Einsilbig

13. Februar 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

ist Maxe.

Aber: Er spricht. Also nicht nur nach, sondern sogar aus eigenem Antrieb.

„Popo“, brummt er mit Baby-Bassstimme* beim Abendbrot und zeigt auf seinen Hintern.

* zur richtigen Intonierung das Kinn auf den Hals setzen und das Wort grollend herausrollen lassen.

„Richtig“, ermutige ich ihn.

„Popo“, brummt die Baby-Bassstimme weiter und zeigt auf Sohnis Allerwertesten.

„Ganz genau“, lobe ich.

Am Ende haben wir festgestellt, dass alle Abendbrotsteilnehmer einen „Popo“ haben, und Maxe isst – zufrieden mit sich und der Welt – weiter.

„Au“ ist „Auf!“ oder auch „Es tut weh!“ „Au“ kann auch bedeuten, dass Maxe Honig, Marmelade oder Soße an den Fingern kleben hat und ist zugleich eine Aufforderung an den zuständigen Elternteil eine Serviette zu organisieren.

„Bäh“ ist der Schmutz auf dem Fußboden oder der Müll, den jemand achtlos auf die Straße geworfen hat. „Bäh“ ist auch das, was aus dem „Popo“ (Kinn auf den Hals!) kommt, wobei ich ihn da gleich korrigiere. Es ist vielleicht nicht besonders wohlriechend, aber kein „Bäh“, sondern, und auch da ist Maxe Profi: „Kacka!“ „Pipi“ ist ja ein alter Hut, seitdem sowohl Maxe wie auch Sohni ihre Fingerchen in Meleks P*pi-St*ahl gehalten haben.

Gestern hat Maxe sogar „Bär“ gesagt, als er den kleinen Schlüsselanhänger aus der Windelkiste gefischt hatte, der sich neben Blinki, dem violetten Pony, den Malmäusen und den Puzzlewürfeln versteckt hatte.

Mit diesen Worten und variabler Betonung kommt er eigentlich ganz gut durch den Tag.

„Mama, Kacka?“ fragt er fürsorglich und klappt schonmal den Klodeckel hoch, „Popo?“

Oder, sehnsuchtsvoll: „Papa?“ Dabei zeigt er mit seinem Fingerchen aus dem Fenster.

„Papa arbeiten“, erkläre ich, „Papa ist mit dem Auto weggefahren.“

„Oooh“, kommt es unendlich bedauernd.

Traumatisch war die Sache mit dem Luftballon. Für jeden gab es einen mit Helium gefüllten zur Heimkehr nach der Kur. Seinen eigenen hat er fliegen lassen, während ich Sohni auf dem Wickeltisch hatte. Ich schenkte ihm meinen. Sohnis Ballon wurde einige Tage später von Maxe in die Freiheit entlassen, worauf mein Luftballon in den Besitz von Sohni überging. Seitdem zeigt er täglich in den Himmel und macht mitleidserregende „Oooh“-Laute.

Bei den restlichen Worten gibt er sich Mühe, und ich lobe ihn über den grünen Klee, wenn irgendetwas Wortähnliches seiner Kehle entspringt. Auch Melek war ein Late Talker und musste zum Hörtest. Mit den Zwillingen war ich da immer noch nicht, Schande auf mein Mutterhaupt, aber Hören ist nicht Maxes Problem.

„Wo zum Kuckuck ist der Deckel von meinem Thermobecher?“ rufe ich, während ich in alle Schränke schaue.

Maxe ruckelt am Topfschrank.

„Nein, da darfst du nicht ran, Maxe!“

Maxe ruckelt weiter und zeigt mit seinem Fingerchen in den Schrankspalt.

„Du meinst, er ist im Topfschrank?“ frage ich, und tatsächlich, da ist er. Da hat er ihn wohl reingelegt, die Topf-Deckel kommen da nämlich auch hinein. Ein ordentlicher Junge, der Maxe.

Sorge macht mir eher die nächste Phase, die Phase, die nach den Einsilber-Monaten kommt. Zu gut erinnere ich mich noch an die Non-Stop-Redezeit des kleinen Riesensohnes, hatte ich mich doch danach gesehnt, endlich sein zartes Stimmchen kennenzulernen. Es hat nur einige Tage gedauert, bis ich dahinter kam, dass ein non-stop-redendes Kind mit einem begrenzten Wortschatz einen Elternteil an die Decke gehen lässt. Der beste Ehemann der Welt hat sich mit Ohropax beholfen, ich bin fast verrückt geworden.

„Bagga! Da! Papa Pipi? Mama Pipi? Da Bagga! Boah! Bagga! Kacka Popo? Baby Pipi? Bagga! DADADADA! Bagga boah!“ (bitte hundertmal ohne Atem zu holen wiederholen)

Wir werden sehen. Bis zur nächsten Phase lehne ich mich noch relativ entspannt zurück und genieße die Stille.

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