viel und bisschen Austausch gab es schon auch. Zweite Halbzeit, du kannst kommen.

Advertisements

Tagged:,

§ Eine Antwort auf Halbzeit Mutter-Kind-Kur

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Was ist das?

Du liest momentan Halbzeit Mutter-Kind-Kur auf Das zweite Kind sind Zwillinge.

Meta

%d Bloggern gefällt das: