Bloß nicht blauäugig – Mutter-Kind-Kur-Vorbereitungen

3. Februar 2012 § 4 Kommentare

Am Mittwoch war ich beim „Starke Eltern – Starke Kinder“-Kurs und habe von unserer Kur berichtet. Darauf entspann sich ein interessantes Gespräch über den Sinn und Unsinn gewisser Einrichtungen und dass die Chance, eine gute Kur zu erhalten bei 1 : 1 liege.

Das mag sein, wenn man allzu blauäugig daran geht. Sicherlich wäre es wunderbar, wenn man davon ausgehen könnte, dass Einrichtungen für Mutter-Kind-Aufenthalte auch tatsächlich auf Mütter und Kinder eingerichtet sind. Sind sie aber nicht alle, wie ich bei einigen Telefonaten gemerkt habe. Auch wenn ich mich in einigen Punkten wiederhole, schreibe ich doch nochmal meine Gedanken nieder, von denen ich meine, dass man sie sich generell vor einer Kurfahrt machen sollte, natürlich aus der Sicht einer Drei-Kind-Mutter. Mit einem großen Kind zur Kur zu fahren, ist sicherlich noch einmal ein ganz anderes Thema.

Was sind unsere Indikationen?

Was gibt es da alles? Kind: Enuresis, Trauma, Depression, Asthma, Hauterkrankungen…

Mutter? Erschöpfung, Trennungssituation, Depression, Haltungsschäden, Gewicht reduzieren, an Gewicht zunehmen, Körperliche Schäden nach einem Unfall und und und.

Diese Indikationen mit den Behandlungsschwerpunkten der Wunschklinik abgleichen.

Entfernung zum Kurort:

Einige waren etwas verwirrt, als sie erfuhren, dass ich gar nicht so weit weg gewesen bin. Das war aber ein Pluspunkt für mich, denn ich wollte, dass der beste Ehemann der Welt uns besuchen kann. Am Wochenende habe ich ihm dann ein oder zwei Kinder mitgegeben, zum einen, damit ich auch Wochenende habe, zum anderen, damit die Kinder zwischendurch auch einmal zu Hause sein können (und zum Beispiel Freunde treffen können, denn für die kleinen Kinder sind drei Wochen schon eine sehr lange Zeit) und nicht zuletzt, damit der Papa sich nicht völlig entfremdet.

Wenn man sich in einer Trennungssituation befindet, kann es natürlich auch gut sein, weit weg zu sein; je nachdem, sollte man sich die Vor- und Nachteile vor Augen halten.

Kinderbetreuung:

Welche Gruppen gibt es? Wie viele Kinder befinden sich in einer Gruppe? Wie ist der Betreuungsschlüssel? Welche Angebote gibt es? Bei uns gab es einen Schwerpunkt auf psychomotorische Turnen, was ich sehr schön fand. Wenn man im Winter eine Kur macht: Wo kann man sich aufhalten, wenn es draußen kalt ist und regnet? Gibt es Spielezimmer? Eine Turnhalle, die man nutzen kann? Ist das Schwimmbecken für kleine Kinder geeignet? Bei uns gab es ein Bewegungsbad, in dem keines meiner Kinder stehen kann. Ich hätte mir da noch ein Kleinkindbecken zum planschen und schütten gewünscht, habe mich dann aber mit Schwimmflügelchen arrangiert. Außerdem gab es einen Bastelraum und einen Fernsehraum. Und die wichtige Frage: Werden die Mahlzeiten gemeinsam eingenommen oder getrennt? Es scheint auch Kurkliniken zu geben, wo man die Kinder nur während der Anwendungen abgeben kann, was ich einigermaßen bescheiden finde, denn jedes Abgeben macht auch wieder Stress. Will ich das täglich sogar mehrmals? Essen mit drei Kleinkindern finde ich persönlich echt anstrengend und habe es genossen, täglich drei Mahlzeiten mit erwachsenen Frauen einzunehmen, das Mittagessen sogar, bevor es kalt wurde  😀 . Umgekehrt kann es natürlich sein, dass die Mutter gerne die Mahlzeiten mit ihren Kindern einnehmen möchte und wenn das nicht geht, ist es natürlich auch irgendwie nicht schön.

Herrenbesuch:

Will ich eine Kur, in der nur Mütter sind? Unsere Klinik legt einen Schwerpunkt auf Frauen in Trennungssituationen und da ist es nicht erlaubt, wenn der Vater mit im Zimmer übernachtet. Männerfreie Zone ist da erwünscht, was ich irgendwie auch verstehen kann. Man sollte sich also vorher überlegen, mit welchen Einschränkungen man (nicht) leben kann. Es gibt auch Kuren, wo auch Papas anzutreffen sind, was die Atmosphäre natürlich auch verändert.

Essen:

Ich habe eine Milcheiweißallergie und die Küche hat da sehr gut mitgemacht. Meine Sojamilch stand in einem extra Kühlschrank, gewisse Soßen und Gerichte wurden extra für mich abgewandelt. Also sollte man sich überlegen, was einem am Essen wichtig oder nicht so wichtig ist und da mal anfragen, das gilt natürlich auch für vegetarische Vorlieben oder schweinefleischfreie Wünsche.

Hilfe in Krisen:

In unserem Haus gab es ein Notfalltelefon, das ich auch hin und wieder angerufen habe. Zum Beispiel, als Melek sich im Klo eingeschlossen hatte. Oder Sohni mich im Zimmer. Meine größten Notfälle ereigneten sich abends, wenn ich allein drei Kinder ins Bett bringen sollte. Nach zwei Abenden habe ich dann abends einen Babysitter als Hilfe bekommen, der unser Stehaufmännchen Sohni beaufsichtigte, damit ich die anderen Zwerge schlafen legen konnte. Das gibt es sonst nirgends, zumindest nicht, dass ich wüßte, ist sicherlich auch nicht bei jeder Dreikindmutter notwändig. Sollte man sich aber vorher überlegen, ob man es sich zutraut, abends alleine mit den Kindern zu sein. Anscheinend gab es in dieser Klinik auch schon einmal eine Mutter mit sechs Kinder (zweimal Zwillinge und noch zwei), die dann auch täglich vier Stunden lang einen Babysitter hatte. Sonst wird man ja verrückt. Also vorher fragen, was da möglich ist, anmelden, wo man Hilfe braucht und dann mal schauen, wie die reagieren.

Kreatives:

Für mich war es sehr wichtig, dass ich malen konnte. Einige der Frauen dort haben den Werkraum nie betreten, hätten ihn also gar nicht gebraucht, für mich war das echt wichtig.

Sommer oder Winter?

Unsere Winterkur war nicht ausgebucht, was bedeutet, dass die Gruppe relativ klein war. Ist vielleicht nicht in jedem Kurhaus so, aber es wäre ja mal eine Nachfrage wert, wie viele Mütter an der Kur teilnehmen. Im Sommer sind die Kuren übrigens schneller ausgebucht, also sollte man sich da rechtzeitig anmelden.

Ferienzeiten:

Wenn die Kur nicht in den Ferien stattfindet: Gibt es eine betreute Hausaufgabenzeit? Lehrer? Wie ist es organisiert, dass die Schüler nicht allzu viel verpassen?

Selbst ist die Frau:

Kuren sind dann besonders erfolgreich, wenn man sich bewusst ist, dass man selbst zum Kurerfolg beiträgt. Das kann darin bestehen, auch mal eine Anwendung ausfallen zu lassen, um sich Zeit für sich selbst zu nehmen, oder auch Veränderungen im Kurplan anzumelden. Keinesfalls sollte man alles so mitmachen, wenn man sich eine bessere Alternative vorstellen kann. Auch sollte man sich überlegen, was man bräuchte, um wieder einen Schritt weiterzukommen, vielleicht noch mal ein Gespräch über Ernährungsfragen, Glaubensfragen, Erziehungsfragen?

Psychosoziale Beratung:

Gibt es Einzel-/Gruppengespräche, kann ich Themen anbringen, die ich schon immer mal loswerden wollte? Auch hier gilt: Wenn man mit dem Bezugstherapeuten (das heißt wirklich so) nicht zurecht kommt, nachfragen, ob man wechseln kann.

Eine gute Planung ist zwar aufwändig, aber eine Kur, die man vergebens durchgestanden hat, ist ja auch nicht unbedingt ein erfreuliches Ereignis. Von daher wünsche ich allen erholungsbededürftigen Müttern (und ihren Kindern) eine schön Kur!

Und hier meine persönliche Empfehlung:

Haus Waldquelle

 

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§ 4 Antworten auf Bloß nicht blauäugig – Mutter-Kind-Kur-Vorbereitungen

  • Super geschrieben

    Meine MuKi Kur mit zwei Kindern U3 vor einigen Jahren war leider auch kein voller Erfolg, weil ich mir über viele Dinge vorher zuwenig Gedanken gemacht hatte und an ein unpassendes Kurhaus geraten bin. Besonders der Punkt Essen mit mehr als einem Kleinkind + Buffet ist Stress pur. Und auch das Väterverbot ist unschön, wenn der Papa zu Besuch ist und nicht mal von den Kids ihr Zimmer gezeigt bekommen kann.

    Mir fällt noch ein:

    Kann man Zimmer / Haus abschließen um die Kinder Abends mit Babyphon allein zu lassen? Ging bei uns nicht und die Kinder hätten so unbemerkt ins Schwimmbad, auf die Hauptstraße oder ans Meer laufen können. Oder jeder Fremde einfach ins Haus laufen können und sich in den Zimmern umsehen.

    Kann man eigene Babyphone nutzen (ging dort nicht weil irgendwelche Störsender existierten) und gibt es genung Babyphone zu leihen (gab es nicht, sondern nur für Kinder U2).

    Gibt es die Möglichkeit sich Abends mit anderen Müttern zu treffen wenn die Kinder im Bett sind (Gruppenräume in der Nähe der Zimmer) oder muss man sich entscheiden die Kinder ohne Aufsicht allein im offenen Zimmer zu lassen oder ab 20.00 Uhr auch im Zimmer zu sitzen in dem auch die Kids schlafen.

    Gibt es einen eigenen Schlafraum für die Kinder?
    Gibt es Sicherhungen für die Fenster (gab es bei uns nicht und das Fenster war direkt über dem Kinderbett)?

    Dürfen auch gesunde Begleit Kinder am Kinderturnen, Mutter-Kind Schwwimmen usw. und anderen Aktivitäten teilnehmen? Durften meine nicht und fanden es total unfair.

    Für ältere Kinder und Mütter mit nur einem Kind war unser Haus sicher toll, für mich waren die 3 Wochen anstrengender als unser Alltag.

    Dürfen die Kinder mit Papa/Oma/Opa für ein paar Tage die Kur verlassen, wenn sie nur Begleitkinder sind? War bei uns nicht möglich, da es sonst als Kurabbruch gewertet würde. Dabei hatte unsere Kleine fruchtbar Heimweh nach Papa und war krank = wir durften unser Zimmer nicht verlassen und ich keine Anwendungen nutzen. Und wer schon mal 3 Tage mit 2 U3 Kids auf 12qm verbracht hat wird sehr sehr verzweifelt.

  • mara sagt:

    Boh! Ich bin ganz baff, dass es solche Häuser gibt! Vielen Dank für deine Ergänzungen!
    Bei uns gab es Fenstersicherungen, Babyphones UND Babysitter, die regelmäßig an der Tür gelauscht haben, und bei Bedarf die Mutter angerufen haben, Aufenthaltsräume gab es in jedem Haus, und es wurde stark betont, dass die Mütter ihre Freizeit nutzen und gestalten sollen, das wäre ein wichtiges Ziel der Kur. Der beste Ehemann der Welt durfte natürlich in unsere Zimmer, es ging nur darum, dass in den gemeinsamen Räumen nur die Kurteilnehmerinnen sein sollten.Und am Wochenende hat der beste Ehemann von allen ein oder zwei Kinder mit nach Hause genommen. Die Begleitkinder durften alles mitmachen und das war auch so gewollt, dass es eben keine Trennung zwischen Therapie- und Begeitkindern gibt, damit auch die Therapiekinder sich nicht therapiert fühlen. Ich merke immer mehr, dass ich in einem Schloss kuren durfte…
    Liebe Grüße in den Alltag,
    Mara

  • Grit sagt:

    Wo warst du, Mara?
    Habe auch eine Kur genehmigt bekommen und suche nun das richtige für meine Tochter (11 Begleitkind) und mich.

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