Kurende

20. Januar 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Als die Zwillinge heute morgen in mein Bett krabbelten, das Handy hochhielten und „Papa? Papa? Hallo?“ in die Sprechmuschel brabbelten, wusste ich, dass es Zeit ist, nach Hause zu fahren. Wir riefen sogleich Papa dann an.

„Wer will zuerst?“ fragte ich in die Runde, und dann wechselten sich die Herren Söhne ab.

„Hallo? Hallo?“ flötet Sohni.

„Hehe“, freut sich Maxe.

„Papa!“ juchzt Melek.

Die Kur neigt sich dem Ende zu, und ja, ich stelle fest, ich bin ein bisschen traurig, obwohl vier Wochen Kur auch wirklich genug sind. Die Verlängerung hat sich aber gelohnt, die Kinder sind gut eingewöhnt, schlafen meist durch, der Orientierungsstress ist vorbei und ich habe meinen Rhythmus gefunden, sogar mein Bild ist fertig geworden und drei Kurdamen haben eine Bestellung bei mir aufgegeben ( 😉 ), angelegentlich stelle ich mal ein Foto ein.

Katrin fragt, was mich bewogen hat, eine Kur zu machen, und wo es doch so stressig ist…

Ich versuche mal so allgemein zu antworten. Die Schwerpunktziele sind für jeden ja andere. An Kurgründen schwirren hier folgende herum:

Kind hat Enuresis. Scheidung ist gerade eingereicht. Ehemann ist davon. Übergewicht oder Untergewicht, Ernährungsumstellung *hust*. Verbesserung der Mutter-Kind-Beziehung. Traumatische Erlebnisse des Kindes sollen bearbeitet werden. Traumatische Erlebnisse der Mutter sollen bearbeitet werden. Erschöpfungszustände. Depression. Die hiesige Klinik ist spezialisiert auf psychosomatische Diagnosen, viele Kliniken sind eher auf physische Leiden spezialisiert, zum Beispiel Haut- oder Atemwegserkrankungen, da sollte man sich vorher selber informieren, ob die Klinik passt, meist steht das auch ausführlich auf der Homepage. Selber anrufen finde ich auch hilfreich, um einige Fragen abzuklären: Hat man zwei Zimmer oder eines? Sind die Kinder bei den Mahlzeiten dabei? Behandlungsschwerpunkte? Wie ist die Kinderbetreuung organisiert? Wie viele Mütter sind gleichzeitig anwesend? Und was einem eben so einfällt. Bei so einem Kontakt kann man, wie ich finde, schon ein wenig heraushören, wie kundenfreundlich die Einrichtung eingestellt ist. Wenn mir jemand am Telefon gesagt hat, meine Kinder müsste ich schon selber ins Bett bringen, was bei zweien und großen kein Problem darstellt, wohl aber mit dreien, dann darf ich vermutlich nicht mit großem Verständnis für eine Mutter mit drei kleinen Söhnen rechnen.

Und jetzt so allgemein, was mir die Kur gebracht hat:

Viele Ideen für gemeinsame Mahlzeiten, sei es an Salaten, Variationsideen für den Abendbrotstisch, gesunde Süßigkeiten etc. und Mahlzeiten, die ich nicht selber zubereiten muss und die ich mit anderen Erwachsenen zusammen einnehmen darf, mit einem oft schönen Austausch bei Tisch. Das tut einfach gut.

Anregungen für sportliche Aktivität und vor allem, dass Sport einfach Spaß macht und vor allem der Seele guttut, wie Thai Bo (schreibt man das so?), Pilates, Wirbelsäulengymnastik (mit Tanz 😉 ), Rückenschule für den Alltag, Wassergymnastik, Nordic Walking, Body Styling usw.

Ideen für Mutter und Kind Interaktionen wie Mutter-Kind-Massagen (total schön und auch lustig, Melek liebt es), Basteleien, Kochereien, Sportlereien etc.

Kreative Ideen, ob für mich allein oder mit dem Kind zusammen. Ich habe meine Lieben für das Filzen entdeckt… Und hier gehört auch das Mutmachen dazu, die eigene Kreativität als eigene Ressource zu entdecken und zu nutzen.

Positive Gruppenerfahrungen: Andere Mütter sind auch keine besseren Mütter, Austausch von Erfahrungen, einfach sehen, dass mein Kind ganz normal ist, besonders wichtig bei den Frauen, die gerade in Trennung leben, hier jedenfalls. Ich war aber auch sehr berührt über den Austausch mit einer Frau, die ebenfalls an rascher Reizüberflutung leidet. Gemeinsam leidet es sich halt besser 😉 .

Und auch die seelische Betreuung. Es gibt hier eine psychosoziale Beratung bzw. Therapie, die häufig in der Empfehlung endet, sich auch zu Hause eine Unterstützung zu suchen.

Kurzum: es geht darum, viele neue Anregungen zu bekommen und vor allem die Botschaft: Mach was für dich, du bist wertvoll.

Alles klar, liebe Katrin? Sonst frage nur weiter … liebe Grüße

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